SC Verl wie entfesselt: Mit Traumtoren gelingt erster Sieg in Düsseldorf seit fünf Jahren 45 Minuten Folter für Fortuna

Düsseldorf (WB). Das Seelenleben der rheinischen Frohnatur wird am Samstag schon vor dem Pausenpfiff einer »Tor-tur« unterzogen. Vier Treffer, einer schöner als der andere, kassiert Fortunas Zweitliga-Nachwuchs in der Regionalliga West gegen einen SC Verl, der seine spielerisch wohl stärkste Halbzeit seit Jahren präsentiert.

Von Christian Bröder
Freudensturm am »Flinger Broich«: Jonas Erwig-Drüppel liefert bei Fortuna Düsseldorf II seinen stärksten Auftritt im Dress des SC Verl ab. Per Winkelkracher trifft er zum 2:0 und ist selbst beim Jubeln von Yannick Geisler (rechts) und Daniel Mikic nicht zu bändigen.
Freudensturm am »Flinger Broich«: Jonas Erwig-Drüppel liefert bei Fortuna Düsseldorf II seinen stärksten Auftritt im Dress des SC Verl ab. Per Winkelkracher trifft er zum 2:0 und ist selbst beim Jubeln von Yannick Geisler (rechts) und Daniel Mikic nicht zu bändigen. Foto: Ralf Weber

Beim 4:1 (4:0) im Düsseldorfer Paul-Janes-Stadion gelingt in der ersten Hälfte alles: Starke Kombinationen, technische Kabinettstückchen und Traumtore.

»Unser Torwart musste keinen Ball halten. Er hat sie eigentlich nur aus dem Netz geholt. Verl war brutal effektiv und nach dem 0:1 brachen bei uns alle Dämme«, erklärt Fortuna-Coach Taskin Aksoy die erste Halbzeit aus seiner Sicht zum Albtraum. Sein Verler Kollege Andreas Golombek, der unter der Woche speziell Laufwege mit Abschlüssen trainieren lassen hat, überrascht vor dem Anpfiff mal wieder: Den Ausfällen seiner Defensiv-Stützen Jannik Schröder (Gelbsperre) und Julian Stöckner (Halswirbelprellung) begegnet der 47-Jährige mit der Nominierung zweier Startelf-Debütanten: Yannick Geisler spielt im Mittelfeld und Kevin Kalinowski in der Abwehr.

Nach fast einer Viertelstunde wird einmal mehr deutlich, dass Hamadi Al Ghaddioui derzeit einen Lauf hat. Beim 1:0 (14.) erzielt er seinen neunten Saisontreffer. »Der kann machen was er will. Vielleicht fällt demnächst sogar ein Einwurf direkt rein«, freut sich Golombek für den Verler Liga-Toptorjäger, dem der Trubel um seine Person fast schon ein wenig peinlich wirkt (»Nicht schon wieder ich. Heute fragt mal die anderen«).

Ebenso glücklich ist der Verler Trainer über die Leistung von Linksaußen Jonas Erwig-Drüppel, der bei seinem bisher stärksten Auftritt im Verler Trikot per Solo und Sonntagsschuss aus 19 Metern das 2:0 (32.) erzielt und auch bei der Top-Kombination zum 3:0 (33.) durch Initialgeber Matthias Haeder nur eine Minute später tatkräftig mitwirkt. Die Verler zeigen in dieser Form bisher selten offenbarte Offensiv-Qualitäten. Nach Nico Heckers Volley-Spreizschritt zum 4:0 (41.) herrscht ungläubiges Kopfschütteln. Der SCV spielt Fortuna an die Wand! »Wir wissen ja, dass wir die Qualität haben. Wir müssen sie nur öfter auf den Platz bringen«, erklärt Erwig-Drüppel.

SCV-Betreuer Horst »Zappel« Krause hat seine ganz eigene Erklärung für den entfesselten 45-Minuten-Auftritt: »Isostar ist alle gewesen. Da habe ich heute mal etwas richtiges reingefüllt.« Im zweiten Durchgang schalten die Gäste zwei Gänge zurück. »Das hatte ich zwar gesagt, aber wir hatten zu wenig Entlastung und haben dadurch das Gegentor kassiert«, erklärt der Coach. Dennoch schafft sein Team mit dem 4:1 den ersten Auswärtssieg bei Fortuna seit November 2010. Vor der Länderspielpause klettert der SC Verl dadurch auf Tabellenplatz fünf. »Wahnsinn«, findet Andreas Golombek.

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