Weserspucker-Turnier: Carsten Ramelow über viele zweite Plätze und neue Wege »Profis müssen zusammenhalten«

Minden (WB). Diesen Titel lässt er sich nicht nehmen: Carsten Ramelow spricht nach dem Sieg mit Bayer Leverkusen beim Weserspucker-Traditionsturnier im Interview mit Sportredakteur Alexander Grohmann über den Vize-Fluch, ein entscheidendes Traumtor von Zinedine Zidane und das Spanischlernen.

Carsten Ramelow hat mit den Alt-Stars von Bayer Leverkusen das Weserspucker-Turnier in Minden gewonnen.
Carsten Ramelow hat mit den Alt-Stars von Bayer Leverkusen das Weserspucker-Turnier in Minden gewonnen. Foto: Alexander Grohmann

Herr Ramelow, zum ersten Mal waren Sie in diesem Jahr beim Weserspucker-Turnier am Ball. Hat es Sie wieder in den Füßen gejuckt?

Carsten Ramelow: Ich versuche weiter, mich körperlich fit zu halten. Fußball spiele ich aber nur unregelmäßig. In Minden bin ich daher gerne gewesen. Halle macht schließlich jedem Fußballer Spaß.

Viele wollen in der Halle Kabinettstückchen zeigen, Sie machen dagegen wie früher die Räume dicht. War das immer schon Ihre Stärke?

Ramelow: Dafür habe ich ein Näschen. Ich versuche, meinen Teamkollegen zu helfen. Das ist meine Spielweise.

Für Bayer Leverkusen haben Sie fast 13 Jahre gespielt. Niemals allerdings erfolgreicher als in der Saison 2001/2002. Das Tragische: Am Ende standen vier zweite Plätze. Tut es weh, wenn Sie an dieses ganz spezielle Jahr zurückzudenken?

Ramelow: Ich bin deswegen nicht deprimiert, sondern eher stolz. Vier Mal Zweiter in einer Saison – das gibt es im Fußball auch nie wieder. Bei der WM 2002 hatte ich mit der Nationalmannschaft eine faszinierende Zeit. Im Finale gegen Brasilien (0:2/Anm. der Red.) waren wir lange das bessere Team und haben nur durch den einzigen Fehler von Olli Kahn im ganzen Turnier verloren. In dieser Mannschaft stimmte es. Jeder wollte und es hat funktioniert.

Zuvor wurden Sie mit Leverkusen schon Zweiter in der Meisterschaft und scheiterten im DFB-Pokal- und im Champions-League-Endspiel.

Ramelow: Beim 1:2 gegen Real Madrid haben wir aufgrund eines wunderbaren Volleytreffers von Zinedine Zidane verloren. Für mich nach wie vor eines der schönsten Tore aller Zeiten. Was soll man dazu noch sagen?

Haben Sie neben Ihren regelmäßigen Einsätzen in der Bayer-Traditionself eigentlich noch Kontakt zum Verein?

Ramelow: Das flacht mittlerweile schon ein bisschen ab. Ich bin kein Dauergast im Stadion. Ich finde, man muss auch loslassen können.

Als Vize-Präsident in der Vereinigung der Vertragsfußballspieler sind Sie trotzdem noch nah am Geschehen dran. Worin besteht die Aufgabe?

Ramelow: Ich bekleide da nur ein Ehrenamt. Die Hauptarbeit in der VDV leisten die beiden Geschäftsführer. Wir kommen aber alle paar ­Wochen zusammen, um uns auszutauschen. Es gibt ganz viele Themen, wo die Fußballprofis zusammenhalten müssen. Da geht es um Spielerberater, die Antidoping-Thematik oder den großen Tarifvertrag. Zudem versuchen wir den Spielern zu vermitteln, dass sie schon während ihrer Karriere über den Tellerrand hinausschauen.

Was meinen Sie genau damit?

Ramelow: Ein Beispiel: Ich war in den ersten Jahren meiner Karriere auch total auf den Fußball fokussiert. Dabei hat man doch durchaus Zeit, sich nebenbei weiterzubilden, vielleicht eine Fremdsprache zu lernen, um für später etwas in der Hand zu haben. Auch ich habe das erst nach meiner aktiven Zeit richtig in Angriff genommen. Zurzeit lerne ich Spanisch mit meiner Frau. Das macht mir total viel Spaß.

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