Bezirksliga: Hövelhofer SV und SV Heide sind dem SCV auf den Fersen Neuenbeken thront über allem

Paderborn (WB). Vor der Saison wurden in der Bezirksliga 3 besonders der Hövelhofer SV und der SV Heide Paderborn neben dem FC Nieheim als Titelaspiranten gehandelt. Als Erster überwintert jedoch völlig überraschend der SCV Neuenbeken. Während Hövelhof als Zweiter und Heide als Dritter noch Titelchancen haben, überwintern Landesliga-Absteiger Suryoye Paderborn und der Neuling SC GW Espeln auf einem Abstiegsplatz.

Von Frank Brock
Packender Zweikampf von zwei Spielern der beiden momentan besten Bezirksligamannschaften. Neuenbekens Michael Janik (rechts) und Hövelhofs Bastian Gaube zeigen beim 1:1 im direkten Duell am 17. September in Neuenbeken vollen Einsatz.
Packender Zweikampf von zwei Spielern der beiden momentan besten Bezirksligamannschaften. Neuenbekens Michael Janik (rechts) und Hövelhofs Bastian Gaube zeigen beim 1:1 im direkten Duell am 17. September in Neuenbeken vollen Einsatz. Foto: Agentur Klick

1. SCV Neuenbeken

Beim Tabellenzehnten der vergangenen Spielzeit gibt es viele Parallelen zum letzten Bezirksligameister SuS Westenholz. Genau wie die Neuschäfer-Elf vor zwölf Monaten überwintert auch der SC Viktoria gänzlich unerwartet als ungeschlagener Spitzenreiter. Genau wie die Westenholzer ist auch der SCV seit Jahren eingespielt und lebt von der großen Homogenität. Die Elf von Erfolgstrainer Michael Radtke startete mit fünf Siegen und blieb auch in den folgenden elf Partien unbesiegt. Als Volltreffer erwiesen sich die Neuzugänge Peyman Gorji (bisher zehn Treffer), Tim Schmidt und Jan Pohlmann. Häufig bewies der SCV gr0ße Moral, so zum Beispiel beim 4:3 in Borgentreich und beim 3:3 in Borchen, als mehrfach Rückstände noch umgebogen wurden. »Unsere großen Pluspunkte sind die mannschaftliche Geschlossenheit und der unglaubliche Teamgeist. Jeder arbeitet für den anderen. Auch die Spieler, die nicht immer regelmäßig zum Einsatz gekommen sind, haben ihren Anteil am Erfolg. Nicht umsonst sind bei uns fast immer mindestens 18 Spieler beim Training«, lobt Coach Radtke, der sein ursprüngliches Saisonziel »einstelliger Tabellenplatz« im Dezember geändert hat. »Ab sofort ist der Aufstieg unser neues Saisonziel. Mein Titelfavorit bleibt aber weiter der Hövelhofer SV«, verriet der 37-Jährige, der momentan noch auf der Suche nach einem neuen Ersatztorhüter für den Ende August zum FC Nieheim abgewanderten Tim Heisener ist.

2. Hövelhofer SV

Der HSV konnte nach dem Landesliga-Abstieg im Sommer überraschenderweise fast den gesamten Kader zusammenhalten. Auch aufgrund dieser Tatsache ging die Elf von Trainer Björn Schmidt als Titelfavorit in die Saison, obwohl Schmidt selbst tiefstapelte. Während es auswärts schon drei Niederlagen gab, läuft es bisher auf der heimischen Waldkampfbahn unglaublich gut. In acht Heimspielen gab es acht Siege bei 43:2-Toren. Mit einem Torverhältnis von 58:12 stellt der HSV momentan den gefährlichsten Angriff und die beste Defensive der Liga. »Zum Saisonstart waren meine Spieler nach dem Landesliga-Abstieg verständlicherweise etwas verunsichert. Nach den ersten zwei Monaten lief es deutlich besser und das Selbstvertrauen meiner Mannschaft wurde immer größer. Auswärts mussten wir teilweise auf sehr schlechten Plätzen spielen. Dies soll aber keine Ausrede für unsere drei Niederlagen sein. Insgesamt gesehen bin ich sehr zufrieden«, sagt Schmidt.

3. SV Heide Paderborn

Beim Vizemeister gab es erstmals seit drei Jahren keine große Fluktuation. Mit fast unverändertem Kader startete die Elf vom Rothesportplatz erfolgreich in die neue Saison. Lediglich Anfang November gab es mit dem 1:3 gegen Nieheim und dem 0:9 in Hövelhof eine Ergebniskrise. Nach dem Debakel auf der Waldkampfbahn fingen sich die Heider aber schnell und holten bis zur Winterpause noch drei Siege. »So ein Spiel wie das 0:9 in Hövelhof gibt es wahrscheinlich für jeden Fußballer in seinem Leben nur einmal. Aus diesem Spiel hat meine Mannschaft allerdings die richtigen Schlüsse gezogen. Insgesamt gesehen bin ich mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden. Zu einem eventuellen Aufstieg braucht man immer auch das nötige Glück, das sich aber jedes Team auch erst erarbeiten muss«, meint Trainer Helmut Hartmann, der sich auch über den Einzug seiner Elf ins Kreispokalhalbfinale freut.

5. SV Atteln

Auch im vierten Jahr unter Trainer Frank Ewert starteten die Blau-Weißen durchwachsen, was nur ein Punkt nach zwei Spielen zeigt. In der Folge überzeugte die Elf aus dem Altenautal besonders auswärts und holte dort fünf Siege. Auch in seiner dritten Saison nach seinem Wechsel zum Hainberg 2015 traf Torjäger Hendrik Mühlenbein (bisher zwölf Saisontore) wieder zweistellig. »Mit den bisher geholten 29 Punkten bin ich zufrieden. Mein Ziel ist es immer auch, die neuen Spieler zu formen und die alten weiterzuentwickeln. Auch deshalb bin ich mit den Leistungen von unseren Neuzugängen Kai Schumacher und Jonas Grote einverstanden. Auch die Entwicklung unseres A-Jugendspielers Niklas Kahmen ist sehr erfreulich«, lobt Ewert.

9. DJK Mastbruch

Der Aufsteiger aus Mastbruch, der nach fünfjähriger Abstinenz im Sommer in die Bezirksliga zurückgekehrt ist, spielt bisher eine erfolgreiche Runde. Die jüngste Mannschaft der Liga tut sich aber bislang zu Hause schwer. Am Schatenweg gab es in acht Heimspielen nur einen Sieg. Auswärts läuft es dagegen viel besser für die Sportfreunde. Von sieben Partien auf fremden Plätzen gewann die DJK fünf. »Trotz unserer schlechten Heimbilanz werden wir auch in der Rückrunde nicht von unserer Art zu spielen abweichen. Meine Mannschaft hat bisher im Kollektiv überzeugt. Leider haben wir aber in einigen Spielen Lehrgeld bezahlt«, bilanziert Mastbruchs Spielertrainer Roberto Busacca. DJK-Torjäger Julius Brinkmann, der in der Vorsaison in der Kreisliga A 51 Treffer erzielte, überzeugt bisher auch eine Liga höher. Der 21-Jährige traf in den ersten 15 Spielen schon elfmal.

13. SV GW Anreppen

Beim Tabellenneunten der vergangenen Saison endete im Sommer eine Ära. Nach den drei erfolgreichsten Jahren der 55-jährigen Vereinsgeschichte erklärte Spielertrainer Sebastian Potempa seinen Rücktritt. Für den 35-Jährigen übernahm Tobias Tschernik das Traineramt im Römerdorf. Der A-Lizenz-Inhaber Tschernik, der bisher fast ausschließlich im Juniorenbereich tätig war, hatte in der Hinrunde mit sehr großem Verletzungspech zu kämpfen. So fehlte monatelang fast die komplette Offensivabteilung mit den Brüdern Luca und Henner Simon. Zudem fielen zum Beispiel beim 1:2 gegen Hövelhof Ende Oktober gleich sieben von acht Verteidigern aus. Während die Grün-Weißen bisher mit nur vier Punkten aus sieben Spielen das schwächste Heimteam der Liga stellen, läuft es auswärts sehr gut. Auf fremden Plätzen gab es bisher erst eine Niederlage, beim 2:3 in Atteln. »Wenn ein neuer Trainer mit neuen Ideen kommt, braucht jede Mannschaft immer erst eine gewisse Eingewöhnungszeit. Das ist völlig normal. In Anbetracht unserer großen Personalprobleme bin ich aber mit den bisher geholten 15 Punkten nicht unzufrieden. Besser werden muss allerdings eindeutig unsere Heimbilanz«, resümiert Tschernik, der in der Rückrunde mit Lukas Hartmann einen neuen Mittelfeldspieler im Kader hat.

14. SC Borchen

Der Tabellendritte des Vorjahres erwischte einen totalen Fehlstart in die Saison 2017/2018. Nach vier Niederlagen in Folge erklärte Trainer Jörg Wenzel nach einem 0:2 gegen Atteln völlig überraschend seinen Rücktritt. Für den A-Lizenz-Inhaber übernahm nach zwei Spielen unter Interimsduo Mike Schmitz und Andreas Wegener Mitte September Thomas Bentler das Traineramt auf dem Hessenberg. Die Bilanz des 37-Jährigen ist bisher ausgeglichen. In zehn Spielen unter der Leitung von Bentler holte der SCB drei Siege, vier Remis und kassierte drei Niederlagen. »Wir sind mit der Hinrunde überhaupt nicht zufrieden. Uns fehlt bisher ganz eindeutig die Konstanz. Leider konnten wir noch kein einziges Mal zwei Spiele in Folge gewinnen. Der große Befreiungsschlag ist uns bis jetzt noch nicht gelungen«, analysiert der 26-jährige Co-Trainer An­dreas Wegener.

15. Suryoye Paderborn

Beim Landesliga-Absteiger gab es nach der desaströsen Saison 2016/2017 mit nur sechs Punkten aus 32 Spielen und insgesamt 136 Gegentoren im Sommer einen großen Umbruch. Während zehn teilweise sehr erfahrene Spieler den Verein verließen, komplettierten überwiegend neue Akteure aus unteren Ligen und eigene A-Junioren den Kader. Trainer Rytis Narusevicius, der nach zwölf Monaten Pause an den Niesenteich zurückkehrte, beklagte in der Hinrunde häufig die fehlende Konstanz und die Stabilität in der Abwehr. Schon zu Saisonbeginn zeigte Suryoye allerdings große Moral, denn bei den ersten beiden Saisonsiegen gegen den FC Nieheim (6:2 nach 0:2) und den FC BW Weser (4:3 nach 0:3) wurden jeweils deutliche Rückstände noch umgebogen. Nach der erschreckend schwachen Leistung beim 0:4 im Kellerduell gegen Barntrup Ende Oktober fanden die Aramäer jedoch zur alten Heimstärke zurück und besiegten in der Folge daheim den SC GW Espeln und die Sportfreunde Warburg. »Die Tendenz ist positiv bei meiner Mannschaft. Auch spielerisch waren zuletzt deutliche Fortschritte zu erkennen. Insgesamt gesehen müssen wir in der Rückrunde aber auch auswärts punkten, um den Klassenerhalt zu schaffen«, sagt Narusevicius, dessen Team in der Fremde noch sieglos ist.

18. SC GW Espeln

Beim Neuling lief in der Hinrunde nicht viel zusammen. Für Trainer Dennis Thieschnieder sind besonders die Anfälligkeit bei Standardsituationen und das Verletzungspech die Hauptgründe für das bisher schwache Abschneiden mit nur neun Punkten aus 15 Spielen. »Neben der Verletzung von Daniel Lienen konnten wir auch den Verlust unserer Führungsspieler Gereon Großekathöfer, Dennis Tegethoff und Dominik Block nicht kompensieren. Zum Glück stehen mir Dennis und Dominik voraussichtlich in der Rückrunde wieder zur Verfügung. Mit diesen beiden bin ich optimistisch, dass wir den Klassenerhalt noch schaffen können«, sagt Thieschnieder, der mit 30 Jahren zweitjüngste Trainer der Liga. Um den Ligaerhalt noch zu realisieren, muss die Elf aus dem 680-Einwohner-Ort aber 2018 auch auf fremden Plätzen punkten. Bisher holte das schlechteste Auswärtsteam der Liga in der Fremde erst einen Punkt.

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