Kickerinnen des Westfalenligisten SV Ottbergen können weiterhin auf Ex-Trainer zählen »Bin keine Marionette«

Ottbergen/Bruchhausen(WB). Die Enttäuschung bleibt. Die Erleichterung hat bei Reinhard Bobbert nach seinem Rücktritt trotzdem Einzug gehalten. Insbesondere von einem Verantwortlichen beim Frauen-Fußball-Westfalenligisten SV Ottbergen/Bruchhausen distanziert sich der 46-Jährige.

Von Jürgen Drüke
Vom Trainer zum Fan: Reinhard Bobbert drückt Leonie Holtemeyer, die sich derzeit in Norwegen befindet, und Co. die Daumen.
Vom Trainer zum Fan: Reinhard Bobbert drückt Leonie Holtemeyer, die sich derzeit in Norwegen befindet, und Co. die Daumen. Foto: Michael Risse

»Nach den zahlreichen Gesprächen mit Vorstandsherren in der vergangenen Woche musste ich die Reißleine ziehen«, sagte der ­Siddessener. »Mir wurden Vorschriften gemacht – unter anderem auch in Sachen Training.« Bobbert sah sich kontrolliert und sich am vergangenen Freitag vor der Abschluss-Übungseinheit bestätigt: »Der Vorstand hatte vorgeschlagen, dass ich ein Gespräch mit unserer Spielerin Jatta Aalto führen sollte. Dazu war ich auch bereit. Dieses war allerdings unter vier Augen vorgesehen. Das war meine Bedingung gewesen.«

Mädchen haben Glück gewünscht

Am Freitagabend sei dann doch ein Vorstandsmitglied aufgetaucht, um bei der Unterredung zumindest zugegen zu sein. »Das konnte ich nicht mehr hinnehmen«, fühlte Bobbert seine Autorität in Frage gestellt und untergraben. Es habe insbesondere zuletzt Probleme mit dem Obmann gegeben. »Nach den vergangenen Wochen bin ich jetzt erleichtert. Meine Entscheidung hat überhaupt nichts mit den Mädchen zu tun. Sie haben sich top verhalten. Die Chemie zwischen uns hat immer gestimmt. Einige Akteurinnen haben Tränen in den Augen gehabt, als ich mich verabschiedet habe. Ich bin allerdings keine Marionette eines Fußball-Obmanns im Verein«, führte der Übungsleiter aus. »Fast alle Spielerinnen haben mir inzwischen Nachrichten geschickt und mir Glück gewünscht.«

Im vergangenen Sommer ist Reinhard Bobbert mit dem jungen Team in die Westfalenliga aufgestiegen. »Wir haben in der neuen Liga eine gute Hinrunde gespielt. Allerdings war der Substanzverlust nicht zuletzt aufgrund der Abgänge und verletzten Spielerinnen sowie der vorhergehenden kräftezehrenden Spielzeit groß.«

Nach der Winterpause gab es einige Rückschläge. Die Mannschaft näherte sich in der Tabelle der gefährdeten Zone an. »Die Verantwortlichen beim SV Ottbergen/Bruchhausen wollen unbedingt in der Westfalenliga bleiben. Das wollten wir alle. Allerdings sollte dabei das Miteinander und der ­faire Umgang nicht auf der Strecke bleiben«, betont der Coach. Jatta Aalto, die ehemalige U23-Nationalspielerin Finnlands, ist nach der Winterpause zum Kader gestoßen. »Die Ergebnisse mit Beginn der Rückrunde waren dann allerdings nicht so wie erhofft. Das hat zusätzlichen Druck ausgelöst«, erklärte Bobbert.

Für den Coach, der vor seinem Engagement beim SV Ottbergen/Bruchhausen ab Frühherbst 2014 unter anderem die Seniorenkicker seines Heimatvereins FC Siddessen trainiert hat, sollte bei allem sportlichen Ehrgeiz auch der Spaß eine Rolle spielen. »Wir sind alle Amateure. Natürlich wollen wir auch siegen und erfolgreich sein. Der ergibt sich auch über die Nachwuchsförderung. Die betreibt der SV Ottbergen/Bruchhausen. Die Talente kommen zumeist aus eigenen Reihen und das ist löblich. Diesen Kurs sollte der Verein beibehalten«, mahnt Bobbert.

Jatta Aalto als Spielertrainerin und Kathrin Föckel (wir berichteten) führen nun Regie. Die erste Partie unter dem neuen Duo hat das Team nach guter Leistung 0:1 gegen Tabellenführer Hauenhorst verloren. »Den Spielerinnen drücke ich fest die Daumen, dass sie es schaffen«, bleibt Bobbert gerne Fan der Mannschaft. Jörg Bauer, Betreuer des Frauenteams, lobt er zudem: »Jörg hat immer zu mir gestanden.«

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