Christian Schmidt und Tim Mannek: Die Wege der Top-Talente kreuzen sich erneut Duell der Torjäger – wie vor zehn Jahren

Halle (WB/star/hosh). Christian Schmidt führt mit seinem Team SV Rödinghausen die Tabelle der Westfalenliga an. Für Tim Mannek und den SC Paderborn ist die Partie bei fünf Punkten Rückstand die letzte Chance im Titelrennen. 

Tim Mannek hofft beim SC Paderborn auf einen Profivertrag.
Tim Mannek hofft beim SC Paderborn auf einen Profivertrag. Foto: Elmar Neumann

»Ich bin guter Dinge, dass wir den Aufstieg schaffen. Wir haben eine super Mannschaft und verstehen und alle gut«, sagt Schmidt. Der heute 18-Jährige hat einst in Amshausen und später dann beim VfL Theesen aus nahezu jeder Lage getroffen und sich ins Notizbuch mehrerer Bundesligisten geballert. Der Blondschopf wagt den Wechsel zu Bayer Leverkusen. »Das erste Jahr weg von Zuhause hat mich auch in meiner Persönlichkeit weitergebracht«, bedauert Schmidtseine Entscheidung auch rückblickend nicht. Doch nach dem Wechsel in die A-Jugend kommt es ausgerechnet in seinem größten Spiel zum Karriere-Knick. Als Jungjahrgang steht der Steinhagener in der Youth-League-Partie bei AS Monaco in der Startelf von Bayer 04. Auf der ungewohnten Linksverteidiger-Position zahlt der Youngster Lehrgeld, wird zur Pause ausgewechselt und spielt nach überstandener Verletzung keine Sekunde mehr für Leverkusen.

»Danach war es nicht einfach, die Lockerheit wiederzufinden.« Christian Schmidt startet in Rödinghausen unter seinem langjährigen Förderer Daniel Lichtsinn einen Neuanfang und will einfach »nur wieder Fußball spielen.« Bei seinem neuen Verein hat er einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Natürlich möchte der Stürmer nach seiner Jugendzeit den Sprung ins Regionalliga-Team schaffen, ist mit der ersten Mannschaft auch schon ins Trainingslager gereist. Doch ebenso wichtig ist es ihm, auch außerhalb des Rasens eine gute Figur zu machen. Schmidt, der in Bünde eine kleine Wohnung hat, ist mit einem Top-Abitur aus Leverkusen zurückgekommen, macht derzeit eine Lehre zum Industriekaufmann und studiert zusätzlich an der Fern-Universität BWL.

Ziel: Profi-Fußball

Tim Mannek (ebenfalls 18) macht im Sommer sein Fachabitur, will aber in Zukunft als Profi-Fußballer sein Geld verdienen. Und der 16-fache Torschütze der A-Jugend Westfalenliga hat klare Vorstellungen von seiner nahen Zukunft: »Es gab zwar noch keine Gespräche, aber ich habe schon einige Hinweise bekommen wie es weitergehen könnte. Ober- oder gar Westfalenliga in der U23 von Padeborn zu spielen, das wäre für mich aber eher keine Option. Die 3. Liga oder die Regionalliga sollten es schon sein, wenn es hier in Paderborn mit einem Kaderplatz bei den Profis nichts wird.« Zwar wirkt es zunächst etwas eigenartig, dass sich die SCP-Verantwortlichen mit dem mit Abstand besten Torjäger der Liga noch nicht intensiver unterhalten haben. Doch da Paderborn aktuell im Abstiegskampf der 2. Bundesliga steckt, und vor wenigen Wochen Stefan Effenberg als Cheftrainer entlassen wurde, hat auch Mannek absolutes Verständnis für die noch unklare Situation.

2006: Tim Mannek gewinnt mit Oesterweg die Mini-WM Foto: Sören Voss

2006: Christian Schmidt stürmt für Amshausen. Foto: Sören Voss

Für ihn persönlich kann es kaum besser laufen. Zwar hat er schon unter »Effe« einmal bei den Profis mittrainieren dürfen (Mannek: »Er war relativ locker und hat auf mich als Trainer einen guten Eindruck gemacht«). Doch mit René Müller als Trainer und Markus Feldhoff (Co-Trainer) haben jetzt zwei Männer die Verantwortung beim Zweitligisten, die Manneks Karriere bisher am meisten beeinflusst haben. Müller hat TimMannek einst persönlich beobachtet und ihn verpflichtet. »Und Markus Feldhoff würde ich als meinen großen Förderer bezeichnen. Unter ihm als A-Jugendtrainer bin ich richtig durchgestartet und habe nochmal einen großen Schritt machen können.« Besonders im Bereich Athletik, Antritt und Körperbalance habe er viel mit dem ehemaligen Bundesligastürmer (u.a. Bayer Leverkusen) gearbeitet. Nach überstandenem Haarriss im Fuß, der Mannek seit Ende Dezember außer Gefecht gesetzt hat, hofft er nun auf seine Chance: »Ich telefoniere mit Markus quasi wöchentlich. Sobald er den Eindruck hat, dass ich wieder bei 100 Prozent bin, darf ich nochmal bei den Profis reinschnuppern.« Jetzt liegt Manneks Fokus aber zunächst auf Sonntag: »Wenn wir gegen Rödinghausen nicht gewinnen, ist der Zug für Platz eins abgefahren.«

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