TuS N-Lübbecke: Trainer Aaron Ziercke spricht auch über die Fans »So nicht erstligatauglich«

Lübbecke (WB). Die Lage ist bedrohlicher denn je. Der TuS N-Lübbecke ist an das Tabellenende der 1. Handball-Bundesliga abgerutscht und in den vier verbleibenden Partien zum Punkten verdammt. Im Interview spricht Trainer Aaron Ziercke über Erstligatauglichkeit, Endspiele und die Fans.

Von Marc Schmedtlevin
Der Blick ist derzeit skeptisch. Trainer Aaron Ziercke und der TuS N-Lübbecke stehen im Tabellenkeller unter Zugzwang.
Der Blick ist derzeit skeptisch. Trainer Aaron Ziercke und der TuS N-Lübbecke stehen im Tabellenkeller unter Zugzwang. Foto: Thomas F. Starke

Herr Ziercke, wie tief sitzt der Frust nach der Heimpleite gegen Leipzig noch?

Aaron Ziercke: Es war schon krass – auch für mich. Wir haben uns eigentlich gut auf das Spiel vorbereitet. Ich hatte anhand des Trainings nicht den Eindruck, dass so eine Leistung dabei herauskommen könnte. Speziell in der ersten Halbzeit: Was schief laufen konnte, ist schief gelaufen. Zum Beispiel drei verworfene Siebenmeter, nicht genutzte Gegenstöße und als i-Tüpfelchen der direkte Freiwurf am Ende. Es gab einen Nackenschlag nach dem anderen und so etwas raubt das Selbstvertrauen dann komplett.

Kann man so einen Auftritt erklären?

Ziercke: Es war ja klar, wie wichtig das Spiel für uns ist. Doch es war wie schon häufiger. Wir machen leichte Fehler und lassen dadurch komplett rausbringen. Das ist so etwas wie eine Erklärung. Es ist leicht gesagt, dass die Spieler die Fehler abstreifen müssen. Doch Fakt ist auch: Mit Angst wird man keine Spiele gewinnen. Genau diese Angst vor dem Verlieren war gegen Leipzig aber geradezu greifbar.

Mit 22 Gegentoren kann man ein Heimspiel gegen Leipzig gewinnen. Liegt es also nur am Angriff?

Ziercke: 17 Tore vorne sind zu wenig. Es ist ja aber nicht so, dass wir keine Chancen hatten. Am Ende verlieren wir mit fünf Toren. Wenn wir die schon genannten Chancen nutzen, sind wir dran. Es bereitet uns aber Probleme, dass wir bei den hochkarätigen Chancen oft schlechte Quoten haben. Alle Spieler bei uns schreiben sich auf die Fahne, 1. Bundesliga spielen zu wollen. Dann muss ich als Spieler den Kopf auch einmal klar bekommen und eine andere Lösung finden. Wir üben ja im Training zum Beispiel nicht, Siebenmeter vorbei zu werfen.

Sie sagen, dass alle Spieler 1. Liga spielen möchten. War der Auftritt gegen Leipzig denn erstligatauglich?

Ziercke: Nein, so war es nicht erstligatauglich. Deswegen kann ich die Fans auch verstehen, wenn sie ihren Unmut äußern. Wir kriegen von ihnen auch in so einem Spiel mit vielen Fehlern eine super Unterstützung bis zum Schluss. Dass sie nach dem Spiel pfeifen, ist völlig gerechtfertigt.

Es entsteht der Eindruck, dass die Konkurrenten wie Hüttenberg oder Ludwigshafen mehr Einsatz zeigen. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?

Ziercke: Gerade bei Hüttenberg mit der offensiven 3:2:1-Deckung entstehen viele Zweikämpfe, dadurch sieht es häufig kämpferischer aus. Ich möchte keinem meiner Spieler mangelnden Einsatz oder Kampfeswillen unterstellen. Es ist aber so, dass wir nicht die Spieler haben, die das nach außen tragen. Wir haben viele introvertierte Spieler, bei denen das schnell nicht nach kämpfen aussieht.

Sie haben nach dem Leipzig-Spiel eine Führungspersönlichkeit vermisst. Muss man die Personalpolitik an dieser Stelle hinterfragen?

Ziercke: Es gibt durchaus Spieler im Kader, denen wir diese Rolle zugetraut haben und sie diese übernehmen sollten. Sie haben es aber nicht in dem Maße getan, wie wir uns das vorgestellt haben. Das ist sehr ärgerlich, weil wir die Führungsspieler jetzt bräuchten.

Die Zugänge für die nächste Saison kommen schon aufgrund ihres Alters noch nicht als Führungsspieler infrage. Muss also – unabhängig von der Liga – noch ein Anführer geholt werden?

Ziercke: Ich bin davon überzeugt, dass wir solche Spieler schon im Kader haben. Die müssen wir nur noch mehr in diese Funktion drängen. In der vergangenen Saison hatte das ja durchaus funktioniert.

Am Donnerstag treten sie beim direkten Konkurrenten in Gummersbach an. Ist es schon ein Endspiel, weil danach die Partien gegen Berlin und Flensburg folgen?

Ziercke: Das Spiel gegen Gummersbach ist für mich das Halbfinale mit Blick auf ein mögliches Finale. Wir müssen jetzt noch zwei von vier Spielen gewinnen. Wenn wir nicht in Gummersbach punkten, wird es daher verdammt schwer. Ein Sieg jetzt am Donnerstag würde uns aber die Chance auf ein Endspiel gegen Lemgo am letzten Spieltag erhalten.

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