Fußball: Vereine erklären Vorkommnisse bei Fohlen-Cup-Siegerehrung »Ein klares Missverständnis«

Altkreis Lübbecke (WB). Der Tag danach. Nach den unerfreulichen Zwischenfällen bei den Jugend-Hallenkreismeisterschaften in Lübbecke ist der weit verbreitete Tenor einstimmig: Unsportlichkeiten wie am Sonntag haben nirgendwo etwas zu suchen. Der vermeintliche »Boykott« gegen den Doppelsieger FC Preußen Espelkamp sei dagegen keiner – und lediglich ein Missverständnis sowie eine Folge unglücklicher Verkettungen.

Von Ingo Notz
Unschöne Szenen am Rande des Turniers.
Unschöne Szenen am Rande des Turniers. Foto: Ingo Notz

Übelste Beschimpfungen, Beleidigungen weit unter der Gürtellinie, Angriffe auf Spieler, die sich auf sie geworfener Flaschen erwehren mussten – Fohlen-Cup-Sieger FC Preußen Espelkamp war am Finaltag mehrfach Zielscheibe aggressiver Zwischenfälle. »Das war so ein Hass – wir kamen uns am Ende vor wie bei Julius Cäsar in der Arena«, schüttelte Preußen Espelkamps Jugendobmann Alexander Lang den Kopf. Dass dann bei der Siegerehrung auch noch keine andere Mannschaft aufs Feld gekommen ist, rundete das Negativerlebnis für die Espelkamper ab – entsprechend waren auch ihre Reaktionen, geprägt von Unverständnis und Enttäuschung.

Das konnten auch am Tag danach auch Vertreter anderer Vereine zumindest teilweise nachvollziehen. Marcel Grabenkamp fungierte am Samstag als Hallensprecher, war an beiden Tagen in die Organisation eingebunden und ärgerte sich nicht zuletzt als Jugendfußball-Chef des BSC Blasheim über den Ablauf nach dem letzten Finale: »Das ist einfach blöd gelaufen, auch für die Sponsoren, dass ihnen so nicht die angemessene Wertschätzung entgegengebracht worden ist, da haben wir auch schlecht reagiert. Das war kein schöner Abschluss für das Turnier – das sehen wir auch so.«

»Der Fehler lag bei mir!«

Überrascht waren die Blasheimer auch von der Rolle, die der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses, Jens Nickel, bei der Siegerehrung eingenommen hat. Nach einer kurzen Grußbotschaft hatte der das Mikro nämlich abgegeben – und anders, als in den Vorjahren bei seinen Vorgängern üblich, hat diesmal nicht der Kreisjugendchef die Siegerehrung vorgenommen. Am Tag danach räumte der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses den Fehler bezüglich der Siegerehrung bei seiner ersten offiziellen Kreismeisterschaft unter seiner Federführung ein: »Ein Boykott der Siegerehrung ist absoluter Schwachsinn. Der Fehler lag bei mir! Ich habe mich bei Sponsoren und Mannschaften bedankt und dann das Mikrofon weitergegeben. Ich habe es versäumt, die Mannschaften zur Siegerehrung auf das Feld zu holen!«

»Nicht gut gelaufen«

Die Ehrung hatte am Sonntag dafür Andreas Schwarze als Vertreter des Sponsors Volksbank Lübbecker Land vorgenommen. »Dass da ein, zwei Dinge nicht gut gelaufen sind, das ist uns allen klar«, gab Kreisjugendausschuss-Mitglied Rolf Halwe unumwunden zu, »das werden wir aufarbeiten. Das war aber keine böse Absicht, das war ein Missverständnis, das sich verselbstständigt hat. Dabei ist es verpasst worden, einzugreifen, als es schiefgelaufen ist. Es gehören natürlich alle zu Ehrenden nach vorne, das ist doch klar. Die Ehrung ist leider schneller schiefgelaufen, als wir sie korrigieren konnten.«

»Es kam Kein Signal«

Äußerst unangenehm war der Ablauf der Ehrung nicht zuletzt auch dem Trainer der Blasheimer A-Junioren, Achim Haver. Auch dessen Mannschaft fehlte bei der Ehrung – aber nicht aus böser Absicht, wie er betont: »Das war ein ganz klares Missverständnis!«, unterstreicht Haver, der mit seinen Spielern auf der Tribüne gewesen war: »Wir haben gewartet, dass wir aufs Feld gerufen werden – aber da kam nichts, überhaupt kein Signal.« Offenbar habe sich für den Ablauf der Siegerehrung niemand richtig zuständig gefühlt, vermutet Haver: »Aber dafür kann meine Mannschaft nichts!« Entsprechend seien seine Jungs dann auch auf der Tribüne geblieben – annehmend, dass diesmal nur der Preis an den jeweiligen Kapitän der Mannschaften übergeben werden würde. »Das war einfach ein Fehler im Ablauf. Das war ganz sicher kein Boykott, von uns schon gar nicht – im Gegenteil! Von einem Boykott möchte ich mich ganz klar distanzieren, das möchten wir auch so nicht auf uns sitzen lassen: Das war ganz sicher auch keine Verschwörung aller anderen Mannschaften – von uns schon gar nicht, niemals, nie! Das sind nicht meine Werte, die ich den Jungs vermitteln möchte. Ich vermittele meinen Jungs Werte wie Anstand, Respekt und Fairness und ich habe auch kein Problem mit Preußen. Das war einfach ein Fehler im Ablauf und kein Boykott. Wir entschuldigen uns in aller Form dafür, dass das so rübergekommen ist!«

»Flaschen inakzeptabel!«

Kein Verständnis zeigte allerdings auch Haver für die Ausschreitungen gegen die Espelkamper Mannschaften – in verbaler, gestischer und tätlicher Form. »Die Mittelfinger gehen überhaupt nicht. Dass dann auch noch Flaschen in Richtung der Preußen-Spieler fliegen, ist inakzeptabel. Auch die Zuschauer müssen sich mal zurücknehmen!« So soll es einen Flaschenwurf aus dem Holzhausen-Block gegen Espelkamper gegeben haben: »Das gehört sich nicht, darüber werden wir auch noch sprechen – wobei auch nicht nur Holzhauser in dem Block gesessen haben!«, stellte SuS-Fußballchef Thomas Titkemeyer klar.

Die Zwischenfälle haben auch Dieter Greve, dem Vorsitzenden des Veranstalters BSC Blasheim, nicht gefallen: »Da kam ziemlich viel Hass, das war nicht schön. Emotionen gehören dazu, das war aber nicht schön. Schon am Freitag sind Schiedsrichter und Spieler der Preußen beleidigt worden, da haben wir strenge Ermahnungen an die Zuschauer ausgesprochen, dann hat sich das auch wieder beruhigt. Vielleicht muss man aber für die Zukunft auch über Ordner nachdenken – oder aber eher zur Ruhe rufen.« Dass dabei nicht eingegriffen wurde, war für viele Espelkamper ein entscheidender Faktor. Alexander Lang stellte fest: »Jeder, der in der Halle war und nichts unternommen hat, sollte sich einmal hinterfragen!«

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