Fußball: Benjamin H. legt Vorsitz beim Herforder SV nieder Von Vergangenheit eingeholt: Rücktritt nach zehn Tagen

Herford (WB). Nur zehn Tage nach seiner Wahl ist der neue Vorsitzende des Herforder SV am Freitag zurückgetreten. Anlass waren offenbar WESTFALEN-BLATT-Recherchen zu seiner Vergangenheit.

Von Christian Althoff, Lars Krückemeyer und Klaus Münstermann
Kurze Amtszeit: Benjamin H. ist seit Freitag nicht mehr Vorsitzender des Herforder SV. Der 35-Jährige erklärte dem Vorstand zehn Tage nach der Wahl seinen Rücktritt.
Kurze Amtszeit: Benjamin H. ist seit Freitag nicht mehr Vorsitzender des Herforder SV. Der 35-Jährige erklärte dem Vorstand zehn Tage nach der Wahl seinen Rücktritt. Foto: Lars Krückemeyer

Der Lemgoer hatte sich den Vereinsmitgliedern des Mädchen- und Frauenfußballvereins als »Dr. Benjamin H.« präsentiert und am 20. Februar das Vertrauen für die nächsten zwei Jahre bekommen. Er gab unter anderem an, er sei promovierter Betriebswirtschaftler, habe als Fotomodel, unter anderem für Joop, H&M und O2 gearbeitet und bei Borussia Dortmund (A-Jugend und 2. Mannschaft) gespielt.

Recherchen brachten nun Vorgänge ans Tageslicht, die der neue Vereinsvorsitzende bei seiner Vorstellung gegenüber dem Herforder SV verschwiegen hatte. »Der Mann ist bei der Detmolder Justiz kein Unbekannter«, sagte Oberstaatsanwalt Christopher Imig. Zuletzt wurde H. im November 2017 vom Amtsgericht Lemgo zu einer Haftstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dr.-Titel aus Kirgisistan

Nachdem das WESTFALEN-BLATT den 35-Jährigen am Freitag mit seinem Vorleben konfrontierte, informierte H. den Vorstand sowie die Medien von seinem Rücktritt. »Meine Vergangenheit hat mich eingeholt, und ich möchte Schaden vom Verein abwenden«, sagte er. Er selbst sprach von einer Verurteilung »wegen Bankrotts und Insolvenzverschleppung«.

Zu Gerüchten, sein Dr.-Titel sei nicht echt, sagte H., er habe den Titel an einer Universität in Kirgisistan erworben. »Der ist nicht gekauft.« Auf weitere Nachfragen räumte H. dann aber ein, es handele sich um einen »Dr. h.c.«.

BVB kennt H. nicht

Zweifel gibt es aber auch an anderen Angaben im Lebenslauf. Jens Volke, Sprecher bei Borussia Dortmund, erklärte, man könne den Namen Benjamin H. nicht in den Vereinsunterlagen finden. »In den Archiven unserer damaligen A-Jugend aus den Jahren 1999 bis 2001 taucht er nicht auf.

Auch unser Sportlicher Leiter, der seit Jahren für die zweite Mannschaft verantwortlich ist und vorher lange Trainer, bzw. Co-Trainer war, kennt diesen Namen nicht. Es spricht also relativ wenig dafür, dass er jemals für Borussia Dortmund gespielt hat.«

Kurzes Gastspiel beim TBV Lemgo

Dies alles lässt auch das kurze Gastspiel von Benjamin H. beim TBV Lemgo Anfang 2017 in neuem Licht erscheinen. Im Februar hatten sich der Verein und der neue Trainer nach wenigen Tagen wieder getrennt – offiziell hieß es, Benjamin H. gehe aus beruflichen Gründen.

Bei den Verantwortlichen des Herforder SV ist die Enttäuschung riesig: »Er war für uns ein Hoffnungsträger, hat sich so in die Sonne gestellt«, sagte Dirk Heitlindemann am Freitagabend. Der Schatzmeister räumte ein, dass dem Verein in dieser Woche »Warnhinweise« über den Lebenslauf von Benjamin H. zugespielt worden seien. »Wir haben ihn dann um ein klärendes Gespräch gebeten. Er war unter anderem angetreten, um die Außendarstellung des Vereins zu verbessern. Das ist jetzt natürlich gerade nicht der Fall. Für uns bedeutet sein Rücktritt ein Ende mit Schrecken«, fasste Dirk Heitlindemann die Ereignisse zusammen.

Wie und wann der nun wieder vakante Posten des Vorsitzenden beim Herforder SV wieder besetzt werden soll, ist noch völlig offen. Mit dem ebenfalls am 20. Februar in der Jahreshauptversammlung gewählten Sven Kleinedöpke steht ein 2. Vorsitzender zur Verfügung. Auch alle weiteren Posten wurden besetzt, so dass der Vorstand des Vereins auf jeden Fall handlungsfähig sein sollte.

Kommentar von Lars Krückemeyer

Nach nicht einmal zwei Wochen Amtszeit ist Benjamin H. als Vorsitzender des Herforder SV zurückgetreten. Er dürfte seinem Rauswurf zuvorgekommen sein. Denn insbesondere für einen Verein, der die Jugendarbeit als sein höchstes Gut versteht, wäre er an der Spitze untragbar gewesen.

Man kann es sich nun leicht machen, mit dem Finger auf Benjamin H. zeigen und von einem raschen Ende mit Schrecken sprechen. Fakt ist aber auch: Vorstand und Mitglieder des Vereins haben ihm in der Jahreshauptversammlung blindlings das Vertrauen ausgesprochen und ohne Nachfragen gewählt.

Das mag der Erleichterung geschuldet gewesen sein, einen Erfolg versprechenden, dynamischen Vorsitzenden gefunden zu haben. H. übernahm den Verein im Handstreich mit vollmundigen Sprüchen. Man hat es ihm denkbar leicht gemacht.

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