Nach der WM ist auch im Altkreis steigendes Interesse am Dartssport zu erkennen Mehr als ein Kneipenspiel

Lübbecke (WB). Verkleidete Fans feuern ihre Lieblingsspieler auf der Bühne an, singen, bejubeln jeden erfolgreichen Wurf. Bei der gerade zu Ende gegangenen Darts-Weltmeisterschaft ist die große Begeisterung für die Sportart deutlich geworden. Auch bei den Vereinen im Altkreis Lübbecke ist ein steigendes Interesse erkennbar.

Von Marc Schmedtlevin
Nehmen mit ihren Pfeilen die Scheibe ganz genau ins Visier: Ralf Westerhold (links) und Michael Alhorn.
Nehmen mit ihren Pfeilen die Scheibe ganz genau ins Visier: Ralf Westerhold (links) und Michael Alhorn. Foto: Marc Schmedtlevin

Oft als Kneipenspiel belächelt, hat sich Darts zu einer beliebten Sportart entwickelt. Den besten Beweis dafür hat die WM im Londoner Alexandra Palace – auch »Ally Pally« genannt – geliefert. Die Übertragung des Finals bescherte dem Fernsehsender Sport1 sensationelle Quoten. Bis zu 1,95 Millionen Zuschauer in Deutschland saßen am Montagabend vor dem Fernseher und fieberten beim 7:3-Erfolg des neuen Titelträgers Michael van Gerwen (Niederlande) gegen den Schotten Gary Anderson mit. »Viele sehen Darts als ein Spiel beim Trinken in der Kneipe an. Für uns ist es aber ein Wettbewerb, bei dem auch ein Bierchen getrunken werden darf«, sagt Michael Alhorn.

Kleinigkeiten beeindrucken

Er ist Mannschaftsführer der Sky Darter Lübbecke II, mit denen er in der ostwestfälischen Bezirksliga an den Start geht. Auch die erste Mannschaft um Kapitän Ralf Westerhold ist in dieser Spielklasse aktiv. Beide begannen vor fünf Jahren mit dem Dartssport und werden seitdem von der Faszination nicht mehr losgelassen. »Für mich ist dieses Spiel eine hervorragende Ablenkung, dabei finde ich Ruhe«, sagt Alhorn. »Ich finde es unglaublich beeindruckend, dass es auf Kleinigkeiten ankommt. Wenn man die Profis im Fernsehen sieht, traut man sich das selbst erst einmal nicht zu. Wenn man es aber probiert, macht es riesigen Spaß«, erklärt Westerhold.

Natürlich hat das Duo in den WM-Wochen viele Stunden auf dem Sofa verbracht, um den Idolen zuzusehen. »Jede freie Minute neben der Arbeit wurde genutzt«, sagt Westerhold. Auch die Begeisterung für das eigene Spiel nimmt während des Turniers noch einmal zu. Michael Alhorn stimmte sich beispielsweise häufig mit ein paar Runden an der eigenen Scheibe auf die TV-Übertragungen ein. »Es ist aber nicht die Regel. Neben der Arbeit kommt man da seltener zu«, erklärt er.

Die WM-Euphorie mache sich auch in den Vereinen bemerkbar. In diesen Wochen seien viele und auch neue Spieler zu den Trainingseinheiten gekommen. »Das steigende Interesse ist auf jeden Fall zu spüren. Ich gehe davon aus, dass im Januar und Februar noch weitere Anfragen folgen werden«, sagt Alhorn.

Spiel auf elektronische Scheiben

Seine Sky Darter spielen Electronic-Dart, also auf elektronische Scheiben. Nach jedem Wurf wird der Spielstand dabei aktualisiert. Anders als beim Steeldarts, das auch bei der WM gespielt wird. Hier wird nach drei Würfen lediglich die aktuelle Punktzahl notiert, jeder Spieler muss also mitrechnen. »Dadurch ist E-Darts vielleicht etwas leichter, aber dafür sind die Felder auch etwas schmaler«, erklärt Alhorn.

Die Regeln sind ansonsten die gleichen: 2,37 Meter steht der Spieler von der Scheibe entfernt. Ziel ist es, mit möglichst wenigen Würfen die Punktzahl von 501 auf Null herunterzuspielen. Eine zusätzliche Schwierigkeit: Der letzte Wurf muss in einem der kleinen Doppelfelder landen. Beispiel: Hat ein Spieler die Restpunktzahl 40, muss er die doppelte 20 treffen. Gerade bei diesem sogenannten »Checkout« und beim regelmäßigen Anvisieren der optimalen »180« können sich die Hobbyspieler einiges von den Profis abschauen. »Es gibt Talente, aber Training ist alles. Darin liegt der größte Unterschied zu den Topspielern«, sagt Alhorn, der mit seinen Vereinskollegen einmal pro Woche gemeinsam trainiert. Profis stehen dagegen täglich mehrere Stunden vor der Scheibe. Daher ist es kein Wunder, dass die Begeisterung für Michael van Gerwen, Gary Anderson und Co. so groß ist.

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