Fußball: Tengerns Holm Hebestreit spricht über die Bilanz und den Abschied »Herz hat eine Kleeblatt-Form«

Tengern (WB/mas). Der Abschied rückt näher. Am Saisonende wird Trainer Holm Hebestreit den Fußball-Landesligisten TuS Tengern verlassen. Im Interview spricht der 44-Jährige mit Redakteur Marc Schmedtlevin über die bisherige Bilanz, überzeugende Zugänge und die persönlichen Ziele für die letzte Halbserie.

Im Sommer wird Holm Hebestreit seine Sachen packen. Zuvor will er mit Tengern noch einiges erreichen.
Im Sommer wird Holm Hebestreit seine Sachen packen. Zuvor will er mit Tengern noch einiges erreichen. Foto: Marc Schmedtlevin

Sie haben 28 Punkte auf dem Konto, belegen damit Tabellenplatz vier. Können Sie mit dieser Bilanz zufrieden sein?

Holm Hebestreit: Auf jeden Fall. Wir hatten vor der Serie einen großen Umbruch, haben acht Spieler verloren. Wir haben auch gute Jungs dazu bekommen, aber es war natürlich die spannende Frage, wie schnell sich das alles zusammenfügt. Qualität ist das eine, aber alle Mannschaftsteile müssen auch miteinander harmonieren. Wir waren zwischenzeitlich in das Mittelfeld abgerutscht, haben uns jetzt aber in eine deutlich bessere Position gebracht. Deswegen ist die Bilanz mit dem neuen Team positiv zu bewerten.

Fehlte noch die nötige Konstanz?

Hebestreit: Wir hatten einen überragenden Saisonstart mit dem 7:1 gegen Peckeloh und dem 3:1 in Bad Lippspringe, sodass wir nach zwei Spieltagen sogar die Tabelle angeführten. Dann haben wir in Brakel verloren und es entwickelte sich ein ständiges Auf und Ab. Gute, klare Heimsiege haben sich mit schwächeren Auswärtsspielen abgewechselt. Da haben wir uns schon unsere Gedanken gemacht.

Im Jahresendspurt lief es dann deutlich besser. Wie war die Wende zum Positiven zu erklären?

Hebestreit: Das 0:1 in Vlotho war ein Knackpunkt. Wir haben dort einen schwachen und geradezu emotionslosen Auftritt hingelegt. Daraufhin haben wir die Dinge mit der Mannschaft und dem Trainerteam besprochen. Es ging um taktische Ausrichtungen und Vorgaben. Danach wussten wir, was sich das Team zutraut. Gepaart mit dem, was wir sehen wollen, sind wir dann sechs Mal ohne Niederlage geblieben.

Theesen entscheidet über Meisterschaft

Es sind derzeit sieben Punkte zum VfL Theesen auf Platz eins. Ist der Weg schon zu weit?

Hebestreit: Wer in dieser Liga Meister wird, entscheidet allein der VfL Theesen. Dort wird erneut tolle Arbeit geleistet. Wir haben aber mit einer 2:0-Führung beim 2:2 im direkten Duell gezeigt, dass wir deren Niveau halten können. Allerdings hatten wir bei weitem nicht die Konstanz. Sollte Theesen allerdings wie im letzten Jahr wackeln, wollen wir dran sein.

Kann man Tengerns Zielsetzung für die zweite Saisonhälfte an einem Tabellenplatz festmachen?

Hebestreit: Wir haben vor der Saison einen Top-Fünf-Platz als Ziel ausgegeben. Wir stehen nun auf dem vierten Rang und wollen uns noch verbessern. Es besteht berechtigte Hoffnung, weil wir uns zuletzt mit einem starken Endspurt gefunden haben. Wenn wir dort weitermachen, können wir uns nach oben arbeiten.

Sie haben selbst den Umbruch im Team angesprochen. Ist dieser schon komplett vollzogen?

Hebestreit: Ich denke, dass wir uns nach 15 Spielen besser kennengelernt haben. Zu Beginn der Saison haben wir bei einem Rückstand noch zu hektisch reagiert. Das ist alles viel besser geworden – natürlich auch im Bewusstsein der eigenen Stärke. Die Mannschaft hat gemerkt, dass sie sich auf sich verlassen kann. Es geht nun noch um Kleinigkeiten.

Sonderlob für Felix Budde

Durch den Abgang von Wojtek Kosecki war in der Abwehr eine Lücke entstanden. Nach 15 Spielen stellt Tengern mit 16 Gegentoren dennoch die beste Defensive der Liga. Sind Sie überrascht?

Hebestreit: Wojo Kosecki ist ein überragender Abwehr-Organisator in der Liga, deswegen konnten wir das so nicht erahnen. Vor allem nicht, dass mit Felix Budde ein Spieler diese Rolle auf seine Art herausragend interpretiert. Man muss dabei bedenken, dass er erst 20 Jahre alt ist und zuvor eineinhalb Jahre kein Spiel über 90 Minuten bestritten hatte. Er hat eine gute Antizipation, weiß, wann er aus der Kette heraustreten darf, und er kommt fast ohne Fouls aus. Zusammen mit Nico Gerfen und Jan Stühmeier funktioniert es sehr gut. Mit einer Dreierkette in dieser Konstellation haben wir kein Spiel verloren.

Sind Waldemar Jurez und Richard Urban die beiden anderen Zugänge, die am besten eingeschlagen haben?

Hebestreit: Für Waldi Jurez haben wir mittlerweile die Position gefunden, seine zehn Tore sind ein guter Wert. Bei ihm ist mir nun noch seine Präsenz wichtig. Manchmal geht er mir noch zu sehr unter. Richard Urban sehe ich auf jeden Fall als Gewinn für uns. Er ist unser torgefährlicher Dauerläufer. Allgemein können aber alle Neuen sicherlich noch etwas draufpacken, ich habe keinen bei 100 Prozent gesehen.

Abschied gut für alle Seiten

Für Sie folgt das letzte Halbjahr in Tengern. Ist der Abschied der richtige Schritt?

Hebestreit: Er fällt mir schwer, weil das Herz schon so eine leichte Kleeblatt-Form bekommen hat. Manchmal muss man sich aber auch trennen, um neue Erfahrungen zu sammeln. Der Schritt ist daher für alle Seiten gut.

Womit wollen Sie sich persönlich aus Tengern verabschieden?

Hebestreit: Am liebsten mit dem besten Abschneiden unter meiner Regie. Generell möchte ich noch den einen oder anderen Spieler weiterbringen und die Konstanz weiterführen, um am Ende eine absolute Topplatzierung hinzulegen.

Wie sehen Ihre Planungen für die Zeit danach aus?

Hebestreit: Ich habe Anfragen erhalten, werde Gespräche aber erst jetzt im Januar führen. Das Projekt ist mir dabei wichtiger als die Spielklasse. Es muss einfach das Gesamtpaket mit Verein, Mannschaft, Umfeld und Trainingsmöglichkeiten stimmig sein.

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