Delbrücker SC: Vorsitzender Elmar Westermeyer zieht seine Saisonbilanz »Wir alle haben Fehler gemacht«

Delbrück (WB). Es war eine Saison mit mehr Schatten als Licht aus Sicht des Fußball-Westfalenligisten Delbrücker SC. Nachdem der DSC in den beiden Jahren zuvor den Aufstieg nur knapp verpasst hatte, musste er diesmal sogar um den Klassenerhalt zittern. Der 1. Vorsitzende Elmar Westermeyer (41) zieht im Gespräch mit Redakteur Peter Klute Bilanz und blickt nach vorne.

Skeptisch und ein wenig ratlos: So hat man Jörg Runge in der abgelaufenen Westfalenliga-Spielzeit häufiger gesehen. Der neue Trainer des Delbrücker SC schaffte es nicht, an die erfolgreichen beiden Spielzeiten zuvor anzuknüpfen. Im Winter gab er seinen Abschied zum Sommer bekannt.
Skeptisch und ein wenig ratlos: So hat man Jörg Runge in der abgelaufenen Westfalenliga-Spielzeit häufiger gesehen. Der neue Trainer des Delbrücker SC schaffte es nicht, an die erfolgreichen beiden Spielzeiten zuvor anzuknüpfen. Im Winter gab er seinen Abschied zum Sommer bekannt. Foto: Elmar Neumann

Herr Westermeyer, nach den Plätzen zwei und drei in 2016 und 2017 beendete der Delbrücker SC die abgelaufene Spielzeit auf Rang acht, steckte aber lange im Abstiegskampf. Wie fällt Ihr Fazit aus?

Elmar Westermeyer: Wenn man ausschließlich das Abschneiden der ersten Mannschaft betrachtet, war es eine durchwachsene Saison. Daran führt kein Weg vorbei. Blickt man auf den gesamten Verein und berücksichtigt, dass die 2. Mannschaft als Vierter einen Spitzenplatz in der Kreisliga A belegt hat, die A- und B-Junioren in die Landesliga aufgestiegen sind, die C-Junioren noch nachziehen können und die B-Juniorinnen in die Westfalenliga aufgestiegen sind, kann man jedoch von einer guten bis sehr guten Saison sprechen. Aber in der Öffentlichkeit steht die 1. Mannschaft natürlich über allem. Es gab viele Aufs und Abs und keine Beständigkeit. Fakt ist, dass wir die Abgänge von Patrick Kurzen und Rino Capretti nach Verl nicht adäquat ersetzen konnten. Dazu kam ein großes Verletzungspech mit monatelangen Ausfällen. Bei aller Enttäuschung über das sportliche Abschneiden darf man aber nicht vergessen, dass der Verein wirtschaftlich einen Meilenstein gesetzt hat. Der DSC ist schuldenfrei und ich kenne keinen Zeitzeugen, der das zuvor erlebt hat. Unser Sparkurs ging aber natürlich auch zu Lasten der 1. Mannschaft.

Haben Sie die Situation vor dieser Saison unterschätzt?

Westermeyer: Das ist schwierig zu beurteilen. Im Nachhinein hätten wir uns breiter aufstellen müssen. Ein bis zwei Neuzugänge mehr hätten uns gut getan, doch das hat der Etat nicht hergegeben.

Bereits im Winter war klar, dass es mit Trainer Jörg Runge, der erst im Sommer gekommen war, in der neuen Saison nicht weitergeht. Warum hat es mit ihm nicht so funktioniert?

Westermeyer: Dass wir keine bessere Platzierung erreicht haben, müssen sich alle ankreiden. Der Trainer hat nicht alles richtig gemacht, aber das gilt nicht nur für ihn. Wir alle haben Fehler gemacht. Vielleicht war der Kader aufgrund des begrenzten Budgets nicht leistungsstark genug, aber ich würde auch nicht sagen, dass die Saison ein kompletter Misserfolg war. Platz acht ist keine Katastrophe. Vielmehr würde ich die Leistung von unserem ehemaligen Coach Rino Capretti, mit fast der selben Mannschaft Zweiter und Dritter zu werden, noch höher bewerten. Auch wenn er etwas mehr Geld zur Verfügung hatte.

Wenn Runge dem Verein nicht mit seinem Rücktritt zum Saisonende zuvor gekommen wäre, hätte sich der Verein dann von ihm getrennt?

Westermeyer: Die Frage hat sich für uns nicht mehr gestellt. Jörg ist im Januar noch einmal Vater geworden und beruflich künftig noch stärker eingespannt. Das war mit einem Traineramt bei uns nicht mehr vereinbar. Ich kann jetzt nicht garantieren, dass wir mit ihm weitergemacht hätten oder umgekehrt. Fakt ist, dass wir weder mit einem neuen Vertrag in das Gespräch mit ihm gegangen sind, noch einen Nachfolger parat hatten. Wir wollten uns austauschen, dann hat Jörg uns aber schnell mitgeteilt, dass er in der neuen Saison nicht mehr zur Verfügung steht.

Auf gute Zusammenarbeit: DSC-Vorsitzender Elmar Westermeyer (rechts) mit dem neuen Coach Detlev Dammeier. Foto: DSC

Die Lösung Detlev Dammeier/Carsten Johanning scheint eine finanziell anspruchsvolle zu sein. Der Etat soll aber nicht erhöht werden. Ist das nicht ein Widerspruch?

Westermeyer: Solche Gedanken hatte ich auch im Kopf. Auch wenn das vielleicht etwas unseriös war, aber ich habe Detlev Dammeier gleich bei meinem ersten Anruf darauf hingewiesen, dass wir nicht im Lotto gewonnen haben, und ihn gefragt, ob er sich trotzdem vorstellen könnte, den DSC zu trainieren. Ich hatte eine Empfehlung bekommen, dass es klappen könnte, dass er ein Traineramt in der Westfalenliga annimmt. Es hat gepasst.

Dammeier hat im Januar für zwei Jahre unterschrieben, wie hat sich Ihr erster Eindruck von ihm in den vergangenen Monaten verfestigt?

Westermeyer: Der war vom ersten Kontakt an sehr positiv und daran hat sich nichts geändert. Wenn man sieht, wie er an die Sache herangeht, wie viele Westfalenliga-Spiele er sich angeschaut und mögliche Neuzugänge beobachtet hat, muss man sagen, dass er einen Riesenaufwand betreibt.

Welcher der sieben Abgänge schmerzt am meisten?

Westermeyer: Ich möchte keinem zu nahe treten, aber wenn ein Kapitän geht, ist das nie schön. Marvin Frenz war vier Jahre bei uns, er wird uns sowohl als Spieler als auch als Mensch fehlen. Dustin Gräwe ist erst vor einem Jahr gekommen, aber er hat sehr gut eingeschlagen und ich hätte seine Entwicklung gerne weiter genossen. Marvin Frenz, Dustin Gräwe, Patryk Plucinski oder Marius Ferber: Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder junge Spieler mit viel Potenzial aus unteren Ligen geholt. Das hat sich bewährt und das wird auch in der Zukunft unser Weg sein. Zudem stammt die Hälfte der Spieler unserer 1. Mannschaft aus der eigenen Jugend. Das ist ein echtes Pfund, davon profitieren wir. Allerdings müssen wir auch damit leben, dass die allerbesten Nachwuchsspieler weiterziehen. Zur neuen Saison verlieren wir fünf Talente an den SC Verl und drei an den SC Paderborn. Auch damit müssen wir leben.

Den Abgängen stehen aktuell fünf Neuzugänge gegenüber. Der Verein hat bekräftigt, dass auf jeden Fall noch ein Stürmer kommen soll. Wie ist da der Stand?

Westermeyer: Die Suche gestaltet sich aus den verschiedensten Gründen schwierig. Es gibt zwei Möglichkeiten. Du kannst ein Talent holen und hoffen, dass der Sprung gelingt. Das birgt natürlich ein gewisses sportliches Risiko in sich. Bei einem etablierten Stürmer stellt sich die finanzielle Frage. Wir könnten eine größere Summe bezahlen, wollen es aber nicht. Das würde unser Gefüge sprengen.

Der DSC steht vor einem Umbruch. Sehen Sie das als Chance oder mit Sorgen?

Westermeyer: Sorgen mache ich mir keine. Wir haben in der Rückrunde mehr Punkte geholt als in der Hinrunde. Und das ohne Leistungsträger wie Patryk Plucinski, Lukas Cramer, Mario Freise oder Marvin Frenz. Die Jungs, die nachgerückt sind, haben das nicht schlecht gemacht und unsere Neuzugänge aus dem Nachwuchsbereich des SC Paderborn sind allesamt gut ausgebildet. Das macht mir Mut.

Wie lautet Ihr Ziel für die neue Saison?

Westermeyer: An oberster Stelle steht, dass wir möglichst viele Delbrücker Jungs gut ausbilden und weiterentwickeln. Wir müssen nicht unter die besten Drei kommen, aber Platz acht muss es auch nicht sein. Platz fünf wäre okay. In der vergangenen Saison war die Liga extrem ausgeglichen, da lagen zwischen dem Sechsten und dem ersten Abstiegsplatz gerade einmal fünf Punkte. Da kann schon ein Sieg mehr oder weniger einige Plätze ausmachen.

Die Ränge im Stadion Laumeskamp sind immer spärlicher gefüllt. Inwiefern bedauern Sie das und wie ist diese negative Entwicklung zu stoppen?

Westermeyer: Aus der Wirtschaft erfahren wir eine sehr breite Unterstützung für unsere Arbeit, speziell im Nachwuchsbereich. Das freut uns als Vorstand sehr und motiviert uns. Die Resonanz bei den Spielen ist dagegen sehr frustrierend. Wenn es nur uns so gehen würden, müssten wir uns ernsthaft hinterfragen, aber wenn die Vereine im Amateurfußball ehrlich zu sich sind, geht es doch allen so. Wenn man die ein bis zwei Topspiele in der Saison abzieht, bleibt nicht mehr viel übrig. Mehr als 200 im Schnitt sind nicht drin, wenn überhaupt. Das liegt zum einen daran, dass sich das Freizeitverhalten in Deutschland extrem geändert hat und zum anderen, dass die Kommerzialisierung immer mehr Einzug hält. Wenn beispielsweise das Bundesligaspiel Schalke gegen Dortmund am Sonntagnachmittag ausgetragen wird, ist das ein echter Straßenfeger und für alle Ehrenamtlichen im Amateurbereich ein Nackenschlag. In der neuen Saison werden wir aufgrund unserer neuen Flutlichtanlage versuchen, unsere Heimspiele häufiger auf den Freitagabend zu legen. Der Rest ist erfolgreicher Fußball.

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