Wälder gesperrt – Schäden noch nicht zu beziffern – Aufräumarbeiten dauern Monate Orkan knickt Fichten wie Streichhölzer

Höxter/Bad Driburg (WB). Orkan »Friederike« hat in Egge und Solling sowie auch in anderen Wäldern im Kreis Höxter große Schäden hinterlassen. »Es ist ein gefährlicher Cocktail: sehr hohe Windgeschwindigkeiten, aufgeweichte Böden und Nass-Schnee«, bewerte Regionalforstamtschef Roland Schockemöhle die Ausgangslage. Die Folge: Alle Wälder in den Kreisen Paderborn und Höxter sind zunächst bis zum 31. Januar gesperrt.

Von Michael Robrecht        und Jürgen Köster
An diesem Hang der Hegge unterhalb von Frohnhausen hat der Sturm die Bäume wie Streichhölzer geknickt.
An diesem Hang der Hegge unterhalb von Frohnhausen hat der Sturm die Bäume wie Streichhölzer geknickt. Foto: Frank Spiegel

»Dort herrscht höchste Lebensgefahr«, warnt Schockemöhle eindringlich davor, die heimischen Waldgebiete zu betreten. Über eine so genannte ordnungsbehördliche Verordnung zur Gefahrenabwehr hat der Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Regionalforstamt Hochstift, das Betreten der Wälder untersagt.

Mit Hochdruck

Am Freitag hatten die Forstämter erstmals die Bestände genauer besichtigen können. »Vor allem im Süden Niedersachsens haben die starken Böen auch im Wald deutliche Spuren hinterlassen. In Harz und Solling sind Waldbestände teilweise flächig geworfen worden. Die Mitarbeiter gehen nun mit Hochdruck daran, die Straßen und Wege freizuschneiden«, beschreibt Klaus Jänich, Vizepräsident der Landesforsten, das weitere Vorgehen.

»Die Sicherheit der Waldbesucher sowie unserer Mitarbeiter steht bei der Aufarbeitung an erster Stelle«, erläutert Jänich. Auch nach Abflauen des Sturms bestehe noch die Gefahr umstürzender Bäume und herabfallender Äste, deshalb dauere die Waldbegehung noch Wochen.

Die Landesforsten bitten darum, die Wälder vorerst nicht zu betreten. Herunterfallende Äste und entwurzelte Bäume können zur akuten Gefahr werden. Forstamtsleiter Walter Hennecke aus Neuhaus befürchtet, dass der Orkan besonders an den von »Kyrill« 2007 angegriffenen Flächen weiter »ganz Arbeit« geleistet und viele Bäume umgeworfen habe. 100.000 Kubikmeter gefälltes Holz – eine nicht undenkbare Zahl.

Hubschrauber kommt

Am Tag nach dem Sturm habe man noch nicht alles sichten können. Anfang nächster Woche komme ein Hubschrauber, um die großen Flächen zu überfliegen. Zurzeit gehe es vorrangig darum, die Zufahrtsstraßen nach Neuhaus und Silberborn wieder befahrbar zu machen. Es müssten tagelang Bäume zerschnitten und geräumt werden, kündigte Henneke an.

Die Straße von Boffzen nach Neuhaus sei gesperrt. Auch auf der Strecke von Neuhaus nach Silberborn und Dassel und über Winnefeld würden viele umgestürzte Bäume liegen. Von Holzminden komme man wieder nach Silberborn. Auch Richtung Lauenförde würden viele umgestürzte Bäume geräumt.

Infrastruktur erschließen

Ähnlich sieht es in den weiteren Waldgebieten im Kreis Höxter aus, der insgesamt betroffen gewesen sei, wie Roland Schockemöhle erklärt. Schwerpunkte seien wohl in Brakel, Beverungen und Marienmünster auszumachen. »Mit Sicherheit lässt sich aber auch dazu noch nichts sagen. Wir haben große Probleme, überhaupt in den Wald zu kommen«, sagt der Leiter des Regionalforstamtes Hochstift. Am Donnerstag hätten zahlreiche Forstwirte zunächst einmal dabei geholfen, die Straßen wieder frei zu bekommen. Schockemöhle: »In den nächsten Tagen wird es darum gehen, die Infrastruktur im Wald wieder zu erschließen. Das werden wir mit Besonnenheit und Augenmaß tun.«

Neben den umgestürzten Bäumen gebe es viele, die nur »angerissen« seien oder nur noch ständen, weil sie an andere angelehnt seien. Äste aus den Kronen könnten noch Tage später herunterfallen. »Das Ausmaß ist sicherlich nicht annähernd mit Kyrill zu vergleichen, aber es ist seither bestimmt das relevanteste Sturmereignis in der Region«, urteilt Schockemöhle.

Validere Zahlen

Er rechnet damit, dass erst in der kommenden Woche validere Zahlen zu den Schäden genannt werden könnten. Die Waldsperrung zunächst bis Ende dieses Monats aufrechterhalten. Die Aufarbeitung der Schäden werde die Forstämter und ihre Mitarbeiter noch mehrere Monate beschäftigen.

Und gerade die Windwurfaufarbeitung sei über die Maßen gefährlich, wie Jan Preller vom Waldinformationszentrum Hammerhof weiß. »Die Stämme liegen kreuz und quer im Wald. Die Spannungsverhältnisse im Holz der einzelnen Stämme sind schwer zu beurteilen und können oft nur mit großem Gerät gebändigt werden«, sagt Preller.

Mulmiges Gefühl

Viele Mitarbeiter würden mit einem mulmigen Gefühl an die Aufgabe herangehen – diejenigen, die bei Kyrill dabei gewesen seien, erinnerten sich noch an die Gefahren, die auf sie warten. Im Hochstift seien damals mehrere Mitarbeiter schwer verletzt worden.

Bewährt hat sich laut Schockemöhle, dass die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Behörden und Institutionen in den letzten Jahren mehrfach geübt worden sei. Sie habe hervorragend funktioniert.

Der Krisenstab für die Region sei in Münster eingerichtet, die Regionalforstämter bildeten quasi die regionalen Außenstellen dieses Stabes. 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.