Schiedsrichterobmann Marcel Rehermann über die neuen Fußball-Regeln »Durch Futsal soll es mehr Fairplay in der Halle geben«

Kreis Höxter (güs). Neuer Ball, neue Regeln – beim Hallenfußball wird jetzt auch im Sportkreis Höxter nach den so genannten Futsal-Light-Regeln gespielt. »Alle müssen sich daran halten. Es kann nicht sein, dass jeder Verein seine eigenen, abgewandelten Regeln aufstellt«, betont Kreisschiedsrichterobmann Marcelim Gespräch mit WESTFALEN-BLATT-Redakteur Günter.

Schiedsrichter-Lehrwartin Jessica Hildebrandt hält im Kreissportheim in Bad Driburg einen neuen Futsal-Ball in den Händen, mit denen bei den Hallenkreismeisterschaften gespielt wird. Sie sind kleiner, schwerer und springen nicht so hoch. Sie plumpsen wie ein Medizinball auf den Boden, beschreibt Marcel Rehermann. Der Vorsitzende des Kreisschiedsrichter-Ausschusses präsentiert einen der alten Bälle.
Schiedsrichter-Lehrwartin Jessica Hildebrandt hält im Kreissportheim in Bad Driburg einen neuen Futsal-Ball in den Händen, mit denen bei den Hallenkreismeisterschaften gespielt wird. Sie sind kleiner, schwerer und springen nicht so hoch. Sie plumpsen wie ein Medizinball auf den Boden, beschreibt Marcel Rehermann. Der Vorsitzende des Kreisschiedsrichter-Ausschusses präsentiert einen der alten Bälle.

Herr Rehermann, bei den Hallenkreismeisterschaften und bei Vereinsturnieren gelten jetzt die Futsal-Light-Regeln. Welches sind die wichtigsten.Marcel Rehermann:Das sind die Vier-Sekunden-Regel bei der Spielfortsetzung, die Netto-Spielzeit in der letzten Spielminute, das Grätsch-Verbot und das Einkicken statt Einrollen des Balles an der Seitenlinie, wo der Ball unter die Decke ging. Hier gibt es also keinen Freistoß mehr von der Mittellinie aus.

Beschreiben Sie bitte die Vier-Sekunden-Regel und das Stichwort Netto-Spielzeit etwas genauer.Marcel Rehermann:Bei der Vier-Sekunden-Regel ist es so, dass die Spielfortsetzung innerhalb von vier Sekunden erfolgen muss. Die Zeit läuft erst dann, wenn es der betreffenden Mannschaft auch möglich ist. Fliegt der Ball zum Beispiel auf die Tribüne, muss er natürlich erst wieder zurück sein. Die Netto-Spielzeit bedeutet, dass in der letzten Minute bei jeder Unterbrechung die Zeit angehalten wird. Hier gilt die reine Spielzeit. Mit diesen Futsal-Regeln wird die Spielgeschwindigkeit beschleunigt. Durch das Grätsch-Verbot wird die Verletzungsgefahr reduziert. Hiermit entsprechen die Futsal-Regeln sogar größtenteils Wünschen der Vereine.

Dennoch gab es im Vorfeld Murren und Einwände.Marcel Rehermann:Alles was neu ist, wird erst einmal genau unter die Lupe genommen und auch entsprechend kritisiert und kommentiert. Da im Fußball alle mit Herz bei der Sache sind, ist es mitunter um so leidenschaftlicher.

Das klingt recht gelassen. Den Vereinen haben Sie in einem deutlich schärferen Ton mitgeteilt, dass die neuen Hallenregeln verbindlich sind und umgesetzt werden müssen. Für den Fall, dass dies nicht geschieht, drohen Sie sogar damit, dass die Schiedsrichter die Spielleitung nicht übernehmen und abreisen.Marcel Rehermann:An die neuen Futsal-Light-Regeln haben sich alle zu halten. Es kann nicht sein, dass jeder Verein bei seinem Turnier seine eigenen, abgewandelten Regeln aufstellt. Wir können auch nicht einfach sonntags auf den Sportplatz gehen und der Heimverein meint, heute wird ohne Abseits gespielt.

Wie lange gelten die neuen Hallenfußball-Regeln?Marcel Rehermann:Die Änderungen in diesem Jahr sind eine Umstellung auf die Futsal-Regeln. Damit der Schritt nicht zu groß ist, wurden die Futsal-Light Regeln für die Hallensaison 2014/2015 veröffentlicht. Ab dem 1. Juli 2015 ist Futsal laut Deutschem-Fußball-Bund Pflicht. Das heißt also, dass ab der nächsten Hallensaison ausnahmslos die Futsal-Regeln gelten.

Was ist das Besondere an Futsal?Marcel Rehermann:Es ist Hallenfußball orientiert, die Schnelligkeit des Spieles wird auch ohne Bande erhöht. Eine weitere Besonderheit ist, dass Fouls hier als Mannschaftsfouls gezählt werden. Das gilt aber im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen erst ab dem Winter 2015/2016. In Hessen zum Beispiel wird schon nach den kompletten Futsal-Regeln gespielt. Ab dem fünften Mannschaftsfoul pro Halbzeit bekommt der Gegner für jedes weitere Foul des anderen Teams einen direkten Freistoß ohne Mauer. Der Ball kann dabei auf die Zehn-Meter-Markierung vorgelegt und so eine strafstoßähnliche Situation geschaffen werden. Wie gesagt, gilt dies jetzt bei uns noch nicht. Insgesamt soll es durch Futsal mehr Fairplay in der Halle geben.

Wann wurden die heimischen Schiedsrichter geschult? Und wie waren ihre Reaktionen?Marcel Rehermann:Unsere Lehrwarte wurden im Herbst vom Verband auf die neuen Regeln vorbereitet. Sie haben unsere Schiedsrichter im Kreis Höxter dann im November eingehend geschult. Die Reaktionen waren auch hier – wie in den Vereinen – unterschiedlich. Nicht alle Punkte fanden Zustimmung, dennoch sind die Schiedsrichter für die Umsetzung der vorgegebenen Regeln verantwortlich.

Der Sportkreis Höxter hat die neuen, sprungreduzierten Futsal-Bälle angeschafft. Bei welchen Turnieren wird damit gespielt?Marcel Rehermann:Bei den Hallenkreismeisterschaften der Junioren und Senioren müssen diese Futsal-Bälle bereits eingesetzt werden. Bei Vereinsturnieren wird es den Vereinen noch überlassen, ob sie mit herkömmlichen Bällen oder mit Futsal-Bällen spielen lassen. Viele Vereine haben diese Bälle für künftige Turniere aber bereits bestellt oder gekauft.

Beim Futsal soll auf Handballtore gespielt werden, die gibt es aber nicht in allen Sporthallen im Kreis. Vor einigen Jahren wurden die 2 mal 5-Meter-Tore angeschafft, weil das Spiel so attraktiver wäre. Was nun?Marcel Rehermann:Die Futsal-Regel sieht nun einmal im FLVW ab dem nächsten Winter die kleinen Handballtore vor. Schließlich ist auch der Ball kleiner und hat nicht mehr die Sprungwirkung. Demnach muss die Torgröße auch reduziert werden.

Die Hallen und Tore gehören den Städten. Hat der Vorstand des Sportkreises schon Gespräche geführt, ob Kommunen bereit sind, neue Tore anzuschaffen?Marcel Rehermann:Soweit ich weiß, sind hier bislang noch keine Gespräche geführt worden.

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