Handball-Bundesliga: TuS N-Lübbecke empfängt heute Abend den THW Kiel  Bonusspiel vor der Pflicht 

Lübbecke (WB). Erst die Kür, dann die Pflicht – bei Handball-Bundesligist TuS N-Lübbecke gilt in dieser Woche eine umgekehrte Reihenfolge. Der Fokus wird zwar zunächst auf das heutige Heimspiel (20.15 Uhr, live bei Sport1) gegen Meister THW Kiel gelegt, doch die Partie gegen die TSG Ludwigshafen-Friesenheim am Samstag ist schon im Hinterkopf.

Von Marc Schmedtlevin
Tim Remer taucht frei von Kiels Torhüter Per Sandström auf. Solche Chancen müssen heute konsequent genutzt werden.
Tim Remer taucht frei von Kiels Torhüter Per Sandström auf. Solche Chancen müssen heute konsequent genutzt werden.

 Dirk Beuchler macht aus der Gewichtung der beiden Spiele kein Geheimnis. »Das Duell mit dem direkten Konkurrenten Friesenheim am Samstag ist für uns das deutlich wichtigere. Da müssen wir gewinnen«, sagt der TuS-Trainer und verweist darauf, dass ein Erfolg gegen die Übermannschaft aus Kiel an einem normalen Tag so gut wie unmöglich sei. Abschenken wolle er das Spiel im Vorfeld aber nicht, schließlich sei sein Team bei den beiden letzten Aufeinandertreffen (21:24 und 29:30) mit dem Primus einer Überraschung sehr nah gekommen. »Die Rolle des Favoriten ist natürlich klar verteilt. Wir müssen aber versuchen, uns so gut wie möglich zu verkaufen. Die beiden letzten Vergleiche sollten uns dabei Mut machen«, erklärt Beuchler.

 Größere Schwächen könne er beim THW nicht ausmachen, dagegen aber zahlreiche Stärken benennen. Respekt habe der Trainer vor allem vor der Kieler 3-2-1-Abwehr. »Dagegen eine Lösung zu finden, ist sehr schwer. Abspielfehler und unkontrollierte Würfe werden permanent provoziert. Wir müssen schon eine sehr ordentliche Leistung im Angriff zeigen, um zu bestehen«, erklärt Beuchler, der außerdem ein schnelles und geordnetes Rückzugsverhalten von seinen Mannen verlangt. Denn Kiel zähle zu den weltweit stärksten Kontermannschaften. Nach Ballgewinnen setze das Team sofort auf Gegenstöße und die zweite Welle. Wie erfolgreich diese Taktik ist, stellten die »Zebras« gerade am Sonntag beim 30:21-Erfolg in der Champions-League bei der SG Flensburg-Handewitt unter Beweis. »Wir müssen den Schwung unterbinden. Wenn das nicht gelingt, droht man unterzugehen«, sagt Beuchler.

 Das Problem: Auch wenn das Konterspiel gestoppt werden sollte, wären die Kieler noch längst nicht aller Waffen beraubt. Der THW verfügt mit Filip Jicha, Joan Canellas, Domagoj Duvnjak, Aron Palmarsson, Marko Vujin und Steffen Weinhold über sechs hervorragende Individualisten. »Das sind großartige Spieler. Wenn einer einen schlechten Tag erwischt, wird einfach der nächste gebracht. Da kommt durchgehend Weltklasse für Weltklasse. Das muss man akzeptieren, schließlich verfügt Kiel über den dreifachen Etat des TuS«, sagt der Lübbecker Trainer. Da sein Team mit der spielerischen Klasse der Gäste vermutlich nicht mithalten könne, verlange er andere Tugenden: »Laufen und kämpfen, das muss immer möglich sein. Die Jungs müssen sich aufopfern, auch wenn es Kraft kosten wird.«

 Umbauen muss Beuchler möglicherweise im rechten Rückraum. Neben Jens Schöngarth droht mit Gabor Langhans auch der zweite Linkshänder auszufallen. Er hatte sich im Spiel in Melsungen vor einer Woche eine Leistenzerrung zugezogen und konnte seitdem kaum trainieren. »Ob wir ihn einsetzen können, wird sich am Spieltag entscheiden. Sein Ausfall würde natürlich schwer wiegen, aber wir müssen darauf achten, dass am Samstag alle Spieler frisch sind«, erklärt der Trainer. Müsste er mit einem Rechtshänder im rechten Rückraum agieren, wäre die Aufgabe im 50. Bundesligaspiel gegen die aggressive Kieler Deckung noch einmal um ein Vielfaches schwerer.

 Jedes Risiko wolle auch Zlatko Feric vermeiden. »Ich hoffe, dass alle Spieler ohne Verletzung durch das Spiel kommen. Wenn wir uns dann noch nach Wunsch präsentieren, wäre das ein Schritt nach vorne«, sagt der Teammanager, der sich über das Interesse der Fans freut. Nur noch wenige Resttickets seien zu bekommen, obwohl durch die Übertragung im Fernsehen sowie das Fußball-Champions-League-Spiel von Vizemeister Dortmund Alternativen vorhanden seien. Das Angebot in Lübbecke kann sich aber sehen lassen. Immerhin ist der Deutscher Meister zu Gast.

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