Traditionsverein plant ein siebenköpfiges Vorstandsgremium Der WTV will moderner werden

Rheda-Wiedenbrück (WB). August 2018: Die stellvertretenden Vorsitzenden Annette Ahn und Thomas Bönhoff legen ihr Amt beim Wiedenbrücker Turnverein nieder. Niemand will ihre Posten übernehmen. Deshalb wird der 131 Jahre alte Traditionsklub aus dem Vereinsregister gelöscht. Rund 2200 Mitglieder sind nun sportlich heimatlos.

Von Uwe Caspar

Auch das gern angenommene Kurs-Programm für Nichtmitglieder fällt der Auflösung zum Opfer. Ein düsteres Szenario. Das könnte tatsächlich eintreten, wenn das bisherige Desinteresse an einer Vorstandsmitarbeit, die sich künftig auf mehrere Schultern verteilen soll, so bestehen bleibt. Ahn und Bönhoff, die im März 2017 sozusagen als Notvorstand für die nach 18 Jahren zurückgetretene Hedi Hesse in die Bresche gesprungen sind, drücken deshalb auf den Alarmknopf. Ganz fest sogar! »Dass wir beide den Verein führen, kann nur eine befristete Lösung sein«, teilt das Duo mit. Denn beide seien beruflich stark ausgelastet und könnten deshalb ihren Aufgaben im WTV nicht mehr gerecht werden. Ahn und Bönhoff schwebt eine neue Vorstandsstruktur vor. Das von ihnen bereits angeschobene Zukunftsmodell: Das Führungsgremium soll demnächst aus sieben gleichberechtigten Entscheidungsträgern bestehen. Sie sollen – jeweils einzeln – die Verantwortung für die Ressorts Sport, Reha, Kurse, Jugend, Verwaltung, Marketing und Finanzen übernehmen. »Ich denke, dass wir auf einem guten Weg sind«, hat Annette Ahn, auch Vorsitzende des Stadtsportverbandes, schon erste positive Signale vernommen. Sie und Bönhoff wollen den WTV auch künftig unterstützen, allerdings nicht in verantwortlicher Position.

So wie ihre Vorgängerin Hedi Hesse, die dem WTV immer noch beratend zur Seite steht und sogar an Vorstandssitzungen noch teilnimmt. »Die Problematik ist mir bekannt. Ich persönlich kann es mir kaum vorstellen, dass der Wiedenbrücker TV plötzlich von der Bildfläche verschwindet und hoffe natürlich, dass es weitergeht. Der Weckruf von Annette und Thomas ist nachvollziehbar. Sie wollen damit die Mitglieder endlich wachklingeln«, befürwortet die Ehrenvorsitzende den dramatisch klingenden Appell ihrer kommissarischen Nachfolger.

Das Problem, Verantwortliche für die Vorstandsarbeit zu finden, so Hesse, habe es auch schon zu ihrer Amtszeit gegeben. »Ich hatte bereits ein Jahr vor meinem Ausscheiden darauf hingewiesen, dass ich 2017 den Vorsitz niederlegen werde – in der Hoffnung, dass sich in dieser Zeit ein Nachfolger einfindet. Leider war dazu niemand bereit«, bedauert Hesse. Grundsätzlich plädiert auch sie dafür, die Führungscrew auf mehrere Säulen zu stellen. Das sei ja generell die Tendenz im modernen Sportzeitalter.

Um möglichen Mitarbeitern die künftige Vorstandsarbeit schmackhaft zu machen, geht der WTV in die Offensive und hat für den 26. Februar eine Informations-Veranstaltung im »Jägerheim« terminiert. Ein Traditionsklub im Strukturwandel – der Wiedenbrücker TV will moderner werden. Damit er nicht untergeht!

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