Handball: Nachbarvereine sehen SF Loxtens neue Möglichkeiten teilweise kritisch Welge bleibt – Steinlechner kommt

Versmold-Loxten (WB). Zwei Punkte für das 24:18 gegen TuS 97 Bi.-Jöllenbeck sowie eine Million Euro als Einlagekapital der Klaus-Peter-Reinert-Stiftung gab es am Wochenende für die Sportfreunde Loxten - und dazu gesellen sich weitere po­sitive Nachrichten: Torwart Pascal Welge bleibt dem Handball-Oberligisten auch kommende Saison erhalten, Jasper Steinlechner (TG Hörste) hat als Neuzugang zugesagt.

Von Gunnar Feicht und Sören Voss
Einer der Besten der Liga: Pascal Welge will auch in der kommenden Saison das Loxtener Oberliga-Tor hüten.
Einer der Besten der Liga: Pascal Welge will auch in der kommenden Saison das Loxtener Oberliga-Tor hüten. Foto: Sören Voss

Truppe mit viel Potenzial

Pascal Welge verriet nach dem OWL-Derby auf Nachfrage: »Ich habe zugesagt. Welchen Aufwand ich betreiben kann, muss ich aber mal sehen.« Der Torwart, der am Samstag mit starken Paraden zu den Matchwinnern gehörte, will zeitlich etwas kürzer treten, »aber die Alternative wäre es gewesen aufzuhören - und darauf hatte ich auch noch keinen Bock«. Denn der 30-Jährige fühlt sich trotz der Anfahrt aus Bielefeld bei den Versmoldern wohl: »Die Truppe ist super und hat auch großes Potenzial. Leider sind wir noch ein bisschen eine launische Diva und müssen uns weiter festigen. Aber wir sind heimstark und auf die Spiele gegen Mennighüffen und Jöllenbeck lässt sich aufbauen.«

Der dritte Ex-Hörster

Die Perspektive in Loxten reizt auch Linksaußen Jasper Steinlechner . Der 22-Jährige soll ab Juni die Lücke schließen, die Thilo Stinhans mit seinem Wechsel zur Spvg. Versmold hinterlässt. Neben seinen Teamkollegen Max Schäper und Malte Weigel ist er kommende Saison der dritte Ex-Hörster im grünen Dress, gemeinsam haben sie die erfolgreichen Jugendteams der TG durchlaufen. »Die Möglichkeit, für Loxten in der vierthöchsten Liga zu spielen, hat mich begeistert. Die Tatsache, dass ich auf einige bekannte Gesichter treffen werde, hat mir die Entscheidung am Ende natürlich leichter gemacht«, wird Steinlechner in einer am Montagabend verbreiteten Pressemitteilung zitiert.

Die Rolle als Nummer zwei auf seiner Position nimmt er an: »In Timo Menger verfügt Loxten bereits über einen sehr guten Linksaußen. Für mich ein Ansporn, in den Trainingseinheiten zu lernen und mich weiter zu entwickeln.« Trainer Thomas Lay kennt den torgefährlichen Linksaußen bereits aus seiner Zeit bei TG Hörste: »Wir sind überzeugt, dass er sich schnell durchsetzen wird.«

Mächtig Bauchschmerzen«

Dass die Sportfreunde Loxten künftig mit den Erlösen aus der Klaus-Peter-Reinert-Stiftung wirtschaften können, löst bei den Nachbarvereinen unterschiedliche Reaktionen aus.

Thomas Wöstmann , Sportlicher Leiter beim Landesligisten TG Hörste, schlägt sehr kritische Töne an: »Ich habe mächtig Bauchschmerzen und zwar nicht aus Neid, sondern aus Sorge um die nachhaltige Jugendarbeit der kleineren Vereine. Der tut es mit Sicherheit nicht gut, wenn ein Verein mit dem großen Magneten über die Dörfer zieht. Ich halte die Loxtener Verantwortlichen zwar für seriös, aber ich glaube nicht, dass es nur um Zinsen und Rendite geht. Sonst hätte man die siebenstellige Zahl nicht so plakativ in den Raum gestellt. Ich bin überzeugt davon, dass das Geld eben doch in erster Linie in Halbprofisport fließen wird und nicht in die Gymnastikabteilung.«

»Ich bin zusammengezuckt«

Dirk Blankert , Sportlicher Leiter von Verbandsligist Spvg. Steinhagen, betrachtet die Situation differenzierter: »Wenn ein ›Mitbewerber‹ mit solchen Summen plakativ an die Öffentlichkeit tritt, zuckt man zunächst zusammen und beginnt zu grübeln, ob man im Wettbewerb um den einen oder andere Spieler noch in derselben Gewichtsklasse unterwegs ist. Aber letztlich muss man es sportlich nehmen und sich für den Verein freuen, dass er für die nächsten Jahre Planungssicherheit und ein gutes Fundement hat.«

Andreas Wehmöller , Vorstand Sport beim Landesligisten Spvg. Hesselteich, bleibt gelassen: »Über so einen Gönner würde sich jeder Verein freuen. Ich sehe das Projekt von unserer Warte nicht so kritisch. Denn wenn ein Spieler von uns das Zeug dazu hat, Oberliga zu spielen, dann wird er nach Loxten wechseln – auch ohne Reinert-Stiftung. Weil ich die Verantwortlichen im Vorstand des Vereins gut kenne, bin ich davon überzeugt, dass sie mit den neuen Möglichkeiten verantwortungsbewusst umgehen werden. In wieweit Gelder für die gemeinsame Jugendarbeit in der JSG Hesselteich/Loxten verwendet werden, ist noch nicht besprochen worden.«

»Ein schlafender Riese«

Unterdessen betont Andy Evers , SFL-Vorsitzender und Vorstandsmitglied der Reinert-Stiftung, dass die Sportfreunde Loxten nicht auf den schnellen Erfolg aus seien: »Uns geht es definitiv nicht darum, in zwei oder drei Jahren 3. Liga zu spielen. Das Stiftungskapital muss ja zunächst mal mindestens ein ganzes Jahr ›arbeiten‹, um Erlöse zu erwirtschaften, die dann in den Verein fließen. Der Etat für die kommende Oberliga-Saison ist ohne Zusammenhang mit der Stiftung bereits gesichert und profitiert davon noch nicht.«

Evers unterstreicht noch einmal dass der gesamte Verein, vor allem auch die eigene Jugendarbeit, profitieren soll: »Die Stiftung ist nicht dazu da, andere Vereine leer zu kaufen. Dass Sportfans aus dem gesamten Altkreis Halle jedoch guten Handball sehen wollen, lässt sich an unserer Zuschauerstruktur ablesen. Deshalb wollen wir langfristig ins obere Tabellendrittel vorstoßen. Und stehen dabei eben auch im Wettbewerb mit Vereinen wie TuS 97, Spenge oder Altenhagen-Heepen, die vielfach fertige Spieler holen.«

Heiko Holtmann , Trainer des Liga-Rivalen TuS Spenge, hat die Loxtener Entwicklung genau beobachtet und traut dem OWL-Nachbarn zu, dass er den Etablierten noch nachhaltiger auf die Pelle rückt: »Ich kenne die Verantwortlichen und glaube nicht, dass sie jetzt einkaufen gehen und sagen ›Wir wollen auf dem schnellsten Weg in die 2. Liga‹. Aber der Kreis Gütersloh mit seinen vielen Talenten ist ein schlafender Riese, da sitzt viel Potenzial. In zwei bis vier Jahren kann man absehen, was sich aus den neuen Möglichkeiten ergibt.«

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