Roger Federer dominiert wieder die Tenniswelt – mit Video Gereifte Leichtigkeit

Rotterdam (WB). Der 20. Grand-Slam-Turnier-Titel, wieder die Nummer eins und vielleicht der zehnte Triumph bei den Gerry Weber Open: 2018 ist ein besonderes Jahr für Roger Federer.

Von Oliver Kreth
Und der Gewinner ist . . . Roger Federer (36) triumphierte nach seiner verletzungsbedingten Pause seit Anfang 2017 bereits bei neun Turnieren.
Und der Gewinner ist . . . Roger Federer (36) triumphierte nach seiner verletzungsbedingten Pause seit Anfang 2017 bereits bei neun Turnieren. Foto: dpa

Der Dominator der Tennis-Welt hat trotz seiner zahlreichen Rekorde noch Lust auf mehr: auf mehr Titel, mehr Spaß und den Applaus des Publikums. Beim Treffen in Rotterdam sagt der 36-Jährige: »Die Unterstützung des Publikums ist über die Jahre immer größer geworden. Es ist genial.« Sein Start in den Niederlanden etwa hat dort den Ticketverkauf noch einmal dramatisch hochgeschraubt. »Das freut einen, wenn man so etwas bewirkt.«

In Rotterdam wurde Federer wieder die Nummer eins im Ranking. Zum Zeitpunkt des Gesprächs war es noch nicht so weit, deshalb wolle er »es nicht kaputt reden. Wenn es kommt, dann kommt es.«

Geduld gerlernt

So sollte aus Federers Sicht auch Alexander Zverev die Grand-Slam-Turniere angehen. »Man darf in einem Turnier nicht zu viel erwarten. Man muss Punkt für Punkt spielen, Satz für Satz, Spiel für Spiel. Wenn man im Achtelfinale schon an das Halbfinale oder Finale denkt, kann das schiefgehen. Ich musste das auch lernen.«

Lernen musste Federer auch Geduld. Nach dem Halbfinal-Aus 2016 gegen Milos Raonic in Wimbledon hatte der Schweizer sechs Monate pausiert. Das Knie spielte nicht mehr mit. Keine einfache Zeit. »Als der Arzt mit dem Skalpell kam, war das nicht unbedingt angenehm. Ich wusste zwar, dass es keine große Sache ist. Aber natürlich bin ich auch kein Mediziner.« Und dann die Sache mit der Regeneration. »Erst kann man wieder mit Krücken gehen, dann ohne, dann kann man spielen. Immer wieder die Frage: Liege ich richtig im Zeitplan? Dann haben wir uns im Team immer wieder besprochen, wie geht es weiter.« Echte Sorgen, ob er noch einmal spielen könne, hat sich der 97-fache Turniersieger nicht gemacht. »Ich wusste, drei Superturniere habe ich noch in meinem Körper. Das geht irgendwie, man kann sich dafür immer fit machen.«

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Es lief deutlich besser. Federer reduzierte seine Starts, wenn er aber antrat, dann verließ er den Wettkampfort meistens mit Pokal, Australian Open (2017/2018), Indian Wells, Miami, Halle, Wimbledon, Shanghai, Basel, Rotterdam. Nach 14 Monaten ohne Titel war der Hunger groß. Und die Gefühle besondere – mit feinen Unterschieden. »Der Sieg in Melbourne 2017 kam ja überraschend, der Druck fiel erst nach der Zeremonie von mir ab, als ich bei meiner Familie und meinen Freunden war. Jetzt war es anders. Ich war der Favorit, bin locker und leicht ins Finale gekommen.« Da erwischte es ihn schon bei der Zeremonie.

Unverzichtbar für den Erfolg ist seine Familie. Ohne Mirka, ohne seine zwei Zwillinge läuft fast nichts. »Es darf nicht nur um mich gehen. Das wäre egoistisch. Und wenn etwas nicht passt, sagt meine Frau mir das auch.« Angenehmer Nebeneffekt des Vaterseins: Federer fühlt sich jünger. »Ein bisschen gehe ich wieder durch meine Kindheit.« Er schätzt seine zwei Jungs und zwei Mädchen »für ihre Klarheit, für ihre Logik, wir Erwachsenen sind ja manchmal zu kompliziert« und natürlich freut er sich über jeden Fortschritt. Beruhigend für ihn: Noch finden alle aus dem Federer-Clan das Reisen cool.

Von Jahr zu Jahr

Die Frage nach dem Ende der Karriere ist dem 36-Jährigen schon häufig gestellt worden. Seine Antwort 2018: Er plant nur von Jahr zu Jahr. »Die Olympischen Spiele in Tokio 2020 sind noch nicht in meinem Kopf«, aber auch nicht ausgeschlossen. Klar sei für ihn nur, es werde kein Abschiedsjahr geben – wie es Stefan Edberg getan hat. Federer: »Da hältst du 100 mal die selbe Rede. Am Ende macht das keinen Spaß mehr.«

Gefreut hat Federer, dass Tommy Haas einen versöhnlichen Abschluss seiner Karriere geschafft hat. »Etwas hatte ihn noch gekratzt – und er musste das Jucken los werden. Der Sieg gegen mich in Stuttgart war für ihn vielleicht ein guter Schlusspunkt«, sagt Federer. Wieder treffen werden sich die beiden bei den Gerry Weber Open (16. bis 25. Juni). Haas spielt Champions Trophy, Federer greift nach seinem zehnten Titel bei seiner 16. Turnierteilnahme – beides natürlich ein Rekord. »Halle ist eine Priorität für mich im Tennisjahr. Mit keinem anderen Turnier habe ich einen Lifetimecontract – nicht einmal mit Basel.«

Am Endes des Gesprächs dann doch noch mal der Versuch, indirekt über das Karriereende zu reden. Auf die Frage, wann er denn gegen Haas in der Champions Trophy spielen werde, antwortet Federer nur lachend: »Vielleicht bekomme ich ja auch einen Vertrag auf Lebenszeit für die Champions Trophy in Halle.«

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