Syrische Flüchtlinge feiern ihre Freeway-Cup-Premiere als Balljungen Ein doppelter Traum

Lübbecke (WB). Seit rund einem Jahr leben Hamze Alkhttab und sein Bruder Mohammed in Deutschland. Geflohen vor dem Krieg in ihrer syrischen Heimat. Ein neues sportliches Zuhause haben sie mittlerweile beim SVE Börninghausen gefunden: Als Teil der großen Helferschar des SVEB feierten die zwei Syrer am vergangenen Wochenende nun auch ihre Freeway-Cup-Premiere.

Von Ingo Notz
Hilfsbereit: (von links) Hamze Alkhttab, Bernd Vortmeier, Mohammed Alkhttab engagieren sich beim Freeway-Cup.
Hilfsbereit: (von links) Hamze Alkhttab, Bernd Vortmeier, Mohammed Alkhttab engagieren sich beim Freeway-Cup.

In Lübbecke wird um jeden Ball gekämpft – die zwei syrischen Brüder haben härtere Kämpfe hinter sich. Kämpfe auf Leben und Tod: »Unser Haus ist kaputt, von Bomben getroffen«, erzählt der 15-jährige Mohammed. Um wenigstens ihr Leben zu retten, ging es mit dem Auto durch ihre zerstörte Heimat nach Jordanien, mit dem Flugzeug in die Türkei, mit dem Boot nach Griechenland und von dort mit Zügen, Bussen und dem Auto über die Balkan-Route nach Österreich und schließlich nach Deutschland. »Wir waren sechs Tage lang unterwegs«, schildern die sympathischen Teenager ihren harten Weg in ein neues Leben, das nicht mehr so hart sein soll wie das, was sie hinter sich gelassen haben. Vergessen können sie das natürlich nicht: Obwohl beide große Fußball-Fans sind, war an organisierten Sport in ihrer alten Heimat nicht zu denken. »Wir haben Fußball auf den Straßen gespielt – das hat uns geholfen, den Krieg ab und zu zu vergessen. Wenn wir Fußball gespielt haben, haben wir nicht mehr an Bomben gedacht!«

Integration durch Fußball

In ihrer neuen Heimat hilft der Fußball nun bei der Integration. Nach einer kurzen Stippvisite beim SV Rödinghausen haben die Brüder längst beim SVE Börninghausen ein sportliches Zuhause gefunden, kicken dort in der C-Jugend: Mohammed als Linksaußen, Hamze (14) als rechter Verteidiger. »Wir müssen noch viel lernen, aber es macht alles Spaß«, betonen die zwei etwas anderen Neuzugänge des SVEB, die sich dabei auch immer auf die Hilfe ihres Nachbarn, SVE-Urgestein Bernd Vortmeier, verlassen können. Auch beim Freeway-Cup. Wem sie dort die Daumen gedrückt haben? »Wir sind Bayern-Fans«, sagen die Jugendlichen voller Überzeugung und zeigen auf das Plakat des ehemaligen Freeway-Cup-Spielers Joshua Kimmich hinter ihnen: »Die haben die besten Spieler. Wir haben Bayern in Syrien immer im Fernsehen geguckt!« Ihre Turnier-Premiere feierten die Zwei dieses Jahr als Balljungen – und träumen insgeheim doch von mehr: »Mein Vater hat gesagt, ich soll gut spielen, dann schaffe ich es vielleicht einmal zu Bayern München«, sagt Mohammed – Hamze dagegen will am liebsten Arzt und Fußballer gleichzeitig werden. »Balljunge zu sein, das macht aber auch Spaß!«, sagen beide Teenager und es huscht ein Lächeln über zwei Gesichter, in denen sich vor nicht allzu langer Zeit noch die Grausamkeiten des Krieges spiegelten. Die erste Freeway-Cup-Teilnahmen soll für die Brüder nicht die letzte bleiben: »Es wäre ein Traum, hier nächstes Jahr für die Mühlis zu spielen«, sagen Hamze und Mohammed – und genießen jeden Moment ihres neuen Lebens: mit Bällen statt Bomben!

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