1. Handball-Bundesliga: 17:22-Heimniederlage gegen Leipzig – Spekulation um Birlehm TuS taumelt dem Abstieg entgegen

Lübbecke (WB). Die Hoffnung schwindet weiter: Handball-Bundesligist TuS N-Lübbecke hat sein vorletztes Heimspiel in dieser Saison nach einem erschreckend schwachen ersten Durchgang mit 17:22 (6:13) gegen den SC DHfK Leipzig verloren. Ein Teil der enttäuschten Anhänger quittierte den Auftritt mit »Absteiger, Absteiger!«-Rufen.

Von Philipp Bülter
Alen Milosevic markiert einen seiner fünf Treffer. Der TuS um (von links) Jens Bechtloff, Marko Bagaric und Lukasz Gierak hat das Nachsehen.
Alen Milosevic markiert einen seiner fünf Treffer. Der TuS um (von links) Jens Bechtloff, Marko Bagaric und Lukasz Gierak hat das Nachsehen.

Im Hinspiel hatte sich der TuS beim 26:26-Remis mit einer bravourösen Vorstellung den ersten Saisonpunkt verdient, schnellen Handball gespielt und ansehnliche Lösungen über die Außen sowie kluge Zuspiele an den Kreis entwickelt. All das misslang der Mannschaft von Trainer Aaron Ziercke beim erneuten Aufeinandertreffen mit den Sachsen.

Viel zu leicht kamen die keineswegs herausragend agierenden Gäste um Nationalspieler Philipp Weber (6/1) zu ihren Treffern und konnten sich nach dem einzigen Ausgleich der Hausherren in der gesamten Begegnung (1:1 durch Lukasz Gierak, 2.) frühzeitig absetzen (7:2, 10.). TuS-Coach Aaron Ziercke nahm seine erste Auszeit, Besserung trat indes nicht ein. »Wir wollen euch kämpfen sehen!«, lautete der Wunsch der Heimfans, doch in der Folge rannte Ante Kaleb uninspiriert in die gegnerische Deckung (14.) und Marko Bagaric traf freistehend nur den linken Innenpfosten (21.).

Ein Torhüter macht Hoffnung

Ziercke brachte Torhüter Joel Birlehm. Der 21-Jährige sammelte vor der Pause seine erste Parade – am Ende waren es zwölf – und versuchte ebenso stetig, das Publikum zur Unterstützung für die Heimmannschaft zu animieren.

Als indes Philipp Weber mit dem Halbzeitpfiff mit einem direkten Freiwurf den Ball zum 13:6 aus Gästesicht ins TuS-Tor schnibbelte, wirkten die enttäuschten Akteure der Gastgeber bereits wie geschlagen. Coach Aaron Ziercke hatte René Gruszka von Beginn an auf Rechtsaußen berufen, Luka Rakovic kam gar nicht zum Einsatz. Jó Gerrit Genz hatte sich wie Gruszka vom Start weg beweisen dürfen. »Jeder hat gesehen, dass wir zurzeit verunsichert sind«, suchte Nils Torbrügge nachher nach Möglichkeiten, die schwache erste Hälfte zu erklären.

Nach der 28:29-Enttäuschung gegen die Eulen Ludwigshafen hatten sich Spieler und Verantwortliche des TuS N-Lübbecke drei Wochen bis zum nächsten Ligaeinsatz gedulden müssen. Dass die Partie gegen die Leipziger dann zu keinem Debakel geriet, verdankten die Gastgeber im zweiten Abschnitt vor allem der Klasse von Joel Birlehm, der die Sachsen phasenweise zur Verzweiflung trieb.

So sieht’s fast wie Slapstick aus

Doch der Abstiegskandidat nutzte Birlehms Paraden nicht, verdaddelte die Kugel (Gruszka, Gierak, Torbrügge) entweder oder scheiterte wiederholt an Leipzigs Schlussmann Jens Vortmann (elf Paraden). Als der wiedergenesene Kenji Hövels dann nicht bemerkte, dass das Spiel nach einer kurzen Unterbrechung bereits weiterlief, schnappte sich Maximilian Jahnke den Ball, lief einsam auf Birlehm zu und traf breit grinsend zum 19:9 (47.) – eine aus TuS-Sicht bittere Szene, die Slapstick nahe kam. »Wir haben versucht, den Kampf anzunehmen, aber bei uns fehlte die Lockerheit. Das war zu viel Krampf«, sagte Ziercke.

Immerhin: Die Phasen, in denen Leipzig fahrig spielte, nutzte der TuS, um abzuschwächen. Drei Tore in Folge sicherten zum Ende eine Niederlage mit »nur« fünf Toren Differenz. Gleichwohl ließ ein nicht eben kleiner Teil der insgesamt offiziell 1756 Zuschauer dem eigenen Frust in der Merkur-Arena freien Lauf. »Absteiger, Absteiger!«, schallte es von den Rängen, die Spieler, die sich zaghaft bei den Anhängern für die Unterstützung bedanken wollten, wurden mit Pfiffen verabschiedet.

Bereits zum dritten Mal in dieser Saison gelangen dem TuS ganze 17 Treffer oder weniger – damit rutschte das Team haarscharf an der mickrigen Ausbeute bei der Blamage in Melsungen (16:27) vorbei. »Das ist nicht erstligareif«, brachte es Joel Birlehm auf den Punkt. Pikant: Der Junioren-Nationalspieler hat offenbar Leipzigs Interesse geweckt. Noch vier Spiele bleiben dem TuS N-Lübbecke, um sich doch zu retten. »In Gummersbach und in Lemgo müssen wir unbedingt punkten«, sagte Nils Torbrügge.

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