Niklas Siems bereitet sich auf die Regatta-Saison vor: Deutschlands Nummer eins vor neuen Herausforderungen Peckeloher surft auf der Erfolgswelle 

Versmold-Peckeloh (WB). Noch ist keine Saison für die Sportart, in der der 14-jährige Niklas Siems aus Peckeloh so richtig gut ist. Deutschlands bester Windsurfer in der Altersklasse U 15 kann es kaum erwarten, wieder auf seinem Brett über die Wellen zu gleiten.

Von Burkhard Hoeltzenbein
Hart am Wind: Niklas Siems war in der vergangenen Saison Deutschlands bester Windsurfer der Jugendklasse U15. Jetzt muss er sich mit einem größeren Segel in der U17 behaupten.
Hart am Wind: Niklas Siems war in der vergangenen Saison Deutschlands bester Windsurfer der Jugendklasse U15. Jetzt muss er sich mit einem größeren Segel in der U17 behaupten.

Der Ritt auf der Erfolgswelle spülte den Peckeloher in der Saison 2014 ganz nach oben. Bei den Deutschen Meisterschaften surfte der austrainierte Jugendliche der Konkurrenz auf den Dreieckskursen in niederrheinischen Hünxe-Bruckhausen davon. Nebenbei heimste er auch noch den Titel des NRW-Meisters der U-15-Klasse ein. In der Jahresrangliste der Deutschen Windsurfing-Vereinigung (DWSV) findet sich Niklas Siems auf Platz eins wieder.

 Wenn keine Jahreszeit für Surfer ist, arbeitet der 14-Jährige umso fleißiger an den körperlichen Grundvoraussetzungen, ohne die beim Sport auf dem Wasser nichts geht. »Ich mache zuhause Fitnesstraining«, sagt er. Um bei Windstille überhaupt in Bewegung zu kommen, müssen Surfer erst mal ordentlich »pumpen«, also permanent am Segel ziehen. Das erfordert Muskulatur in Armen, Brust und Rücken. Die entsprechenden Geräte haben ihm seine »Hauptsponsoren« besorgt. »Ohne Mama und Papa würde ich den Sport nicht betreiben können«, sagt Niklas.

 Auch die Großeltern unterstützen den sportlichen Enkel. Ausdauer ist ein weiterer Faktor, den ein Surfer braucht. Da verbindet Niklas als Fußballer des SC Peckeloh das Nützliche mit dem Angenehmen. »In der Mannschaft macht das mehr Spaß, als alleine Joggen zu gehen«, sagt der C-Jugendliche, der bei der JSG Peckeloh/Oesterweg den laufintensiven Part im defensiven Mittelfeld gibt. »Ich habe schon zwei, drei Tore geschossen, aber das Vorbereiten ist noch besser«, erklärt Niklas. Vor seinen fußballerischen Qualitäten haben seine Mitspieler so viel Respekt, dass sie ihn im Verein nach seinem Idol Kroos nur »Toni« rufen.

 Die »Muckis« und die Luft braucht er, um die anstrengende Haltung auf dem Brett beim Kampf mit den Naturgewalten zu wahren. »Wenn man da die Beine nicht durchstreckt, fällt man schnell ins Segel.« Seit er sechs Jahre alt ist, steht Niklas Siems auf dem Brett. Inzwischen ist er als Mitglied im Surfclub Warendorf auf dem Weg, um auch in der neuen Altersklasse U 17 auf seinem Jugendboard »Big Techno 293« vorne mitzufahren. In der Emsstadt trainiert er immer, wenn es die Zeit zulässt, auf dem Kottrupsee. Der ist im Vergleich zu den Bundesliga-Gewässern nur eine 25 Fußballfelder kleine »Pfütze«. Doch um die Technik auch bei wenig Wind zu verfeinern, findet Niklas hier mit den versierten Vereinstrainern genau die richtige Unterstützung.

 Für die neue Saison, die mit dem Ansurfen Ende April richtig beginnt, hat er sich zunächst eher zurückhaltende Ziele gesetzt. Weil sich der Neuntklässler, der auf das CJD-Gymnasium in Versmold geht, zwischen den älteren Konkurrenzen erst neu orientieren muss. »Möglichst gut mit dem für mich neuen Segel zurechtkommen«, lautet so ein Zwischenschritt. Denn künftig sorgt im Wind ein Segel für Geschwindigkeit, dass mit 7,8 einen Quadratmeter größer ist als bisher. »Das ist ein riesiger Unterschied. Der Druckpunkt des Windes ist völlig anders. Und wenn wenig Wind ist, muss man viel mehr arbeiten«, erklärt er.

 Bei den deutschen Meisterschaften Anfang Juli in Warenmünde möchte Niklas Siems einen Platz unter den besten Fünf der U 17 erreichen. Weil seine Großeltern in der Nähe wohnen, will er jede Gelegenheit nutzen, um die Wasser- und Windverhältnisse vor Ort zu erkunden. Außerdem tritt er mit den SCW in der Surf-Bundesliga mit dem Race-Board an. Im Hinterkopf hat der Peckeloher ein noch viel größeres Ziel: »Im Jahr 2016 will ich bei der Weltmeisterschaft am Gardasee dabei sein.« In Norditalien liegt eins der Surfparadiese, von denen Niklas träumt – dort, wo die richtig Guten ihre Freiheit auf dem Wasser ausleben.

 Auch andere Weltcup-Orte wie in der Türkei oder an der französischen Mittelmeer- und Atlantikküste will er später ausprobieren. »Ich mag die Geschwindigkeit«, schwärmt er von dem Gefühl, sein Board in den Naturelementen zu beherrschen, schaut sich von den Älteren Tricks ab und nimmt jeden Tipp dankend an. Wohin ihn sein Sport eines Tages bringen könnte, kann Niklas, der in drei Jahren sein Abitur bauen möchte, noch nicht voraussehen. Ein Leben als Profi ist für ihn eigentlich unvorstellbar. Denn für die Weltelite fehlt dem im windarmen Ostwestfalen aufwachsenden Jugendlichen nach eigener Aussage dann doch eine Voraussetzung: »Dafür müsste ich an anderen ›Spots‹ mit richtig Wind wie in der Karibik geboren worden sein.«

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