Team der Uni Paderborn gewinnt in Gütersloh völlig überraschend den Westfalenpokal Vom Futsal-Fieber erfasst

Paderborn (WV). »Futsal ist eine andere Sportart«, sagt René Wegs, »aber es hat ein Riesenpotenzial«. Welches Futsal-Potenzial sich in Paderborn verbirgt, haben Wegs und sein Team vom UFC Paderborn vor wenigen Tagen gezeigt: In Gütersloh holten sie den Westfalenpokal.

Von Frederik Voss
Die Westfalenpokal-Sieger vom Universitäts-Futsal-Club Paderborn (hinten von links): Co-Trainer Simon Kock, Fabian Lübbers, Oliver Werner, Dominik Thale, Trainer René Wegs sowie (vorne von links) Dennis Hansmeier, Maximilian Wienhold, Tim Heisener, Dino Nesic, Jan Welker und (liegend) Torwart Daniel Mantasl feiern ihren sensationellen Triumph in Gütersloh.
Die Westfalenpokal-Sieger vom Universitäts-Futsal-Club Paderborn (hinten von links): Co-Trainer Simon Kock, Fabian Lübbers, Oliver Werner, Dominik Thale, Trainer René Wegs sowie (vorne von links) Dennis Hansmeier, Maximilian Wienhold, Tim Heisener, Dino Nesic, Jan Welker und (liegend) Torwart Daniel Mantasl feiern ihren sensationellen Triumph in Gütersloh.

 Sie haben lange überlegt, ob sie überhaupt nach Gütersloh fahren. Als die Mannschaft aber stand, war die Vorfreude groß. »Wir sind angetreten, ohne zu wissen, was uns erwartet«, sagt Coach René Wegs über den Futsal-Westfalenpokal. Doch alle Bedenken waren umsonst. In der Gruppenphase gab es zunächst souveräne Siege über vermeintlich schwache Gegner. Auch der Regionalligist aus Sennestadt war für das Team von der Uni Paderborn keine Hürde. Auf sechs Siege in der Gruppe folgte ein 6:1 im Viertelfinale gegen Lüdenscheid. Das zunächst offene Halbfinale gegen Brackwede entschied das Wegs-Team letztlich ebenfalls klar mit 6:0 für sich.

 Im Finale wartete auf die Paderborner mit dem UFC Münster nicht nur der zweite im Turnier vertretene Regionalligist, sondern auch die Mannschaft, die Wegs »das deutsche Vorbild im Futsal« nennt. »Dass wir uns so souverän durchs Turnier spielen, war eine faustdicke Überraschung. Und da haben wir auch vor dem Finale mit dem Sieg geliebäugelt«, sagt Wegs. Und es klappte: Oliver Werner sorgte für das frühe 1:0. Der Favorit aus Münster setzte in der Folge zwar auf den »Flying Goalie«, gönnte sich also statt des Torwarts einen zusätzlichen Feldspieler, doch Werner legte noch zwei Treffer nach, vollendete die Demonstration und machte damit die Sensation perfekt.

Seit zwei Jahren im Futsal-Fieber

 Erst vor zwei Jahren hat das Futsal-Fieber Paderborn erfasst. Zwei Kurse leitet René Wegs im Hochschulsport. Aus dem Leistungskurs generiert er seine Mannschaft für die Westfalenliga, in der der UFC seit dem Herbst spielt. Unterstützt werden die Futsaler von Uli Kussin, dem Leiter des Hochschulsports. Mitspielen kann jeder, die Namen sind aber durchaus bekannt: Neben Wegs und Werner vom BV Bad Lippspringe waren Jan Welker und Dino Nesic (beide SCV Neuenbeken), Daniel Mantasl (SV BW Atteln), Maximilian Wienhold, Dennis Hansmeier und Tim Heisener (alle SV Heide Paderborn) sowie Fabian Lübbers vom Oberligisten SV Lippstadt und Dominik Thale (SV Meppen) beim Titelgewinn in Gütersloh dabei.

 Mit Sparta Paderborn gibt es noch eine zweite Futsal-Truppe an der Pader, die auch in der Westfalenliga Ost spielt. Die Spieltage finden immer samstags mit allen zehn Mannschaften an einem Ort statt. In der Sporthalle 1 der Universität werden am 31. Januar und 14. März die nächsten Spiele angepfiffen.

 Dass ihre Spieler samstags noch in der Halle kicken, gefällt indes nicht jedem Trainer. Für René Wegs ist das weniger nachvollziehbar: »Der Laie sieht keinen Unterschied und denkt, in der Halle ist die Verletzungsgefahr größer.« Doch Futsal ist anders: schneller, technischer. Es gibt keine Banden, gespielt wird auf Handball-Tore, der Ball ist kleiner und springt weniger. Unterbrechungen werden vom Schiedsrichter-Duo unterbunden, gegrätscht werden darf nicht, bei fünf Teamfouls gibt es – vergleichbar mit dem Basketball – einen Strafstoß. Der Torhüter darf pro Angriff nur ein Mal angespielt werden. »Futsal ist taktisch ganz anders. Wir müssen uns bis zum Tor kombinieren«, sagt Wegs.

 Futsal kommt aus Brasilien und stand lange nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Das versucht die FIFA derzeit zu ändern und das bekommen auch die nationalen Verbände zu spüren. »Der DFB und der FLVW haben sich lange geweigert«, sagt Wegs. Doch inzwischen werden offizielle Turniere nach Futsalregeln gespielt, andere Hallenturniere dürfen ihre Banden behalten, müssen aber »Futsal light« spielen lassen. Das soll so bleiben – sagen auch die Futsaler. »Wenn Futsal mit Druck durchgesetzt wird, hat irgendwann keiner mehr Bock«, sagt Wegs. Es gehe nicht darum, an den Fußball heranzukommen. »Aber Futsal wird immer beliebter und kann sich als eigene Sparte in den Vereinen etablieren«, meint der Trainer des UFC Paderborn. Profitieren könnten viele: Die Fußballer, die samstags gern mal in der Halle kicken. Und auch die Jugend, deren technische Ausbildung verbessert werden könnte. »Draußen gibt’s schließlich auch keine Banden«, sagt René Wegs.

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