Reinert Open: Antonia Lottner gewinnt Finale nach Satzrückstand Die Größte hat den längsten Atem

Versmold (WB). Als erster Gratulantin fiel ihr ihre Mutter um den Hals, aber Antonia Lottner hätte gestern am liebsten die ganze Welt umarmt: Die 19-Jährige gewann völlig unerwartet das Endspiel der Reinert Open. Und die Gewissensbisse, die sie zuvor geplagt hatten, waren verflogen.

Von Gunnar Feicht
Strahlende Siegerin: Schon Antonia Lottners Vorstoß ins Finale war eine Sensation, der Triumph nach 0:5-Fehlstart erst recht.
Strahlende Siegerin: Schon Antonia Lottners Vorstoß ins Finale war eine Sensation, der Triumph nach 0:5-Fehlstart erst recht. Foto: Gunnar Feicht

Denn ihr Bundesligateam vom TEC Waldau Stuttgart, dem sie wegen des Sprungs ins Versmolder Finale im entscheidenden Abstiegsduell nicht helfen konnte, hat mit dem 7:1 im Abstiegsduell gegen Moers die Klasse gehalten. »Hoffentlich schaffen es die Mädels auch ohne mich«, hatte Lottner noch am Samstag nach ihrem ersten Überraschungscoup gegen die an zwei gesetzte Turnierfavoritin Sorana Cirstea gebangt. Was folgte, war ein perfekter Sonntag für die Junioren-Finalistin der French Open von 2013. Ein Sonntag, an dem sie sich nach dem Endspieltriumph gegen die ebenfalls ungesetzte Tschechin Tereza Smitkova nur noch einen Wunsch erfüllen wollte: »Nach Hause fahren und eine Pizza essen.«

Denn diesen Erfolg muss die gebürtige Düsseldorferin erst einmal selbst begreifen: Als Nummer 291 der WTA-Weltrangliste war sie als krasse Außenseiterin angereist: »Der Erfolg ist total überraschend. Ich bin hierher gekommen und habe mir gesagt: Ich trainiere weiter und nehme die Spiele als Matchtraining.« Die Dramaturgie ihrer Auftritte ab dem Viertelfinale hätte dann ein gewiefter Sportpsychologe als Mentaltraining nicht besser arrangieren können: Dreimal verlor sie den ersten Satz, dreimal kam sie zurück, brachte ihre zunächst so selbstbewusst und sicher auftrumpfenden Gegnerinnen aus dem Rhythmus und zwang sie mit ihrer starken Psyche in die Knie.

Das gelang ihr im Halbfinale nach 0:5-Rückstand gegen das Powertennis der Rumänin Cirstea, das gelang ihr in einem Endspiel, das von der Spannung lebte, auch beim 3:6/7:5/6:3 gegen die zwei Jahre ältere Tereza Smitkova. Die Tschechin, im April 2015 Nr. 57 in der Welt, hatte im zweiten Satz beim Stand von 5:4 und eigenem Aufschlag schon drei Matchbälle. Aber Lottner schlug mit zwei starken Aufschlag-Returns zurück, die Gegnerin haderte mit den verpassten Chancen, schlug zunehmend schlechter auf, verlor den Faden.

Als Antonia Lottner im vierten Spiel des Entscheidungssatzes die dritte Breakchance zum 3:1 nutzte, dann ihren Aufschlag »zu Null« zum 4:1 durchbrachte war das Match gelaufen. Die größte Spielerin (1,85 m Körperlänge) hatte auch den längsten Atem bewiesen. »Der Glaube an die eigene Stärke und der Wille waren ausschlaggebend. Ich habe einfach nie aufgegeben. Nachdem ich eine nicht so einfache Phase hinter mir habe, ist das eine tolle Bestätigung, die hoffentlich für die nächsten Turniere Auftrieb gibt«, wünscht sich die glückliche Siegerin.

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Toller Kommentar von Gunnar Feicht

Gratulation für den gelungenen Kommentar von Gunnar Feicht über die Reinert Open und vor allem über die sympatische Antonia Lottner

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