Sprinterin Chantal Butzek startet bei U-20-WM in Polen Die Powerfrau

Paderborn(WB). Das Abitur in der Tasche, ein Studium vor Augen, einen Job als Kellnerin angenommen und dann natürlich noch die Leichtathletik. Chantal Butzek ist eine wahre Powerfrau, die sich passenderweise auf die Sprintstrecken spezialisiert hat. Seit Sonntag ist die 19-Jährige im polnischen Bydgoszcz, wo von heute bis Sonntag die U-20-Weltmeisterschaften stattfinden.

Von Matthias Wippermann
Chantal Butzek hat allen Grund zum Strahlen. Die 19-jährige Sprinterin des LC Paderborn startet in dieser Woche bei den U-20-Weltmeisterschaften im polnischen Bydgoszcz über die 100 Meter und mit der 4x100 Meter-Staffel.
Chantal Butzek hat allen Grund zum Strahlen. Die 19-jährige Sprinterin des LC Paderborn startet in dieser Woche bei den U-20-Weltmeisterschaften im polnischen Bydgoszcz über die 100 Meter und mit der 4x100 Meter-Staffel. Foto: Matthias Wippermann

Gleichzeitig ist es für Butzek auch eine Reise zu ihren familiären Wurzeln, da die Eltern Ursula und Peter aus Polen kommen. »Ich war schon oft dort. Allerdings noch nie zu einem Wettkampf und auch noch nie in Bydgoszcz«, sagt die Sprinterin des LC Paderborn. Klar, dass ihre Eltern bei der WM vor Ort dabei sind und auch ein Onkel, der im polnischen Oppeln lebt, schaut bei den Wettkämpfen vorbei.

Reise zu ihren familiären Wurzeln

Obwohl Butzek erst vor vier Jahren mit der Leichtathletik begann, ist es nach der Hallen-WM in den USA in diesem Jahr, der U-20-­EM in Schweden 2015, der U-20-WM in den USA 2014 und der U-18-WM in der Ukraine 2013 schon ihr fünfter internationaler Einsatz. Dabei lief die Saison bislang eher durchwachsen. »Ich hatte Höhen und Tiefen und musste mich nach zwei Adduktorenrissen 2015 durchkämpfen. Als nach der Junioren-Gala in Mannheim meine WM-Nominierung feststand, war ich überglücklich. Ich habe gezeigt, was ich drauf habe«, sagt Butzek. In Mannheim lief sie über die 100 Meter in 11,65 Sekunden ihre Jahresbestzeit. Ihre persönliche Bestzeit liegt bei 11,61 Sekunden aus 2015.

Seit zwei Jahren arbeitet Butzek mit LC-Sprinttrainer Thomas Prange zusammen. »Er hat es geschafft, dass ich disziplinierter bin. Mein Lauf hat sich verändert. Ich kann jetzt im fliegenden Bereich nach 30, 40 Metern die Geschwindigkeit halten und ins Ziel bringen«, erklärt das Sprint-Ass. Prange selbst sagt zur Entwicklung seines Schützlings: »Natürlich war es für Chantal schwierig, sich neben dem Abitur auch auf die Leichtatheltik zu konzentrieren. Aber sie hat ansteigende Form. Eine Zeit um die 11,65 Sekunden ist auf jeden Fall für sie drin. Wenn alles passt, kann sie auch unter 11,60 laufen.«

Trainer Prange: »Chantal hat ansteigende Form«

Wie weit es in Polen für Butzek über die 100 Meter geht, mag sie selbst nicht so recht einschätzen: »Die Meldeliste interessiert mich nicht. Ich bin immer gut damit gefahren, wenn ich nur auf mich schaue, und nicht darauf, was die anderen machen. Die Kunst beim Sprinten ist es, die Lockerheit beizubehalten und sich nicht beeinflussen zu lassen.« Eines weiß Butzek aber auch so: »Die Konkurrenz ist groß, speziell aus den USA. Wenn ich ins Finale käme, wäre es das i-Tüpfelchen. Ich denke aber, dass im Halbfinale Endstation für mich ist, auch wenn ich immer positiv denke.« Los geht es morgen mit den Vorläufen (12.35 Uhr). Die Halbfinalläufe beginnen am Donnerstag um 18.05 Uhr, das Finale um 21.20 Uhr.

Außerdem ist Butzek nach Katrin Fehm (SG Siemens Amberg), Keshia Kwadwo (TV Wattenscheid 01) und Eleni Frommann (LC Jena) Schlussläuferin der 4x100 Meter Staffel, die am Freitag im Halbfinale (18 Uhr) um die Teilnahme am Finale (Samstag, 19.50 Uhr) kämpft. Bei der U-20-WM vor zwei Jahren in Eugene (USA) war sie ebenfalls Schlussläuferin und sicherte die Bronzemedaille. Allerdings gehörten da Gina Lückenkemper und Lisa Mayer zur Staffel, die vor kurzem bei der Senioren-EM in Amsterdam starteten und auch bei den Olympischen Spielen in Rio dabei sind. »Wir sind nicht so stark besetzt wie 2014. Ins Finale sollten wir kommen, aber ein Podiumsplatz ist diesmal wohl nicht drin«, meint Butzek.

Auch Schlussläuferin der 4x100 Meter Staffel

Für sie stehen nach der U-20-WM vom 29. bis 31. Juli noch die Deutschen Meisterschaften der U-20-Jugend in Mönchengladbach auf dem Programm. Und danach? Die Powerfrau möchte im Oktober zum Start des Wintersemester ein Studium beginnen, am liebsten Deutsch und Sport auf Lehramt an der Universität Paderborn. damit sie bis dahin nicht wieder in ein Loch fällt, wie es laut eigener Aussage kurzzeitig nach dem Abitur der Fall war, wird sie fleißig trainieren und auch weiterhin Kellnern. »Ich denke schon, dass ich viel überschüssige Energie habe«, meint Butzek. Einiges davon kann sie nun auf der Sprintbahn in Bydgoszcz loswerden.

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