Erneuter Hilferuf: Uni Baskets auf der Suche nach Großsponsoren Und täglich grüßt das Geldproblem

Paderborn (WB). Souverän ist anders und trotzdem haben sich die Uni Baskets auch in dieser Pro A-Saison wieder den Klassenerhalt gesichert. Die Spielzeit 2018/2019 wird die 35. in Folge, in der die Korbjäger aus Paderborn mindestens in der zweithöchsten Liga zu finden sind. Treu bleibt sich der Basketballstandort allerdings auch in einer anderen, einer leidigen Tradition: Und täglich grüßt das Geldproblem.

Von Elmar Neumann
Harte Zeiten: Mit acht Niederlagen in Folge haben sich Dion Prewster, Ethan O’Day und Dominik Wolf aus der Saison verabschiedet. Für den Klassenerhalt hat es aber gereicht.
Harte Zeiten: Mit acht Niederlagen in Folge haben sich Dion Prewster, Ethan O’Day und Dominik Wolf aus der Saison verabschiedet. Für den Klassenerhalt hat es aber gereicht. Foto: Elmar Neumann

»Ich bin jetzt seit 30 Jahren in verschiedenen Funktionen dabei und im Prinzip ist das alles hier seit 30 Jahren unterfinanziert«, sagt Präsident Christoph Schlösser, um anschließend hinzuzufügen: »Jetzt sind wir allerdings an einem Punkt, wo uns allen das nicht länger zuzumuten ist. Wir brauchen etwas Luft zum Atmen und dafür benötigen wir ein, zwei Großsponsoren, die uns auf ein wirtschaftliches Level heben, das uns wettbewerbsfähig macht.«

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Wir brauchen etwas Luft zum Atmen.

Präsident Christoph Schlösser

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Es ist ein erneuter Hilferuf, den der Vereinsboss, Geschäftsführer Dominik Meyer und Headcoach Uli Naechster in einem als Bilanzpressekonferenz deklarierten Gespräch an die Paderborner Wirtschaft senden. Nein, der 13. Platz und ganze neun Siege in einer für die Baskets zum sechsten Mal hintereinander wieder vor den Play-offs beendeten Serie ist nicht das, was sich die Verantwortlichen von den 30 Begegnungen erhofft hatten. Allein an den Zuschauerzahlen – der Schnitt lag bei play-off-würdigen 1400 Fans – finden die Beteiligten Gefallen. »Schlössi« betont aber auch: »Einerseits sind wir nicht glücklich über den Verlauf, aber andererseits muss man eben auch festhalten, dass diese Platzierung einfach unserem Etat entspricht, mit dem wir etwa 50 Prozent unter dem Durchschnittsbudget der Liga liegen.«

Der Mittelwert beträgt 868.000 Euro. Die Baskets befanden sich demnach ungefähr bei 430.000 Euro und selbst das war fast noch zu wenig des Unterdurchschnittlichen. »Unter dem Eindruck des sportlich überraschend erfolgreichen Vorjahres waren wir vor dieser Saison etwas zu mutig, etwas zu optimistisch, mussten Sponsorenkürzungen hinnehmen und haben den Etat trotzdem ein bisschen erhöht. Daher befinden wir uns jetzt in einer Situation, die schwierig ist, die wir aber in den Griff bekommen werden«, sagt Schlösser. Es geht in diesen Tagen nicht um die Existenz. Die Lizenz ist nicht in Gefahr. Dominik Meyer wird die Unterlagen bis zum 16. April einreichen und ist guter Dinge, dass die Ligaführung keine unüberwindbare Hürden aufstellt. »Aber es bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge und aus diesem Kreislauf wollen wir raus«, sagt Meyer.

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Es bleibt ein Ritt auf der Rasierklinge.

Geschäftsführer Dominik Meyer

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Die Wünsche, die die Führung mit dem Einstieg ein, zwei neuer potenter Partner verbindet, klingen nicht unverschämt. »Wenn es in Bielefeld möglich ist, für Arminia 25 Millionen Euro zu beschaffen, sollte es in Paderborn doch machbar sein, ein Prozent einer solchen Summe für die Uni Baskets zu bekommen«, sagt Schlösser und wird noch konkreter: »Ich appelliere einmal mehr an die Wirtschaft und möchte ausdrücklich Unternehmen wie die Volksbank und die Sparkasse erwähnen, die den Profisport in Paderborn nicht unterstützen, aber in vielen anderen Städten klassische Unterstützer sind. ›Paderborn überzeugt‹ ist ebenfalls eine nützliche Institution, aber auch eine, die sich dem Profisport verschließt.«

Der Präsident will derart deutliche Worte nicht als Wut-, sondern vielmehr als Mutrede verstanden wissen und erhofft sich diesen Mut mit Blick auf die ewig unbeantwortete Hallenfrage auch von der Stadt: »Ich glaube, dass wir mit einem renovierten Sportzentrum Maspernplatz hervorragend leben könnten, aber ganz unabhängig von uns sollten die entsprechenden Gremien vielleicht noch mal mutig diskutieren, inwiefern es für eine junge, wachsende Stadt wie Paderborn sinnvoll ist, so viel Geld in eine schon 40 Jahre alte Halle zu stecken.«

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Dann haben wir mit dem Klassenerhalt wieder genug zu tun.

Präsident Christoph Schlösser

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Gar 50 Jahre alt wird 2019 der VBC Paderborn, der Vorgängerverein der Baskets. Schlösser weiß, dass das ein netter Anlass wäre, vollmundigere Ziele auszurufen. Aber er weiß auch: »Wenn sich an unserer Situation nichts ändert, werden wir genug damit zu tun haben, wieder den Klassenerhalt zu schaffen.« Was bleibt, ist die Hoffnung und ein Blick in die Biographie von Jürgen Klopp, mit der sich Uli Naechster in der spielfreien Zeit befasst: »Wenn ich lese, unter welchen Umständen Jürgen Klopp und Manager Christian Heidel zu Mainzer Zweitligazeiten arbeiten mussten, kann ich doch die eine oder andere Parallele zu unseren Bedingungen erkennen und vielleicht zahlt sich ja auch die harte Arbeit, die wir hier leisten, irgendwann auf eine im Ansatz vergleichbare Weise aus.«

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