André Kather aus Versmold meistert in Frankfurt die Triathlon-Langdistanz und träumt von Hawaii Ironman mit künstlicher Hüfte

Versmold (WB). 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,2 Kilometer Laufen – jeder Triathlet, der diese Distanzen meistert, hat Großes geleistet. André Kather hat beim Ironman in Frankfurt nach 11:12:12 Stunden das Ziel erreicht. Viele Teilnehmer sind schneller gewesen, und doch ist diese Leistung eine ganz Besondere: Der Versmolder hat seinen ersten Ironman mit einem künstlichen Hüftgelenk geschafft – welch’ ein Glücksgefühl im Ziel.

Von Stephan Arend
Geschafft: André Kather hat in Frankfurt nach 11:11:12 Stunden das Ziel erreicht.
Geschafft: André Kather hat in Frankfurt nach 11:11:12 Stunden das Ziel erreicht.

Vier Jahre zuvor ist Andrè Kather am Boden zerstört. Er, der leidenschaftliche Handballer, muss sein Hobby aufgeben. Die Hüfte plagt ihn schon seit seiner Jugendzeit, die Schulter-Verletzung bedeutet das endgültige Aus. Eine schwere Zeit, Kather zieht sich zurück, schaut auch nicht mehr bei den Spielen seines Teams zu: »Es tat damals einfach zu weh.«

Umso wichtiger ist eine neue (sportliche) Herausforderung: »Ich habe zwar regelmäßig Krankengymnastik gemacht, bin Rad gefahren und geschwommen. Doch ich wollte mich in einem Wettkampf beweisen.« Erste Erfahrungen bei einem Triathlon über die Volksdistanz liegen schon einige Jahre zurück. Doch ein ganz anderes Ziel nimmt langsam aber sicher Konturen an. André Kather will ein Ironman werden, so wie sein großes Vorbild Jan Frodeno. Der Triathlon-Olympia-Sieger von 2008 hat 2014 ebenfalls in Frankfurt seinen ersten Ironman absolviert und bereits ein Jahr später bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii triumphiert.

Ärzte machen Mut

Die Ärzte der Uni-Klinik Gießen sprechen ihrem Patienten Mut zu. »Man kann auch mit künstlicher Hüfte sportlich aktiv sein«, lautet ihre Botschaft, zumal ein neues Verfahren dafür sorgt, dass ein Hüftgelenk bis zu vier Mal im Leben ausgewechselt werden kann. André Kather dosiert die Belastung, seine starken Muskeln entlasten das Gelenk, die Ärzte führen regelmäßig Kontrollen durch, die Werte sind in Ordnung.

Und so beginnt der heute 32-Jährige 2014 damit, sich seinen Traum zu erfüllen, bereitet sich sich auf den ersten Ironman vor. Vor allem seine Frau Katja und Triathlet Tim Esselmann, der viele Tipps gibt, unterstützen ihn. »Beim Handball hat mir das Talent gefehlt, um in höheren Klassen zu spielen. Beim Triathlon kann man mit Ehrgeiz und Willen viel erreichen«, sagt Kather, der zum Beispiel zu seinem Arbeitsplatz bei der Firma Claas in Harsewinkel mit dem Rad fährt: »Ich habe dieses Jahr mehr Kilometer mit dem Rad als mit dem Auto zurückgelegt.«

Tränen schon vor dem Start

Und dennoch ist die Anspannung und Nervosität riesig, als André Kather in Frankfurt am Start steht: »Es sind Tränen geflossen, bevor es los ging«, erinnert sich der Versmolder an die Minuten vor seinem großen Wettkampf. Vor dem Schwimmen und Radfahren hat er weniger Respekt. Hält er aber den abschließenden Marathon durch? Der Mann mit dem Hammer meldet sich bei Kilometer 30. Doch Kather beißt sich durch: »Ich habe zu keiner Sekunden ans Aufgeben gedacht. Die Zuschauer waren unglaublich, haben mich immer wieder gepusht. Und außerdem sind Freunde von mir extra aus Versmold gekommen, um mich zu unterstützen.« So erreicht der Läufer mit dem künstlichen Hüftgelenk nach 11 Stunden, 12 Minuten und 12 Sekunden das Ziel, ist sogar mehr als 45 Minuten schneller als im Vorfeld erhofft.

Bereit für weitere Abenteuer

André Kather hat mehr erreicht als ein sportliches Ziel. Er ist mit sich im Reinen, guckt längst wieder bei den Spielen seiner alten Handball-Kumpel vorbei und plant die nächsten Triathlon-Abenteuer. »Zusammen mit Tim Esselmann will ich auf Lanzarote starten. Dieser Wettkampf gilt als »europäisches Hawaii.« Sich bei Wettkämpfen wie in Frankfurt für den »echten« Ironman Hawaii zu qualifizieren, ist für André Kather auch aufgrund der Einschränkung durch die Hüfte kaum möglich. Nur die besten Teilnehmer der verschiedenen Altersklassen schaffen das. Und dennoch will er seinen Traum leben, ist bereit, auch außerhalb Europas an den Start zu gehen: »Dort sind die Chancen auf ein Hawaii-Ticket oft größer.«

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