Fußball-Regionalliga: SV Rödinghausen bestätigt Trainer-Trennung nicht Ermisch vor der Entlassung

Rödinghausen (WB). Die Zeichen stehen auf Trennung: Fußball-Regionalligist SV Rödinghausen plant nach Informationen dieser Zeitung offenbar, Trainer Mario Ermisch von seinen Aufgaben zu entbinden. Seine Entlassung wäre eine Reaktion auf die anhaltende sportliche Talfahrt. Bereits am Montagabend soll Jugendleiter Tim Daseking das Training geleitet haben.

Von Sebastian Picht
Cheftrainer Mario Ermisch steht bei Fußball-Regionalligist SV Rödinghausen offenbar nicht mehr länger an der Seitenlinie.
Cheftrainer Mario Ermisch steht bei Fußball-Regionalligist SV Rödinghausen offenbar nicht mehr länger an der Seitenlinie. Foto: Gerrit Nolte

Rödinghausen ist im Laufe der Saison von Platz eins auf Rang 13 abgestürzt, schwebt in akuter Abstiegsgefahr und hat in 2016 erst ein Spiel gewonnen. Erst im März hatte sich der Verein nach nicht einmal einem Jahr vom Sportlichen Leiter Stefan Grädler getrennt, der am Freitag beim 2:2 im OWL-Derby in Wiedenbrück auf der Tribüne zu Gast war. Durch Grädlers Entlassung war Ermischs Machtposition im Verein faktisch noch gestärkt worden – doch nun droht nach nur einem Sieg aus den letzten elf Spielen das Aus.

Offiziell bestätigen will es noch niemand, die Anzeichen verdichten sich aber, dass Ermisch im Saisonfinale seinen Hut nehmen muss. Nach Informationen dieser Zeitung geht die Tendenz in der Führungsebene zumindest in Richtung Entlassung.

Vereinsführung: Keine Entscheidung gefallen

Und Geschäftsführer Alexander Müller teilte am Montagabend auf Anfrage der BÜNDER ZEITUNG vielsagend mit: »Natürlich hinterfragen wir die Situation. Stand jetzt ist aber noch keine Entscheidung gefallen. Wir versuchen uns so aufzustellen, dass wir den Klassenverbleib schaffen.« Ein Bekenntnis zum Trainer hört sich anders an. Ermisch war am Abend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Noch am Sonntag hatte er sich die 0:1-Niederlage der A-Jugend des Vereins in der Westfalenliga beim SC Paderborn angesehen. Sollte sich der Verein für eine Trennung entscheiden, könnte am Samstag im eminent wichtigen Heimspiel gegen den Kellerrivalen 1. FC Köln II Jugendleiter Tim Daseking auf der Bank sitzen. Er ist A-Lizenz-Inhaber.

Bislang war es mit dem SV Rödinghausen unter Ermisch stets steil bergauf gegangen. 2011 hatte der 57-Jährige den SV Rödinghausen als Nachfolger von Karl-Friedrich Wessel als Landesligist übernommen. Ermisch gelangen mit dem SVR drei Aufstiege in Folge bis in die Regionalliga. Dort etablierte Ermisch die Mannschaft im ersten Jahr und belegte auf Anhieb einen achtbaren achten Platz.

Mit Ermisch ging es vier Jahre bergauf

Der Bielefelder Rechtsanwalt hatte in seiner fast fünfjährigen Amtszeit nicht nur als Trainer gewirkt, sondern auch Aufbauarbeit geleistet, den Verein auf eine professionellere Basis zu stellen.

Zuletzt war der oft streitbare Ermisch nicht mehr unumstritten im Verein. Nach dem 1:5-Debakel gegen Borussia Dortmund II wurden von der Tribüne des Wiehenstadions erste Ermisch-Raus-Rufe laut. Das hatte es in den fünf Jahren zuvor noch nie gegeben. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel begründete Ermisch die vermeintliche sportliche Talfahrt auch mit übersteigerter Erwartungshaltung im Umfeld.

Dorfverein in der Regionalliga

Seine Meinung: Der Verein verkaufe sich im Rahmen seiner Möglichkeiten mehr als gut und im Vergleich mit der seiner Ansicht nach finanzkräftigeren Konkurrenz sei es völlig normal, dass Rödinghausen im Mittelfeld zu finden ist. Der Trainer sprach in der denkwürdigen Pressekonferenz von – nicht näher definierten – Brandstiftern im eigenen Verein. Viele Beobachter hatten den geschassten Sportlichen Leiter Stefan Grädler als Adressaten ausgemacht. Der hatte Rödinghausen offenkundig noch höher hinaus bringen wollen.

Ermisch dagegen sprach davon, dass der Verein gut in der Regionalliga aufgehoben sei. Wenn er das tat, dann erwähnte er auch immer den Charme, den es habe, Regionalliga auf dem Dorf anzubieten.

Seit Mario Ermisch sein Amt beim SV Rödinghausen angetreten hatte, schwebte stets auch der Name Maik Walpurgis über dem Wiehenstadion. Der wäre – zumindest theoretisch – als potenzieller Nachfolger verfügbar. Walpurgis war 2015 beim Drittligisten VfL Osnabrück entlassen worden und besuchte Sponsor Horst Finkemeier vor einigen Jahren des Öfteren im Stadion.

Finkemeier hatte damals auch Walpurgis‘ Ex-Club SF Lotte als Trikotsponsor unter die Arme gegriffen. Andreas Golombek, Trainer des Regionalligisten SC Verl, wird ebenfalls oft mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Er hat an der Poststraße aber noch einen Vertrag bis 2017.

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