Wie der FCG im Januar 1998 Trapattoni, Basler, Elber & Co. aus der Olympiahalle schoss Vor 20 Jahren: Gütersloh zieht den Bayern die Lederhosen aus

Gütersloh (WB). »Kampfschwein« Willi Landgraf erzielt das Führungstor, die vermeintliche »No Name-Truppe« des FC Gütersloh besiegt den großen FC Bayern München, und die Fans aus Ostwestfalen tanzen auf dem Oberrang der Olympiahalle freudetrunken die Polonaise. Heute jährt sich zum 20. Mal eine Sternstunde in der Gütersloher Fußballhistorie: An das 4:2 beim DFB-Hallenpokal vom 17. Januar 1998 denken die Beteiligten gerne zurück.

Von Christian Bröder
1,93-Meter-»Riese« Carsten Jancker vom FC Bayern versucht es mit der Brechstange. Doch Frank Scharpenberg wehrt den Schuss im Januar 1998 ab. Am Ende siegt der kleine FCG 4:2.
1,93-Meter-»Riese« Carsten Jancker vom FC Bayern versucht es mit der Brechstange. Doch Frank Scharpenberg wehrt den Schuss im Januar 1998 ab. Am Ende siegt der kleine FCG 4:2. Foto: imago

»Klar, das war doch damals eines der Highlights«, erinnert sich Dirk Konerding an die kleine Sensation. Es ist ein Samstag, an dem der Zweitligist aus dem Heidewaldstadion das hochfavorisierte Starensemble von der Isar aus der mit 10.000 Besuchern prall gefüllten Olympiahalle schießt. Zwar liegt der Deutsche Meister um Trainer Giovanni Trapattoni schnell mit 2:0 in Front, doch danach jubelt nur noch der FCG.

Mario Basler ging einfach vom Feld

Dirk Konerding weiß noch genau, wie Mario Basler kurz vor Schluss plötzlich wütend über die Bande hüpft. »Der ist einfach runtergegangen, ohne sich auswechseln zu lassen. Ich selber hatte meine Probleme mit Carsten Jancker. Das war so ein Riese, an dem konnte ich nicht vorbeigucken«, blickt der 48-Jährige zurück.

Schon bei der Qualifikation für die Endrunde lässt Gütersloh damals aufhorchen: Der FCG schlägt immerhin Weltpokalsieger Borussia Dortmund und den VfL Bochum in der Westfalenhalle. Alexander Löbe ist mit neun Treffern der Toptorjäger des gesamten DFB-Hallenpokals, und durch die Finalrunden-Teilnahme gibt es den warmen Regen von 200.000 D-Mark Startgeld.

»Eine Woche später sind wir mit der Chartermaschine nach München geflogen. Dort war ein Spektakel angesagt. Toll war vor allem, dass uns so viele Fans begleitet haben«, entsinnt sich Dirk Flock . Dem heute 45 Jahre alten Co-Trainer des SC Wiedenbrück gelingt damals kurz vor der Halbzeitpause »locker-flockig« das 2:2 gegen die mit Größen wie Giovane Elber, Ruggerio Rizzitelli und Markus Babbel gespickten Hausherren.

»Sorry« – David Wagner erinnert sich nicht mehr

Zuvor erzielt Stürmer David Wagner das 1:2. Beim heute heiß begehrten 46-jährigen Manager des englischen Premier-League-Aufsteigers Huddersfield Town ist der Coup von damals allerdings in Vergessenheit geraten. »Sorry, aber ich kann mich wirklich nicht mehr daran erinnern«, äußert er sich am Dienstag gegenüber dem WESTFALEN-BLATT.

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Bei der Players Night war unser Tisch der einzige, an dem geraucht wurde. Es dauerte natürlich nicht lange, da saß Basler bei uns.

Dirk Flock

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»Was auf dem Rasen alles passiert ist, weiß ich nicht mehr genau, aber bei der Players Night war unser Tisch der einzige, an dem geraucht wurde. Es dauerte natürlich nicht lange, da saß Basler bei uns«, fällt Flock wieder ein.

Einladung in ZDF-Sportstudio, Trainer Linßen schießt auf die Torwand

Dass die Gütersloher zuvor im ZDF zu sehen sind, hat Frank Scharpenberg (46) noch präsent: »Wir sind kurzfristig in das aktuelle Sportstudio eingeladen worden. Unser Trainer hat auf die Torwand geschossen.« Als Coach Hannes Linßen später an jenem Abend den »Physio« Frank Bertelsmeier damit beauftragt, die Spieler »mal langsam ins Bett« zu geleiten, hält just in diesem Augenblick ein Taxi vor dem Hotel, erinnert sich Flock. Ergo: Einige FCG-Kicker lassen sich noch ins Nachtleben chauffieren.

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Unsere Truppe war eben nicht nur auf dem Feld stark.

Willi Landgraf

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»Unsere Truppe war eben nicht nur auf dem Feld stark«, weiß auch Kompagnon Willi Landgraf zu berichten. Dem 49-jährigen Kultkicker gelingt an jenem Samstag vor 20 Jahren gegen Bayern-Keeper Bernd Dreher das viel umjubelte 3:2. »Ich weiß noch, dass ich einfach abgezogen habe. Das Ding war drin und die Halle stand Kopf«, so Landgraf, dessen Treffer noch Ralf Lewe mit dem 4:2 krönt.

Pech nur: Das ganz große Happy End bleibt aus. Hansa Rostock fegt am Tag darauf die Bayern mit 6:2 ebenfalls aus der Halle, zieht deshalb als Gruppenerster in die Finalrunde ein und gewinnt am Ende den DFB-Hallenpokal. Dennoch ist an der Dalke bis heute unvergessen, dass das kleine Gütersloh einst den großen Bayern die Lederhosen ausgezogen hat. 

Ein Moment, den der SC Paderborn sich sicherlich auch herbeiwünscht:  der Drittligist muss im Viertelfinale des DFB-Pokals zu Hause gegen den FC Bayern München am 6. Februar ran.

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