Handball-Verbandsliga: TG Hörste nach dem 27:29 gegen Spradow vor dem Abstieg Plötzlich vor dem Abgrund

Halle-Hörste (WB). Borussia Dortmunds Fußballer haben beim 3:4 in Liverpool in wenigen Minuten alle Trümpfe auf ein Europa-League-Finale verspielt, die Handballer der TG Hörste mit einer schläfrigen Phase womöglich den Klassenerhalt: Nach dem 27:29 (13:13) gegen HSG Spradow droht der Abstieg.

Von Sören Voss

Zunächst deutet am Samstagabend alles auf eine Party zum Ligaverbleib hin. Hörste beginnt genauso griffig wie konzentriert und kann sich auf die famose Unterstützung seiner Anhänger verlassen. Bei Max Schäpers 8:5 (16.) gibt es für die 500 Zuschauer keine Zweifel, dass der Gastgeber der Chef im Ring ist. Ärgerlich aus TG-Sicht: Da gleich einige Chancen leichtfertig vergeben werden, spiegelt sich die optische Überlegenheit beim 13:13-Pausenstand nicht auf der Anzeigetafel wider.

Als Spielverderber erweist sich zudem Spradows Frederik Iffland, der als Kreis-Koloss den Hausherren größte Probleme bereitet. Mit Hörstes Rückzug vom 5:1 in eine 6:0-Abwehrformation soll Iffland weniger Raum bekommen - diese Umstellung ist nachvollziehbar, verfehlt aber ihre Wirkung völlig, weil jetzt die Nebenleute ihre Freiheiten gnadenlos ausnutzen. Innerhalb von wenigen Minuten verspielen die Rothosen so alles, was sie sich in mühsamer Kleinarbeit in den zwei Monaten seit dem Trainerwechsel aufgebaut haben. Der Halbzeit übergreifende 1:7-Lauf von 13:11 auf 14:18 ist der Knackpunkt der Partie. Als Spradow sogar auf 25:19 davonzieht (49.), muss Hörste jeden Angriff mit höchstem Risiko fahren. Das klappt zwar, wie beim 25:26 von Pascal Kaiser (58.), phasenweise, führt in der Summe aber vermehrt zu kopflosen und überhasteten Aktionen. Ifflands neunter Treffer zum 28:26 lässt 38 Sekunden vor Schluss die Busladung Gäste-Fans jubeln.

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Wir haben alles versucht. Es ist bitter, dass sich die Situation für uns jetzt völlig geändert hat.

Matthias Baier

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»Das war hektisch und emotional. Wir waren spielerisch besser und hatten den stärken Torwart«, erklärt Spradows Markus Hochhaus mit charmantem nordbadischem Akzent. Während Hochhaus auf die gelungene Mission als Feuerwehrmann sowie seinen 48. Geburtstag mit seiner Mannschaft in der Halle anstößt, versucht Hörstes Interimstrainer Matthias Baier im Kabinengang Erklärungen für den kollektiven Aussetzer der zweiten Halbzeit zu finden: »Wir hätten höher führen müssen. Leider waren wir dann nach der Pause nicht wach und kriegen vier Abpraller nicht. Wir haben alles versucht. Es ist bitter, dass sich die Situation für uns jetzt völlig geändert hat.«

Die Situation

Somit steht die TG Hörste am Abgrund zur Landesliga und geht mit denkbar schlechter Ausgangsposition in den letzten Spieltag. Als Vorletzter. muss das Altkreis-Teams beim Tabellenzweiten TuS Möllbergen gewinnen und gleichzeitig hoffen, dass die Konkurrenz bei ihren einfacheren Aufgaben (Spradow gegen den bereits abgestiegenen TuS 97 Jöllenbeck II, Hahlen gegen Nachbar LIT II) patzt. Auch bei negativem Ausgang ist noch ein Hintertürchen offen: die Relegation der Vorletzten beider Verbandsliga-Staffeln, deren Sieger sich aber nur dann rettet, wenn wiederum der westfälische Vertreter die Abstiegsrelegation der 3. Ligen erfolgreich besteht.

Daten & Fakten

TG Hörste: Krause/Feist; Weide (1), Klack (n.e.), Schuster (1), Schäper (6), Weigel (1), Tarner (8/2), Kaiser (2), Wagemann (n.e.), Wörmann, Kröger (5), Steinlechner (3), Sunderbrink.

HSG Spradow: Habbe, Giese (nur bei 7m); Danowsky (6/4), D. Rausch (1), Potthoff (2), Volksdorf, Hohnsträter, P. Rausch, Langer, Peitzmeier (4), Borcherding (3), Iffland (9), Orgel (4).

Zuschauer: gut 500.

Zeitstrafen: Hörste 6 (davon Weide 3/Rot in der 52.), Spradow 3.

Siebenmeter: TG 3/2, HSG 5/4.

Stationen: 2:0, 3:4, 8:5 (17.), 9:9 (24.), 13:11, 13:13 – 14:17 (34.), 16:21 (42.), 19:22, 19:25 (49.), 21:26 (52.), 25:26 (58.), 26:28, 27:28 (24 Sek. vor Schluss), 27:29.

So geht’s weiter: Sa., 23. April, 19 Uhr TuS Möllbergen (A).

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