Handball-Weltmeisterschaft: Rückraum-Riese des TuS N-Lübbecke feiert mit der DHB-Auswahl in Katar Erfolge Schöngarth träumt von WM-Titel

Lübbecke/Katar (WB). »Die WM ist eine geile Erfahrung!« Jens Schöngarth lebt derzeit (s)einen Handball-Traum. Und vor dem Weltmeisterschafts-Achtelfinale gegen Ägypten (heute 16:30 Uhr) scheint für den Profi des TuS N-Lübbecke und seine Nationalmannschaftskollegen plötzlich alles möglich.

Von Adrian Rehling
Möchte auch heute wieder im Trikot der Nationalmannschaft jubeln: Lübbeckes Jens Schöngarth darf plötzlich sogar an die Medaillenplätze denken.
Möchte auch heute wieder im Trikot der Nationalmannschaft jubeln: Lübbeckes Jens Schöngarth darf plötzlich sogar an die Medaillenplätze denken.

Nur die wenigsten Experten hatten dem Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson eine solche Rolle zugetraut. Sportlich nicht für die WM qualifiziert, durfte Deutschland nur dank einer Wild Card starten. Und dreht jetzt in Kater so richtig auf! Mit vier Siegen aus fünf Gruppenspielen – Polen (29:26), Russland (27:26), Dänemark (30:30), Argentinien (28:23) und Saudi-Arabien (36:19) – holte sich die DHB-Auswahl den Gruppensieg. Schöngarth ist begeistert: »Für uns war erstmal wichtig, der ganzen Welt gezeigt zu haben, dass wir mit den Besten mithalten können. Aus den Spielen nehmen wir viel Selbstvertrauen mit und wissen nun, dass wir gegen jeden Gegner aus der Weltspitze mithalten oder ihn sogar schlagen können.«

Großes Selbstbewusstsein bei Schöngarth. Er wurde von Sigurdsson als Back-up für Steffen Weinhold im rechten Rückraum nominiert. Und das, obwohl der TuS-N-Akteur erst Anfang des Jahres im Härtetest gegen Island sein Nationalmannschafts-Debüt gab. Der 26-Jährige sieht sich in seiner akribischen Arbeit bestätigt: »Es ist mein erstes großes Turnier. Darauf habe ich lange hingearbeitet, viele Stunden im Kraftraum verbracht und hart an mir gearbeitet. Es macht mich unheimlich stolz, ein Teil dieser Mannschaft zu sein.«

Der Rückraum-Riese ist aber vielmehr mittendrin – statt nur dabei. Nach dem vollbrachten Einzug in die K.o.-Phase gaben Schöngarth und »DJ Mimi« Michael Kraus ordentlich den Schlager-Ton in der deutschen Kabine an. Und trällerten „Ich hab geträumt von dir“ von Matthias Reim in die Runde. Allerdings mit einer nicht ganz so starken Gesangseinlage wie auf dem Feld. Schöngarth postete mit einer ordentlichen Portion Selbstironie im sozialen Netzwerk Instagram: »Nicht nur Handball spielen können – auch noch sch. . . singen. . .«

Der 2,03 Meter große und 98 Kilo schwere Linkshänder kam in allen fünf Partien zu seinen Einsatzminuten, erzielte gegen Polen und Saudi-Arabien jeweils ein Tor. Und zeigt keinen Respekt vor großen Namen: Beim 30:30-Unentschieden gegen Dänemark (Europameister 2012, WM-Zweiter 2011 und 2013) nahm sich Schöngarth den letzten Wurf, scheiterte allerdings am Block der Dänen-Hünen. Trotzdem: Jens Schöngarth hat seine Rolle im Team in nur kürzester Zeit komplett angenommen.
Da kommen inzwischen sogar Titel-Träume auf, wie er im verriet: »Es wäre vermessen von mir zu sagen 'Wir werden Weltmeister' – aber es wäre auch gelogen, wenn wir nicht nachts davon träumen würden. Das ist das, was jeder Sportler erreichen will!«

Den Grundstein dafür haben Schöngarth und Co. gelegt, denn dank des Gruppensieges geht man den dicken Brocken wie Frankreich, Spanien und Kroatien mindestens bis zum Halbfinale aus dem Weg. Der Achtelfinal-Gegner lautet Ägypten, im Viertelfinale würden dann Österreich oder Gastgeber Katar auf die DHB-Auswahl warten. »Ob wir den Titel wirklich holen? Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, da gibt es noch ganz andere gute Mannschaften«, hält sich Jens Schöngarth noch zurück. Doch der Titel-Traum geht weiter – und vielleicht muss sich der 26-Jährige nach der »geilen Erfahrung« bald mal mächtig kneifen. . .

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