Die Liste der Gläubiger des FC Gütersloh wird immer länger Das Heidewald-Drama: Anwalt übernimmt Insolvenzantrag

Gütersloh (WB). Eigentlich hat der FC Gütersloh gar kein Gesicht mehr, keine Kontur und auch keine Struktur. Der zweite Vorsitzende, Alexander Leng, ist bereits im Sommer heimlich abgetreten, der Aufsichtsrat des Vereins besteht derzeit nur noch auf dem Papier. Das Geister-Gremium!

Von Wolfgang Wotke
Das Heidewald-Stadion.
Das Heidewald-Stadion. Foto: Wolfgang Wotke

Mario Drees hat sich längst zurückgezogen, Unternehmer Ralf Thies hatte sein Amt vor einigen Monaten niedergelegt, übrig­geblieben im Gremium ist nur noch Hans Kochjohann. Und der sagt: »Ich werde schon lange nicht mehr über die Entwicklungen im Klub informiert.«

Am Freitag hat der FCG in einer Pressemeldung verlauten lassen, dass der zurückgetretene Vorsitzende André Niermann die erforderliche Gläubiger-Liste zusammenstelle und mit seinem Rechtsanwalt den Insolvenzantrag vorbereite, den man spätestens am Montag, 2. Januar, stellen wolle. Dazu gehöre eine Liste an Verbindlichkeiten, die sich auf mindestens 60.000 Euro belaufen. Hinzu kommen finanzielle Forderungen des Jugendtrainers Uli Laustroer und des ehemaligen Jugendleiters Dirk Konerding. Man rechne hier ebenfalls mit rechtlichen Auseinandersetzungen. Aufsichtsratsmitglied Hans Kochjohann widerspricht dem: »Ich habe mit beiden gesprochen. Sie haben sich bislang lediglich von einem Anwalt beraten lassen. Mehr nicht.«

Nach In­formationen des WESTFALEN-BLATTES weist das aktuelle Konto des FC Gütersloh ein Plus von rund 8000 Euro auf, weil erste Sponsoren ihre Werberechnungen für 2017 überwiesen haben. Dieses Geld ist allerdings aufgrund eines Pfändungsbeschlusses durch den ehemaligen Marketing-Manager Phillipp Frahmke gesperrt. Etwa 7000 Euro müssen noch an die Berufsgenossenschaft überwiesen werden. Dazu kommen Verbandsstrafen, die sich in einem fünf­stelligen Bereich bewegen sollen. Umsatz- und Lohnsteuer sind bezahlt. Da ist man auf dem Laufenden.

Rechtsanwalt und Jurist Frank Welsch. Foto: Wotke

Offiziell hat André Niermann vor drei Tagen sein Amt als Präsident des FCG niedergelegt. Kann er dann überhaupt noch einen Insolvenzantrag für seinen Verein stellen? Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Frank Welsch, von 2000 bis 2005 selbst Vorsitzender des FC Gütersloh, erklärt auf Anfrage dieser Zeitung: »Das geht gar nicht, denn er ist ja zurückgetreten. Das muss dem Amtsgericht mitgeteilt und im Vereinsregister eingetragen werden. Es sei denn, Herr Niermann hat seinem Rechtsanwalt zuvor eine Vollmacht erteilt.« Dieser könne dann trotz der Amtsaufgabe für den Verein die Insolvenz anzeigen, denn die Vollmacht überdauere rechtlich den Rücktritt.

In der FCG-Pressemitteilung heißt es weiter: »Sollten ein neuer Vorstand oder eine neue Initiative die finanziellen Mittel haben, um die Probleme zu lösen, steht natürlich die Möglichkeit, den Insolvenzantrag zurückzuziehen.« Für diese Hoffnung bestehe jedoch derzeit keinerlei Anlass. Für die freien Posten in Vorstand und Aufsichtsrat gebe es aktuell keine Interessenten. Ob und in welcher Form der FCG weitergeführt werde, müsse dann eine Mitgliederversammlung entscheiden.

Der Gütersloher Hermann Korfmacher (73), Präsident des Westdeutschen Fußball- und Leichtatlethikverbandes, hofft indes auf ein gutes Ende des Insolvenz-Chaos: »Bald gibt es politische Gespräche darüber. Aber es wird schwer in einer Stadt mit zugeknöpften Geldbörsen.«

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