Schiedsrichter Luca Maurer (18) aus Steinhagen ist auf dem Sprung in die Bezirksliga Der Jüngste auf dem Platz entscheidet

Steinhagen (WB). Wenn Luca Maurer den Fußballplatz betritt, ist der 18-jährige in den allermeisten Fällen der jüngste Akteur auf dem Feld. Daher kann man ihn durchaus als großes Talent bezeichnen. Das Besondere aber: Der Steinhagener ist weder Torwart noch Verteidiger oder Stürmer, sondern Woche für Woche ganz auf sich alleine gestellt. Luca ist nämlich Schiedsrichter.

Von Jens Horstmann
Schiedsrichter-Talent Luca Maurer setzt auf Kommunikation mit den Spielern: Auch gestandene heimische Fußballer wie Tobias Solfrian hören auf sein Kommando.
Schiedsrichter-Talent Luca Maurer setzt auf Kommunikation mit den Spielern: Auch gestandene heimische Fußballer wie Tobias Solfrian hören auf sein Kommando. Foto: Paul Huxohl

Und offensichtlich ein Guter. Denn Anfang Mai steht die Vorprüfung für die Bezirksliga an. Wenn Maurer diese besteht, pfeift er ab der kommenden Saison, dann als 19-jähriger, bereits überkreislich. So erklärt er auch den frühen Rückzug vom aktiven Sport.

Wie bei den meisten Kindern fing die Jagd nach dem runden Leder schon relativ früh an. Eigentlich keine Überraschung, ist Papa Oliver »Eule« Meseke doch auch ein durchaus bekannter und guter Kicker im Fußballkreis Bielefeld (unter anderem für Steinhagen aktiv). Sein Sohn Luca startete zunächst im Sturm der Spvg., ab der E-Jugend ging er als Torwart zwischen die Pfosten. »Dann habe ich auch mal drei Jahre Handball probiert«, erinnert sich Luca Maurer. Sein Talent als Spielleiter fiel 2011 das erste Mal auf. »Ich habe beim Kindergarten-Cup als Schiedsrichter ausgeholfen. Da hat mich dann der damalige Schiedsrichter Lehrwart Tim Neubauer angesprochen, ob ich nicht den Schiedsrichter-Schein machen will. Den habe ich gemacht, aber erst in der Nachprüfung bestanden«, erinnert sich der Steinhagener.

Die Zweikarriere ging zunächst schleppend voran: »Ich habe selber noch für die Spvg. Steinhagen in der Jugend gespielt und daher in zwei Jahren nur sechs Partien gepfiffen. Irgendwann musste ich mich entscheiden.« Sein Vater war zu diesem Zeitpunkt auch sein Trainer, machte ihm die Entscheidung aber einfach. »Er hat gesagt, egal was ich mache, er unterstützt mich. Als Spieler wäre ich später mal in der Kreisliga gelandet, aber als Schiedsrichter habe ich deutlich bessere Chancen gesehen. Deswegen habe ich die Schuhe an den Nagel gehängt.«

»Versuche viel mit den Spielern zu reden«

Mit nun 16 Jahren ging es dann richtig los. Binnen zwei Jahren stieg Luca Maurer von der C- in die A-Liga auf und stand bereits zweimal in der Westfalenliga als Assistent an der Linie. Außerdem durfte er im Winter sowohl beim Altkreismasters als auch bei den Bielefelder Stadtmeisterschaften an die Pfeife. Er hinterließ in manchmal hitziger Atmosphäre einen starken und reifen Eindruck: »Diese beiden Turniere waren bisher meine absoluten Highlights. Das hat richtig Spaß gemacht.«

Da Luca es mittlerweile fast nur noch mit älteren Akteuren zutun bekommt, ist ein entsprechendes Auftreten auf dem Platz Pflicht: »Ich versuche, viel mit den Spielern zu reden. Kommunikation ist das A und O. Wenn man direkt gelbe Karten verteilt, dann baut man nur unnötig Druck auf.« Mit dieser Taktik fährt er bisher sehr gut. Aber er nimmt sich auch Kritik an. »Meine Beobachter bemängeln manchmal mein Laufspiel. Ich renne viel, aber nicht immer richtig. Weniger ist manchmal eben auch mehr.« Seine eigene Leistung reflektiert er zudem selbstkritisch: »Ich hatte auch schon mal Spiele, nach denen ich gedacht habe: Man, heute hast du echt Mist gepfiffen. Aber das passiert eben, Schiedsrichter haben auch mal einen schlechten Tag, genau wie jeder Spieler.« In der Kritik der Spieler hat er hingegen schon einen Unterschied wahrgenommen: »Gefühlt ist in der Kreisliga B in 75 Prozent der Spiele der Schiedsrichter Schuld. In der A-Liga sind viele Teams da schon viel reflektierter.«

In der Bezirksliga etablieren

Die Bezirksliga im Sommer wäre nochmal eine ganz andere Herausforderung: »Da erst ab der Landesliga Schiedsrichter-Assistenten eingesetzt werden, das Tempo aber auch in der Bezirksliga schon sehr hoch ist, ist es dort besonders schwierig zu pfeifen«, erklärt Maurer. Dennoch hat er Ambitionen: »Falls ich die Prüfung bestehe, will ich mich in der Bezirksliga etablieren. Und dann hoffe ich, dass es in zwei, drei Jahren auch mit der Landesliga klappt.«

Die unangenehmste Erfahrung macht der Schüler der Queller Gesamtschule aber, wenn er Schulkameraden pfeifen muss. »Das ist das Schlimmste, da kann man es nur falsch machen.« Den scherzhaften Sprüchen auf dem Schulhof steht er aber ebenso entspannt gegenüber wie den Mannschaftskapitänen vor dem Anstoß auf dem Spielfeld.

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