Hinrundenfazit: FC Stukenbrock steht auf dem vorletzten Tabellenplatz – Trainer Wecker zieht Bilanz »Im Stich lassen kommt nicht in Frage«

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Siggi Wecker, Trainer des FC Stukenbrock, spricht im Interview mit WESTFALEN-BLATT-Mitarbeiterin Carina Teckentrup über die optimistischen Ziele und Strategien für die restliche Saison, eine Doppelbelastung für den Trainer und motivierte Spieler aus der A-Jugend.

Siggi Wecker hat nach dem sechsten Spieltag die A-Liga-Mannschaft des FC Stukenbrock von seinem langjährigen Bekannten Wolfgang Seifert übernommen. Zudem trainiert er weiter die A-Jugend des Vereins.
Siggi Wecker hat nach dem sechsten Spieltag die A-Liga-Mannschaft des FC Stukenbrock von seinem langjährigen Bekannten Wolfgang Seifert übernommen. Zudem trainiert er weiter die A-Jugend des Vereins. Foto: Hendrik Fahrenwald

Nachdem ihr Vorgänger Wolfgang Seifert nach nur sechs Spieltagen das Traineramt niedergelegt hat, haben Sie gesagt, dass Sie Seifert eigentlich noch für den »richtigen Trainer« halten, den der FCS braucht. Ist das immer noch so?

Wecker: Ja, denn dann wäre die Doppelbelastung für mich als Trainer der ersten Mannschaft und der A-Jugend nicht so hoch. Das ist schon anstrengend. Als Co-Trainer von Wolfgang Seifert war ich der Tippgeber und konnte mich auf mein Haupttraineramt bei den A-Jugendlichen konzentrieren.

Aus 16 Spielen hat die Mannschaft nur 4 Punkte geholt. Ihre Bilanz bis zur Winterpause ist ernüchternd. Welche Note geben Sie der Mannschaft für die bisherige Saison?

Wecker: Fußballerisch würde ich meiner Truppe eine 3 geben. Da ist noch eine Menge Luft nach oben. Ich weiß aber auch, woher die Jungs kommen. Moralisch haben sie auf jeden Fall eine 1 verdient. Wenn eine Mannschaft so viel auf die Schnauze bekommt und trotzdem immer motiviert ist und sich korrekt verhält, das zeigt schon Moral.

Noch Luft nach oben

Welcher Spieler hat Sie am meisten überrascht?

Wecker: Es gibt genug Leute, von denen ich die Leistungen erwartet habe. Gino Tullio und Stefan Friesen geben zum Beispiel immer 150 Prozent, sie können mich nicht mehr überraschen. Aber die Jungs, die aus der A-Liga gekommen sind, sehr wohl. Sven Bonensteffen, Bastian Schnurpfeil, Gian-Luca Kaschub, Julian Lüke und Timo Grabenströer konnte ich nicht langsam aufbauen, wie das für Jugendliche nötig gewesen wäre. Das ließ der kleine Kader verletzungsbedingt nicht zu.

Die 3 Punkte, die Sie bis zur Winterpause holen wollten, haben Sie leider nicht mehr bekommen. Was ist schiefgelaufen?

Wecker: Leider wurde das letzte Spiel gegen SC RW Verne abgesagt. Da hätten wir den fehlenden Punkt noch holen können, vor allem, weil Verne drei Spieler gefehlt haben. Wir waren im Gegensatz zu Verne gut aufgestellt und waren mit den beiden Remis gegen den VfB Salzkotten und SC Ostenland in einem guten Rhythmus, weil wir zwei Mal mit der gleichen Mannschaft auflaufen konnten. Das macht viel aus.

Ein Sieg blieb Ihnen in dieser Saison noch verwehrt. Wie sehr trauern Sie der vergebenen Führung gegen Ostenland nach?

Wecker: Das ist schon sehr deprimierend und schmeißt dich wieder etwas zurück. Vor allem, weil der Treffer erst in der Nachspielzeit gefallen ist und dann noch recht unglücklich für uns war. Nach einer Ecke hat Michael Büser den Ball aufs Knie bekommen und schon war der Ball drin. Aber so ist das im Fußball. Nichts ist unmöglich. Glück und Pech liegen nah beieinander.

Trotz der schlechten Bilanz für die bisherige Saison sind Sie immer optimistisch. Was motiviert Sie von Spiel zu Spiel?

Wecker: Ich habe in meinen vergangenen 20 Jahren als Trainer schon einiges erlebt. Rechnerisch ist weiter alles möglich. Und die Mannschaft strengt sich an. Wenn eine Übung aus dem Training auch im Spiel klappt, dann zeigt sich, dass das Training nicht umsonst ist. Die Jungs sind dann auch mit mehr Spaß bei der Sache, wenn sie merken: das bewirkt etwas. Die Trainingsbeteiligung ist gut und ich sehe Fortschritte. Ich schaue immer, was geübt werden muss, um den Gegner in Bedrängnis zu bringen.

Das hat gegen Ostenland gut geklappt. War das Ihr Saisonhöhepunkt?

Wecker: Ja, die Jungs haben den aktuellen Tabellenzweiten an den Rand einer Niederlage gebracht. Ich habe vorher das Spiel von Ostenland in Sennelager angeschaut und festgestellt, wo sie nicht so stark sind. Das hat die Mannschaft auf Weltklasse-Niveau gelöst.

Wo sehen Sie den bisherigen Tiefpunkt?

Wecker: Das war der Untergang gegen den VfL Thüle. Das war schon sehr traurig. Ich war tief enttäuscht von der Art und Weise, wie wir da vom Platz gegangen sind. Die Mannschaft hat danach eine gesunde Ansage bekommen. Es musste etwas passieren.

Sie haben Mitte September nach dem Abschied von Wolfgang Seifert gesagt, dass es keinen Grund gibt, nervös zu werden, weil der FCS das Schlusslicht der Liga ist. Sehen Sie das immer noch so?

Wecker: Absolut. Wir wissen, was in den Jungs drin steckt. Es fehlt einfach mal ein Sieg, um wieder ein Gefühl dafür zu bekommen. Das beste Beispiel dafür ist Salzkotten. Sie waren auch unten in der Tabelle und haben sich mit vier Siegen in das Mittelfeld zurückgekämpft.

Sie glauben an das Potenzial der Mannschaft. Was ist das Ziel für den Rest der Saison?

Wecker: Das ist definitiv der Klassenerhalt. Das wird ein hartes Stück Arbeit. In der Liga gibt es keine Geschenke.

Trainer hofft auf Neuverpflichtungen

Was stimmt Sie für die Rückrunde optimistisch?

Wecker: Dort, wo wir auf den tiefen Rasenplätzen untergegangen sind, müssen wir nicht mehr spielen. Wir fühlen uns auf unserem Kunstrasen sehr wohl. Gegen Tudorf, Thüle und Marienloh müssen wir punkten. Sennelager ist ein richtig hartes Brot, aber auch da sind Punkte zu holen. Wir dürfen nicht nach den großen Namen gucken. Das ist Blödsinn. Und wir müssen ein bisschen Glück mit Neuverpflichtungen haben.

Sind Neuzugänge über den Winter geplant?

Wecker: Ja, die Planungen laufen. Es gibt aber noch keine Unterschriften, daher kann ich noch keine Namen nennen. Ich hätte sie lieber heute als morgen, aber ich bin da optimistisch. Es sind Granaten dabei. Julian Finke wird nach seiner Verletzung auch wieder mit dabei sein.

Wie geht es mit Ihnen weiter? Bleiben Sie dabei?

Wecker: Bis zum Sommer werde ich auf jeden Fall beides machen, sowohl die erste Mannschaft als auch die A-Jugend trainieren. Die Jungs im Stich zu lassen, kommt nicht in Frage. Sie haben sich für mich entschieden und ich mich für sie. Das ist wirklich schön. Ich muss darüber hinaus aber schauen, ob ich weiterhin beides machen kann. Es sind zwei harte Dinger, die ich bewältigen muss. Das zehrt doch schon. Bis zum Sommer gibt es darüber aber keine Diskussionen, weder vom Verein noch von mir.

Wie sieht der spielerische Plan für die Rückrunde aus?

Wecker: Zu viel möchte davon natürlich nicht verraten. Wir haben zwei Formationen, mit denen wir spielen können, sowohl defensiv als auch offensiv. Wir können mit einem Umschaltsystem die Stürmer schnell schieben. Das haben die Jungs schon gut drauf, wir werden aber weiter daran arbeiten. Wir haben bis Ende Dezember trainiert und legen mit dem Training Anfang Januar wieder los.

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