Von Ende Juni an wird in Delbrück am Alten Markt und an der Thülecke gebuddelt – mit Kommentar Am Nadelöhr bleibt alles beim Alten

Delbrück (WB). Geht in den kommenden Wochen aus Sicht der Stadt Delbrück alles glatt, soll Ende Juni mit der Umsetzung der dritten großen Baumaßnahme zur Umgestaltung der Innenstadt begonnen werden. Das hat Heinz Drüke, Leiter des Fachbereiches Bauen und Planen, in der jüngsten Sitzung des Umwelt-, Bau- und Planungsausschusses angekündigt.

Von Jürgen Spies
Das Delbrücker »Nadelöhr« von oben: Eigentlich wollte die Stadt im Bereich Lipplinger Straße (unten links) einen Kreisverkehr bauen lassen. Die Grundstückseigentümer verweigerten aber die Bereitstellung von Flächen für den Bau.
Das Delbrücker »Nadelöhr« von oben: Eigentlich wollte die Stadt im Bereich Lipplinger Straße (unten links) einen Kreisverkehr bauen lassen. Die Grundstückseigentümer verweigerten aber die Bereitstellung von Flächen für den Bau. Foto: Besim Mazhiqi

Die Maßnahme umfasst den Bereich Alter Markt, den Einmündungsbereich Thülecke/Lipplinger Straße/Lange Straße und den unteren Teil der Graf-Sporck-Straße.

Nachdem schon vor einigen Monaten feststand, dass der ursprünglich vorgesehene Bau einer Kreisverkehranlage dort ad acta gelegt werden musste, weil die Stadt mit einem Anlieger kein Einvernehmen erzielen konnte (Stichwort: Überplanung von Privateigentum), ist die Kreuzungsplanung modifiziert worden. Fazit daraus: Im Prinzip bleibt dort alles beim Alten. An der Verkehrsführung ändert sich nichts Grundlegendes. Auch am LKW-Lieferverkehr an der Thülecke wird sich nichts ändern. Reinhold Hansmeier (CDU): »Der Bereich ist ein Nadelöhr. Ob sich die Situation demnächst bessern wird...? Ich weiß es nicht.«

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Der Bereich ist ein Nadelöhr. Ob sich die Situation demnächst bessern wird...? Ich weiß es nicht.

Reinhold Hansmeier (CDU)

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Hansmeier vermisste in der Ausschusssitzung die planerische Wiederaufnahme des noch bestehenden Fußgängerüberweges. Heinz Drüke sagte dazu, bis zur Ratssitzung (Donnerstag, 22. März, 18 Uhr; Stadthalle) müssten diesbezüglich noch Klärungen erfolgen; es seien an dieser Stelle »Sichtbeziehungen zu berücksichtigen«. Willibald Haase (SGD) bemerkte: »Über diesen Zebrastreifen darf es doch gar keine Diskussion geben. Natürlich ist der dort, wo er jetzt ist, auch demnächst unverzichtbar!«

Am Alten Markt soll ein Brunnen errichtet werden, der die Stele des dort bereits stehenden älteren Brunnens mit den drei K-Motiven (Karneval, Kreuztracht, Katharinenmarkt) aufnehmen wird. Eine Asphaltdecke wird es im weiterhin überfahrbaren Straßenbereich des Alten Marktes nicht geben; dort ist nach wie vor eine Pflasterung vorgesehen. Ein unterschiedliches Pflastermaß dient der Abhebung von den Seitenbereichen. Parkplätze soll es am Alten Markt nur noch an der östlichen Seite geben.

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Mit den anderen Eigentümern sind noch Gespräche bis zur Ratssitzung vorgesehen.

Bauamtsleiter Heinz Drüke

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Meinolf Sandbothe (CDU) regte an, die bislang schwache Platzwahrnehmung am Alten Markt durch die Wahl eines deutlich anderen Pflasters herauszustellen. Willibald Haase unterstützte Sandbothe und sagte: »Gute Idee. Wir haben es noch in der Hand, uns dort für ein anderes Pflaster zu entscheiden.«

Für die Graf-Sporck-Straße im Abschnitt zwischen dem Alten Markt und etwa der Einmündung Marktstraße/Höhe Gymnasium liegen jetzt ebenfalls die Planungen vor. Dieser Straßenzug war zu Beginn nicht Bestandteil des Inte­grierten Handlungskonzepts, konnte aber nach Rücksprache mit der Bezirksregierung noch in das Programm zur Städtebauförderung aufgenommen werden. Die Planer möchten diesem Teil der Graf-Sporck-Straße (»Postberg«) durch die Anpflanzung einer ganzen Reihe von Bäumen ein alleenartiges Aussehen geben.

Parkplätze in Längsaufstellung zwischen den Bäumen sind nur in Fahrtrichtung Alter Markt vorgesehen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite soll ein breiter Gehweg entstehen. Kritisiert wurde im Ausschuss, dass die Parkplätze »den Postberg runter« sehr nahe an den Hausecken und Grundstücksmauern liegen werden.

Im unteren Bereich der Lipplinger Straße ist geplant, beidseitig Bushaltestellen mit entsprechenden Schutzständen anzulegen. Der abschüssige Bereich vor der Bäckerei Goeken wird teilweise über eine Treppenanlage angepasst.

Die gesamte dritte Baumaßnahme wird etwa 1,5 Millionen Euro kosten. Vom weit überwiegenden Teil der Anlieger/Grundstückseigentümer liegen laut Stadtverwaltung die Zustimmungen zur Planung vor. »Mit den anderen Eigentümern sind noch Gespräche bis zur Ratssitzung vorgesehen«, sagte Drüke, der zuversichtlich ist, dass diese Gespräche nicht zu einem Scheitern der Planung führen werden.

Das, was man demnächst nach Fertigstellung der Baumaßnahmen sehen kann, repräsentiert wie schon an anderer Stelle nur einen Teil des Millionenaufwandes. Viel Geld muss nämlich aufgebracht werden, um unterirdisch Leitungen und Anschlüsse zu erneuern.

Kommentar von Jürgen Spies

Das vermutlich schwierigste Kapitel der Innenstadtumgestaltung stand von Anfang an unter keinem guten Stern, weil sehr früh klar war, dass Grundstückseigentümer von ihrem Recht Gebrauch machen, Planungen der Stadt auf privatem Grund und Boden nicht (in bislang einem Fall), oder erst nach schwierigen Verhandlungen (mehrere Fälle) und gegenseitigen Kompromissen zuzustimmen.

Stadt und Planer hat dies die Arbeit erschwert – klar. Nicht alles, was sie sich ausgedacht hatten, kann 1:1 umgesetzt werden, was nicht verwundert, denn das Recht ist und bleibt auf der Seite der Grundstückseigentümer, ob es einem passt oder nicht. Ein Problem: Es gibt im weiten Umkreis wohl keine andere Stadt, in der so viele öffentliche Straßenräume in Privatbesitz sind wie in Delbrück.

Was auch mal klar gesagt werden muss: Die ganze Innenstadtumgestaltung polarisiert. Wer sich mit Delbrückern darüber unterhält, bekommt die ganze Bandbreite zu hören. Da reichen die Ansichten von vollster Zustimmung (»Das sieht doch alles toll aus!«) bis zur eindeutigen Unzufriedenheit (»Das ist nicht mehr ›mein Delbrück‹. Die Innenstadt wirkt jetzt kalt und steril«).

Und es gibt grundsätzliche Kritik, die auch jetzt im Bauausschuss noch einmal laut wurde. Michael Kersting (SPD) beispielsweise sagte, er könne nicht erkennen, was sich in Sachen Verbesserung der Aufenthaltsqualität großartig geändert habe; Jürgen Wrona (Grüne) hält die ganze Zielsetzung für verfehlt (»Das Verkehrsgewusel bleibt«).

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