Clarholzer Christian Flüthmann übernimmt bei Borussia Dortmund einen neuen Job Vom Trainer zum Chef der Spielanalyse

Herzebrock-Clarholz (WB). Manchmal sind es Zufälle, die einer Laufbahn den entscheidenden Kick geben. So wie bei Christian Flüthmann, der sein Engagement als hauptamtlich angestellter B-Jugend-Trainer von Borussia Dortmund zwei Siegen gegen seinen heutigen Arbeitgeber verdankt.

Von Uwe Caspar
Als Mitbegründer des Kölner Technologie-Unternehmens »Bolzwerk« bietet der Clarholzer Christian Flüthmann neuerdings auch eine innovative App für Fußball-Amateurtrainer an – mit prominenter Unterstützung von FC Liverpools Coach Jürgen Klopp.
Als Mitbegründer des Kölner Technologie-Unternehmens »Bolzwerk« bietet der Clarholzer Christian Flüthmann neuerdings auch eine innovative App für Fußball-Amateurtrainer an – mit prominenter Unterstützung von FC Liverpools Coach Jürgen Klopp. Foto: Uwe Caspar

Der Clarholzer coachte noch die U 17 des VfL Osnabrück, als er mit seinem Team zweimal auf den BVB traf. Dem 9:2-Erfolg bei einem Hallenturnier folgte später ein weiterer Sieg in einem Testspiel. Der damalige Dortmunder Trainer Hannes Wolf zeigte sich von der Arbeit seines Osnabrücker Kollegen derart beeindruckt, dass er Flüthmann dem BVB-Jugendkoordinator und Ex-Profi Lars Ricken empfahl. Nach dem positiv verlaufenen Vorstellungsgespräch stand für den heute 34-Jährigen fest: »Ich mache das!« Zum Bedauern des SV Rödinghausen, bei dem Christian Flüthmann eigentlich als Chef der Jugendabteilung anfangen sollte. Sicherlich wäre auch das für ihn eine anspruchsvolle Aufgabe gewesen. Doch gegen einen renommierten Traditionsklub wie den BVB ist ein kleiner Provinzverein wie Rödinghausen natürlich chancenlos. Zumal der Jung-Coach seit seiner Kindheit ein großer Fan der Schwarz-Gelben mit ihrem Klubslogan »Echte Liebe« ist.

Schon seit 2013 betreut Flüthmann, der bei der Clarholzer Victoria von der F-Jugend aufwärts sämtliche Jahrgänge trainierte und danach drei Jahre Arminia Bielefelds U 15 und U 17 unter seinen Fittichen hatte, die U 16 des BVB. »Hier wird auch im Nachwuchsbereich professionell gearbeitet. Dazu gehören regelmäßige Besprechungen mit den Trainern«, berichtet er. Eine professionelle Einstellung wird auch von der Spielern verlangt: Fünfmal die Woche bittet Flüthmann seine Schützlinge zu den Übungseinheiten, für die besten gibt es zusätzlich zwei Frühschichten.

Mit dem Gütersloher Lukas Kantzos und dem Mastholter Mike Reimer sind auch zwei heimische Kicker im Aufgebot vertreten. Ein weiterer kommt aus Herford – die weiteste Reise für den Fahrdienst des BVB. Zwei Talente, die durch Flüthmanns Hände gegangen sind, haben den Sprung in die Bundesliga geschafft: Der bei Borussia gebliebene Felix Passlack und der von den Dortmundern an den SC Freiburg ausgeliehene Pascal Stenzel.

Nach vier Jahren wartet nun auf Christian Flüthmann die nächste Herausforderung: Er wird bei den Schwarz-Gelben die neu geschaffene Stelle »Leitung der Spielanalyse« übernehmen. Der gelernte Industriekaufmann hat selbst seinem Verein vorgeschlagen, diese Stelle zu installieren – und fand bei den Verantwortlichen offene Ohren. »Es sind schon etliche Bundes- und Zweitligisten, die so arbeiten. Da heißt es Co-Trainer Spielanalyse. Datenauswertungen sind zwar nicht spielentscheidend, aber das I-Tüpfelchen einer Analyse«, betont der Clarholzer. Ein »Laptop-Trainer« sei er dennoch nicht, versichert Flüthmann, dem die nahezu tägliche Fahrt nach Dortmund nichts ausmache.

Sein zweites berufliches Standbein ist die »Bolzfabrik«. Flüthmann gehört zu den Gründern des Kölner Softwareentwicklers, der innovative IT-Produkte für die Fußballbranche anbietet und dabei von dem früheren BVB-Trainer Jürgen Klopp unterstützt wird. »Im neuen Jahr treffen wir uns mit Jürgen, den ich zu seiner Borussia-Zeit als sehr umgänglichen und entspannten Menschen kennengelernt habe, in Liverpool zum Gedankenaustausch«, freut sich Christian Flüthmann auf das Wiedersehen mit »Kloppo«. Das neueste Bolzwerk-Projekt: Eine App für Amateurtrainer, die sich »Taktikr« nennt. Ein digitaler Wissensaustausch, von dem auch ein Hobby-Coach aus der Kreisliga profitieren soll. »Das Interesse ist bereits beachtlich«, freut sich Christian Flüthmann über den gelungenen Start. Auf den hofft der Clarholzer ebenso in seiner künftigen Funktion als Chef der Spielanalyse – die nächste Sprosse auf seiner Karriereleiter.

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