Indischer Pastor aus Borgentreich spielt beim 1. FC Bühne in der Badminton-Kreisklasse Mit dem Vikar an die Tabellenspitze

Bühne (WB). Douglas Peter Cheruvathoor hat den Ball genau im Blick. Zwei schnelle Schritte, ein platzierter Schlag und der Punkt gehört ihm. Vielen Borgentreichern ist er als »Vikar Douglas« bekannt, mit dem 1. FC Bühne ist der Inder Spitzenreiter der Badminton-Kreisklasse Paderborn.

Von Sylvia Rasche
»Konzentration ist beim Badminton wichtig«, sagt  Douglas Peter Cheruvathoor. Er hat bisher alle drei Einzel und drei Doppel in dieser Saison für 1. FC Bühne gewonnen.
»Konzentration ist beim Badminton wichtig«, sagt Douglas Peter Cheruvathoor. Er hat bisher alle drei Einzel und drei Doppel in dieser Saison für 1. FC Bühne gewonnen. Foto: Sylvia Rasche

Erst seit knapp zwei Jahren lebt Cheruvathoor in Deutschland, kam  Ende November 2014 als Vikar in den Pastoralverbund Borgentreicher Land und hat sich schnell eingelebt. Seine Vereinskollegen des 1. FC Bühne beschreiben den 42-Jährigen als »sehr umgänglich, freundlich  und bescheiden«.

Spielstark ist er noch dazu. Seit er für die Bühner aufschlägt, steht das Team an der Tabellenspitze. Vikar Douglas hat in den bisherigen Meisterschaftsspielen noch keine Partie im Einzel oder Doppel  verloren. »Er ist in jeder Hinsicht eine echte Bereicherung für unsere Mannschaft«,  sagt Ivan Jakings, der die Badminton-Abteilung beim 1. FC Bühne aufgebaut hat. »In der Rückrunde  melden wir ihn an Position eins«, blickt Mannschaftsführer Olaf Drephal voraus.

Badminton ist in Indien ein Volkssport. »Ich war sehr erstaunt, dass ich in Deutschland auch die Möglichkeit habe, Badminton zu spielen. Das hatte ich so gar nicht erwartet«, freut sich Douglas Peter Cheruvathoor. Einmal in der Woche trainiert er beim 1. FC Bühne, ab und zu auch in der Hobbygruppe des VfR Borgentreich.

»Am Wochenende habe ich natürlich sehr wenig Zeit«

Die Meisterschaftsspiele waren bisher alle an Wochentagen – und damit für den Vikar kein Problem. »Am Wochenende habe ich natürlich sehr wenig Zeit«, sagt   Cheruvathoor. Badminton ist für ihn eine reine Konzentrationssache. »Der Kopf ist wichtig. Wenn ich nicht spiele, gucke ich mir die Spiele der anderen an und beobachte sie  genau. Wenn ich erkenne, warum sie einen Fehler gemacht haben, kann ich ihn vielleicht in meinem Spiel vermeiden«, geht er analytisch an die Sache heran.  Dabei hat er erst im Alter von  29 Jahren  mit dem schnellen Sport begonnen. In seiner Kindheit spielte er in Indien Fußball. »Im Priesterseminar haben wir eine Art Badminton gespielt. Der Schläger war etwas anders und der Ball noch leichter. Da habe ich Spaß daran gefunden und nach der Priesterweihe auch Meisterschaftsspiele in Indien bestritten«, berichtet der 42-Jährige.

Obwohl er erst vergleichsweise kurze Zeit in Deutschland lebt, spricht er die Sprache sehr gut. »Ich kann mich gut konzentrieren. Das hilft  auch bei einer neuen Sprache.« Allerdings müsse er noch viel lernen, meint der Geistliche – und nennt auch gleich ein naheliegendes  Beispiel. In Indien habe er seine    Predigten nie vom Blatt abgelesen, sondern stets frei gehalten. »Das kann ich hier noch nicht. Ich schreibe mir immer alles auf.«

Seine Familie, inklusive fünf Geschwister, lebt   in Indien. Etwa einmal im Jahr fährt er nach Hause. Dieses Jahr hat es mit einem Besuch noch nicht geklappt. »Ich fahre aber im Januar. Meine Mutter freut sich schon«, sagt Cheruvathoor. Dass er  einmal in Deutschland leben würde, war eigentlich  nicht geplant. »Mein Bischof hatte mich schon einmal gefragt. Da habe ich abgelehnt, weil ich gerne in Indien arbeiten wollte. Als er ein paar Jahr später noch einmal fragte, habe ich zugestimmt. Das ist eben meine Berufung«, sagt der Vikar, der sogar den Kreis Höxter schon  vor seinem Umzug nach Deutschland  kannte. Auf einer Europareise 2008 besuchte er einen befreundeten Pfarrer in Sandebeck – und ahnte damals nicht, dass er schon einige Jahre später hier selbst leben würde. In Borgholz hat er das Pfarrhaus direkt neben der Kirche bezogen und fühlt sich dort wohl. Im eigenen Garten hinter dem Haus baut er   Gemüse an und verarbeitet er anschließend in der Küche.  »Ich bin froh, dass ich auf dem Land und nicht in der Großstadt gelandet bin. Das wäre nicht meine Welt.«

Unterschiede sind groß

 
Sein Tätigkeitsbereich im Pastoralverbund umfasst alle zehn Ortsteile. Am Anfang war das ein Problem. »Ich habe keinen guten Orientierungssinn und bin in den ersten Wochen mit dem Navi zur Kirche gefahren«, erinnert er sich lachend. Inzwischen sind ihm die Wege in und um Borgentreich allerdings vertraut.  Das Navi braucht er nicht mehr.

Die Unterschiede seien schon sehr groß, sagt Douglas Peter Cheruvathoor. »In Indien werden viele Dinge spontan geregelt, hier muss ist erst für alles Termine machen. Aber daran habe ich mich schon ein bisschen gewöhnt«, schmunzelt er.

Seinen nächsten Termin in der Badminton-Kreisklasse hat er am kommenden Mittwoch beim Spitzenspiel in Bad Lippspringe.  Mit seiner Unterstützung will der 1. FC Bühne auch diese Partie gewinnen und die Zeit an der Tabellenspitze noch ein bisschen auskosten.

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