Freeway-Cup-Chef Christian Spönemann spricht über Vorfreude, Ehrenamt und Bayern »Ich passe gut auf das Turnier auf«

Lübbecke (WB). Der Countdown läuft: Am 20. und 21. Januar wird in der Lübbecker Kreissporthalle der 19. Freeway-Cup ausgetragen. Im Vorfeld spricht Turnierchef Christian Spönemann (49) im Interview über die Vorfreude, das Ehrenamt und den FC Bayern München.

Von Marc Schmedtlevin
Die Vorfreude bei Freeway-Cup-Chef Christian Spönemann (links, mit Finn Holsing) ist groß.
Die Vorfreude bei Freeway-Cup-Chef Christian Spönemann (links, mit Finn Holsing) ist groß. Foto: Oliver Schwabe

Der Freeway-Cup steht bevor. Wie groß ist Ihre Vorfreude?

Christian Spönemann: Die Vorfreude ist immer da, denn das Turnier ist ja ein Ganzjahresprojekt. Wenn das Finale gespielt ist, denkt man schon wieder an das nächste Jahr. So kurz vor Turnierbeginn hinterfragt man sich häufig, ob auch an alles gedacht wurde. Man bekommt leichte Panikschübe und Einschlafschwierigkeiten und es kommt eine gewisse Anspannung hinzu. Aber auch die Vorfreude wird größer, weil die Bilder von der vollen Halle im Kopf sind.

Für Sie ist es die zweite Auflage als Turnierchef, Sie scheinen nach der ersten also nicht genug zu haben. War es im Vorjahr eine rundum gelungene Premiere?

Spönemann: Ich denke schon. Wir haben im vergangenen Jahr sehr viele Tore gesehen, hatten schöne Spiele. Außerdem konnten wir mit den Dunking Devils ein fantastisches Showprogramm bieten. Ich finde, dass die Konstellation mit Finn Holsing, der sich in erster Linie um den sportlichen Bereich kümmert, und mit mir – die Nachfolgeneration von Heinz-Dieter Holsing – gut funktioniert hat. Bei der Manöverkritik hatten wir nicht das Gefühl, etwas groß in den Sand gesetzt zu haben.

Turnier neu entdeckt

Sie waren beim Freeway-Cup jahrelang als Hallensprecher im Einsatz, bevor Sie zum Turnierchef aufgestiegen sind. Hatten Sie sich die neue Rolle genauso vorgestellt?

Spönemann: Ich habe im Vorjahr gemerkt, dass ich vieles vom Turnier gar nicht kannte. Als Sprecher darfst den Kopf nicht runternehmen, sonst verpasst du ein Tor. Das geht alles unglaublich schnell. An der Bande bist du wirklich zwei Tage komplett gebunden, hast nur das Mikro in der Hand. Im Vorjahr habe ich ganz neue Sachen entdeckt. Ich bin zum ersten Mal durch das Foyer gegangen und fand die Menschenmassen dort unfassbar. Und ich habe es sehr genossen, Menschen zu treffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Das kannte ich vorher so nicht und fand es sehr spannend.

Heinz-Dieter Holsing hat das Turnier ins Leben gerufen. Können Sie sich beim Vorgänger noch ein paar Tipps holen?

Spönemann: Mit der Familie habe ich viele Berührungspunkte. Ich habe Heinz-Dieter aber nicht um Rat gefragt, sondern ihm bei meiner Übernahme nur versprochen, dass ich auf sein Turnier gut aufpassen werde. Er hatte seinen Stil, mit dem er das Turnier unglaublich erfolgreich gemacht hat, und ich habe meinen Stil. Heinz-Dieter ist bei unseren Sitzungen des Organisationsteams weiterhin dabei, er wird auch zum Turnier kommen, kümmert sich mit seiner Frau Vera um die Tombola.

Kartenverkauf spiegelt Begeisterung wider

Es hat im Vorfeld nicht einmal eine halbe Stunde gedauert, bis das Turnier ausverkauft war. Welche Bedeutung hat der Ansturm auf die Tickets?

Spönemann: Wir streben nicht an, Rekorde zu brechen. Natürlich ist es schön, wenn man behaupten kann, dass die Karten in 28 Minuten vergriffen waren. Unser Anspruch war das aber nicht. An der Nachfrage kann man ablesen, wie groß die Begeisterung für dieses Turnier und wie gut unser Ruf in Lübbecke und darüber hinaus ist. Das Schlechte daran ist allerdings, dass man sehr viele Leute enttäuscht und mitunter Unverständnis schafft. Eigentlich will man möglichst viele Leute teilhaben lassen, doch schließlich sind die Karten sehr schnell weg.

Der Freeway-Cup ist eine riesige Veranstaltung. In welcher Größenordnung bewegt sich das Budget?

Spönemann: Es ist hoch, schließlich handelt es sich um eine Großveranstaltung. Das sind richtige Summen, die man da bewegt. Wir gehen damit sehr professionell um. Wir sind froh, im Team Fachleute dafür zu haben. Unser Kassierer schaut schon genau hin, dass wir eine saubere Buchführung und saubere Bilanzen haben.

Wäre so ein Turnier auch ohne ehrenamtliche Hilfe stemmbar?

Spönemann: Nein, definitiv nicht. Wir sind mittlerweile bei 230 Helfern angelangt. Wenn du das Ehrenamt nicht hättest und all das, was dort geleistet wird, bezahlen müsstest, ginge es nicht. Diese Sache haben Holsings von Beginn an richtig gemacht. Sie haben sich Vereine gesucht, die sie unterstützen. Sie haben Leute mit ihrer Begeisterung in Lehrerkollegien angesteckt. Das ist das Fundament. Ich glaube auch, dass so ein Turnier nur auf dem Land möglich ist, weil die Bereitschaft da ist. Hier kennt man sich, hat kurze Wege, flache Hierarchien.

Dicht am Limit

Ist das Turnier in irgendeiner Form noch größer denkbar oder ist das Limit erreicht?

Spönemann: Größer denkbar ist es nur an ganz wenigen Stellen. Wir haben nicht die Möglichkeit, mehr Leute in die Halle zu lassen. Wir haben auch über ein Turnier mit allen Erstligisten plus Arminia und die Mühlenkreisauswahl gedacht. Das funktioniert aber nicht, weil man mit 20 Teams noch den Freitag dazunehmen müsste. Die Klubs reisen noch eher an, die Hallenbelegung wäre schwierig, es geht also nicht. Die einzige Möglichkeit, wo wir noch wachsen können, ist die finanzielle Dimension mit Sponsoring und Werbung. Damit kann die Qualität des Turniers gesichert werden.

Sie sind Fan des FC Bayern München. Bei einem Blick auf das Teilnehmerfeld fehlt ihr Verein. Wie schwer wiegt die Absage dieses großen Namens?

Spönemann: Natürlich hat uns das nicht glücklich gemacht, dennoch haben wir ein sehr gutes Teilnehmerfeld. Der Vorverkauf spricht dafür, dass es den Leuten nicht egal ist, sie aber nicht wegbleiben, weil der FC Bayern nicht kommt. Ich persönlich finde es sehr schade, weil die Bayern polarisieren. In der Halle ist bei deren Spielen immer etwas los. Die einen wollen sie gewinnen, die anderen verlieren sehen.

Werden Sie mit den Bayern denn für die Zukunft noch einmal einen Versuch starten?

Spönemann: Ja, wir wollen im Gespräch bleiben, haben einen guten Draht. Wir werden anfragen, ob sie sich eine Teilnahme 2019 vorstellen können.

Rückkehrer mit Tradition

Im Vergleich zum Vorjahr sind Borussia Mönchengladbach und Eintracht Frankfurt neu im Feld. Wieso haben Sie sich für diese Vereine entschieden?

Spönemann: Wir wollten gerne Erstligisten bei uns begrüßen. Wir haben uns mit Punkten wie Tradition und Qualität beschäftigt. Dann sind wir bei Gladbach und Frankfurt hängen geblieben, die beide seit fünf Jahren nicht mehr bei uns waren. Speziell Gladbach steht natürlich für Emotionen, viele Zuschauer sind mit der Fohlen-Elf groß geworden. Gladbach hat viele Fans, das passt zu uns. Frankfurt spielt eine gute Rolle in der ersten Liga und das wertet unser Turnier auf.

Prognosen sind im Vorfeld immer schwierig. Haben Sie dennoch einen Favoriten für die 19. Auflage?

Spönemann: Ich denke, dass Köln und Dortmund starke Mannschaften haben werden. Der BVB ist eigentlich einmal dran. Er wird oft hoch gewettet, scheidet dennoch verhältnismäßig früh aus. Ich bin auch gespannt auf die Hertha, die ein Zeichen setzen müsste. Und Leipzig hat vielleicht etwas gutzumachen.

Der Turniermodus wurde verändert. Es hat eine Einteilung in regionale Töpfe gegeben. Wie ist es dazu gekommen?

Spönemann: Wir haben beim Turnier 2017 eine Abfrage bei den Teams gemacht – unter anderem in Bezug auf den Modus. Es kam die Nachfrage, ob für die weiten Fahrten nicht ein Spiel mehr und weniger Partien gegen Teams aus der eigenen Staffel möglich wären. Beides haben wir geschafft.

Profis betreiben Livestream

Es wird wieder ein Livestream angeboten. Im Vorjahr gab es dabei leichte Qualitätsprobleme. Wie wollen Sie diese jetzt sicherstellen?

Spönemann: Wir haben sichergestellt, dass wir mit absoluten Profis zusammenarbeiten. Jemand vom Fach, aber aus der Region. An der Stelle sind die Grenzen des Ehrenamtes erreicht. Wir haben uns nach dem Vorjahr die Frage gestellt: Machen wir es ganz oder lassen wir es bleiben? Wir wollen es nun richtig machen.

Im Vorjahr waren die Dunking Devils neben dem Fußball für die Höhepunkte zuständig. Ist das Rahmenprogramm nun etwas kleiner gehalten?

Spönemann: Es ist komplett anders. Wir konnten die Dunking Devils noch einmal für uns gewinne, weil sie zuvor schon einmal da waren. Ansonsten sind sie in einer Kategorie, die wir uns nicht leisten können. Wir wollten gerne etwas Neues finden. Und da wir bisher weder Slackline noch Frisbee hatten, passen die Unique Freestyler. Der Unterschied zu anderen Turnieren ist eben, dass wir mehr als Fußball bieten. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal.

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