Fußball: Trainer Daniel Lichtsinn entwickelt und scoutet Talente – im richtigen Moment an der richtigen Stelle sein Auf dem Sprung in die Bundesliga

Steinhagen-Amshausen  (WB). Als Fußball-Spieler und Trainer hat Daniel Lichtsinn (31) viele Jahre beim TSV Amshausen verbracht. Der A-Lizenz-Inhaber hat danach die C-Jugend des VfL Theesen in die höchste deutsche Spielklasse geführt und ist in dieser Saison mit der A-Jugend des SV Rödinghausen auf dem Sprung in die Bundesliga. Im WB-Interview gibt Lichtsinn, der auch als Talentscout für Schalke 04 tätig ist, Einblicke in die Nachwuchssichtung.

Von Stephan Arend
Mir Rödinghausen auf Bundesliga-Kurs: Für Daniel Lichtsinn ist sein Trainer-Job dennoch »nur« ein Hobby auf hohem Niveau. Abhängig vom Fußball ist der Amshausener nicht: »Wahrscheinlich macht es mir gerade deshalb so viel Spaß.«
Mir Rödinghausen auf Bundesliga-Kurs: Für Daniel Lichtsinn ist sein Trainer-Job dennoch »nur« ein Hobby auf hohem Niveau. Abhängig vom Fußball ist der Amshausener nicht: »Wahrscheinlich macht es mir gerade deshalb so viel Spaß.« Foto: Klaus Münstermann

Verfolgen Sie als Amshausener Junge noch die Spiele des TSV?

Daniel Lichtsinn: Als Sören Voss noch Trainer beim TSV war, bin ich enger an der Mannschaft dran gewesen. Aber ich verfolge noch immer die Ergebnisse bzw. den Weg der Spieler und schaue mir manche Partien wie den Kantersieg gegen Werther II an. Tim Koske, Marcel Gehle, Marlon Wilhelmstroop, Marcel Hirschfeld, Nils Weber und René Giesler habe ich in Amshausen in der Jugend selbst trainiert. Mein Spielerpass liegt noch beim TSV. Ich habe mich schon informiert, dass die Ü32 dienstags um 20 Uhr trainiert.

Mit Theesens C-Jugend haben Sie in der Regionalliga, der höchsten Spielklasse, gegen den Nachwuchs von Schalke, Dortmund oder Leverkusen gespielt. Haben einige Talente der Gegner von damals den Sprung in den Profifußball geschafft.

Lichtsinn: Felix Passlack hat damals in der Dortmunder C-Jugend gespielt. Auch Kölns Salih Özcan oder Tim Handwerker, der damals noch bei Leverkusen gespielt hat, waren unsere Gegner. Letztes Jahr haben wir mit Rödinghausens A-Jugend beim Turnier in Stemwede 0:0 gegen Liverpool und Hamburg gespielt. Zum Aufgebot des HSV hat auch Jan-Fiete Arp gehört.

Und was ist aus den VfL-Talenten geworden?

Lichtsinn: Lukas Kunze, Fabian Kunze und Maximilian Hippe sind in Rödinghausen Stammspieler in der ersten Mannschaft, spielen also Regionalliga. Tim Mannek hatte einige Einsätze für Paderborn in der 3. Liga. Torwart Marvin Bobka ist mit Borussia Dortmund Deutscher B-Jugend-Meister geworden und zählt zum Rödinghausener Regionalliga-Kader. Mert Cingöz und Moritz Ilg spielen für Arminia II in der Oberliga, Mert war mit den Profis bereits im Trainingslager. Allan Dantas gehört zu Bielefelds Profikader, ist aktuell an Rödinghausen ausgeliehen. Andere spielen im Amateurbereich, manche gar nicht mehr.

Wer wird Profi, und wer schafft es nicht?

Lichtsinn: Talent haben auf diesem Niveau viele. Entscheidend ist die Bereitschaft, mehr für eine Profikarriere zu tun als andere und auch alterstypischen Störfaktoren aus dem Weg zu gehen. Fußballspezifisch musst du über mindestens eine Eigenschaft verfügen, die außergewöhnlich ist. Generell muss man auch das Glück haben, im richtigen Moment an der richtigen Stelle zu sein und gesund zu bleiben. Außerdem ist ein guter Draht zu den wichtigen Leuten im Verein goldwert. Spielerberater gewinnen immer mehr an Einfluss. Es kommt vor, dass große Agenturen junge Spieler nach oben puschen.

In der vergangenen Saison, sind Sie mit der A-Jugend des SV Rödinghausen Sechster in der Westfalenliga geworden. Stört es Sie, nach einem Tabellenplatz beurteilt zu werden?

Lichtsinn: In der Winterpause war die Situation sogar bedrohlich. Aber: Wir haben mehrere Spieler an unsere Seniorenteams abgestellt. Ein Fabian Kunze hat in der ganzen vergangenen Saison nur ein Spiel für die A-Jugend bestritten und schon Regionalliga gespielt. Insgesamt haben es fünf unserer U19-Spieler in den Kader der ersten Mannschaft geschafft. Die Entwicklung von Talenten für die erste und zweite Mannschaft ist der Auftrag des Vereins an den A-Jugendtrainer. Ich denke also, dass man trotz Platz sechs von einer erfolgreichen Saison sprechen kann.

Aktuell sind Sie mit Rödinghausens A-Jugend in der Westfalenliga Wintermeister, die Bundesliga winkt. Was ist in dieser Serie anders?

Lichtsinn: Wir haben in dieser Saison keine Mannschaften aus Nachwuchsleistungszentren als Gegner. Wir haben nicht so viele Spieler, die es auf Anhieb ins Regionalligateam schaffen. Unsere Führungsspieler, die Verantwortung übernehmen, wollen mit der U19 etwas erreichen und sich noch für den Herrenbereich empfehlen. Und die vielen Spieler des Jungjahrgangs haben das Ziel vor Augen, nächste Saison mit Rödinghausen in der A-Jugend-Bundesliga zu spielen.

Ist dem SVR der Aufstieg bei fünf Punkten Vorsprung auf den Rangzweiten SV Lippstadt überhaupt noch zu nehmen?

Lichtsinn: Wir haben die letzten vier Partien gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenhälfte mit nur einem Tor Vorsprung gewonnen. Wir müssen uns auf jeden Fall steigern, um den Vorsprung zu verteidigen. Außerdem hat zum Beispiel Lippstadt noch ein Spiel weniger und kann auf zwei Punkte verkürzen.

Was ändert sich im Falle des Bundesliga-Aufstiegs?

Lichtsinn: In der Bundesliga kommen die meisten Vereine aus Nachwuchsleistungszentren, dort arbeiten viele hauptamtlich. Es wird fünf bis sechs Mal in der Woche trainiert. Die Spieler sind nah dran, in den bezahlten Fußball zu kommen.

Muss sich dann nicht auch in Rödinghausen einiges ändern, um mitzuhalten?

Lichtsinn: Ich bin kein Freund davon, Spieler aus ganz Deutschland zusammen zu trommeln, um die Chancen zu erhöhen. Ich finde vielmehr, dass ein Verein seiner Philosophie treu bleiben sollte. Und die lautet in Rödinghausen: Junge Talente aus der Region an die erste Mannschaft heranführen. An dieser Idee ändert die Spielklasse nichts. Etwas anderes ist es, Kleinigkeiten zu verändern: Zum Beispiel eine zusätzliche Trainingseinheit absolvieren, die Gegnerbeobachtung intensivieren, oder vor Auswärtsspielen auf Rasen auch auf Rasen trainieren.

Würde es Sie reizen, ebenfalls hauptamtlich im Fußballgeschäft zu arbeiten?

Lichtsinn: Ich habe einen Fulltime-Job als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen bei der Sparkasse, der mir Spaß macht. Und ich habe einen Verein, bei dem abends trainiert wird. Das ist eine perfekte Situation. Ich betreibe mein Hobby auf hohem Niveau und bin nicht vom Fußball abhängig. Wahrscheinlich macht es mir gerade deshalb so viel Spaß.

Ist ein solches »Hobby« nicht extrem zeitaufwendig?

Lichtsinn: Meine Tätigkeit als A-Jugend-Coach in Rödinghausen ist ja keine One-Man-Show. Ich habe kompetente Leute, die mich unterstützen, wie meinen Co-Trainer. Die Geschäftsstelle übernimmt administrative Aufgaben, und bei der Kaderplanung hilft mir mein Netzwerk.

Apropos Netzwerk. Das nutzen Sie auch in Ihrer Funktion als Talentscout des FC Schalke 04. Was ist Ihre Aufgabe?

Lichtsinn: Meine Aufgabe ist es, in OWL die besten Talente zu kennen. Und zwar möglichst schon vor den U14-Sichtungsturnieren. Diese Spieler haben dann alle Klubs auf dem Schirm. Die Tendenz geht dahin, dass es immer früher losgeht.

Gibt es da keinen Interessen-Konflikt mit Rödinghausen?

Lichtsinn: Zunächst einmal befasse ich mich als Scout mit viel jüngeren Talenten als als A-Jugend-Trainer. Ich sehe aber ohnehin keinen Interessen-Konflikt. Schalke scoutet gerade im U19-Bereich weltweit und ist auf der Suche nach absoluten Spitzentalenten. Vielmehr würde ich von einer Win-Win-Situation sprechen. Wenn ich mir ein Jugend-Spiel anschaue, sind vielleicht vereinzelte Talente für Schalke interessant, andere für Rödinghausen. Und mich persönlich reizen Antworten auf folgende Fragen: Warum schafft es ein Spieler, Profi zu werden und was waren dafür seine entscheidenden Fähigkeiten?

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