Al Ghaddioui trifft zum 1:1 – Schmidt sieht Gelb-Rot – Grädler findet Golombek respektlos Punkt in Unterzahl gerettet

Rheda-Wiedenbrück (WB). Ein unschönes Phänomen: Der SC Verl hat auch nach dem fünften Spieltag in der Fußball-Regionalliga West weiter kein Tor aus dem laufenden Spiel heraus erzielt. Dennoch trotzt die Elf von Andreas Golombek dem SV Rödinghausen gestern Abend vor 554 Zuschauern in der Tönnies-Arena ein 1:1 (0:0) ab – noch dazu in Unterzahl. Das ärgert die Gäste, bei denen der Sportliche Leiter nach dem Abpfiff ordentlich Dampf ablässt.

Von Christian Bröder
Die Verler Daniel Mikic (2. von links), der für den verletzten Julian Stöckner verteidigt, und Jannik Schröder (rechts) gehören gestern zu den Aktivposten beim SC Verl. Aber auch sie können vor 554 Zuschauern in der Tönnies-Arena nicht das 0:1 durch Sinisa Veselinovic (Mitte) verhindern.
Die Verler Daniel Mikic (2. von links), der für den verletzten Julian Stöckner verteidigt, und Jannik Schröder (rechts) gehören gestern zu den Aktivposten beim SC Verl. Aber auch sie können vor 554 Zuschauern in der Tönnies-Arena nicht das 0:1 durch Sinisa Veselinovic (Mitte) verhindern. Foto: Wolfgang Wotke

Stefan Grädler, 52-jähriger Ex-Profi, schmeckt es so gar nicht, dass SCV-Trainer Golombek im Vorfeld der Partie leicht süffisant in Richtung Gegner und Kollege Mario Ermisch gestichelt hat (»Rödinghausen liegt hinter den Bergen bei den sieben Zwergen« und »Sie haben ja den besten Trainer«). Er erklärt: »Wir hätten seine Respektlosigkeit gern bestraft. Ich hoffe, dass er in Zukunft vernünftiger ist.« Während Golombek derweil das Remis analysiert, verlässt Ermisch wortlos den Kunstrasenplatz in Rheda, der aufgrund des Verler Stadion-Umbaus als Ausweichstätte dient.

In der Tönnies-Arena tritt der SCV zum zweiten Mal in einem Meisterschaftsspiel an. Nachdem er die Premiere am 19. April 2013 gegen Schalkes U 23 mit 1:3 verloren hat, bleibt er auch gegen die Gäste aus dem Wiehengebirge ohne Sieg. Das liegt vor allem an der eklatanten Chancenverwertung, denn bei besserer Ausbeute wäre auch aus Sicht des Verler Trainers der zweite Saisonsieg durchaus fällig gewesen. »Ich sage es ganz ehrlich: Wir müssen hier in Führung gehen. Ich glaube, dass wir die agilere Mannschaft gewesen sind, nur wir haben ein Problem: Wir haben Chancen, aber wir drücken sie nicht rein.«

In der Tat: Rödinghausen hat zwar zunächst mehr Spielanteile, die besseren Gelegenheiten gehören jedoch den ganz in Schwarz gekleideten Verlern. Jonas Erwig-Drüppel (33.), Jannik Schröder (35.) und Hamadi Al Ghaddioui, dessen Abschluss von SVR-Debütant Jarno Peters im Tor mit einem Spreizschritt geblockt wird (39.), haben beste Einschussmöglichkeiten. Auch Manuel Rasps Freistoß findet nicht ins Ziel (41.).

Ähnlich geht’s im zweiten Durchgang weiter: Erst verpasst Sinisa Veselinovic eine Siek-Flanke. Ab der 50. Minute wird’s dann turbulent: Zunächst lässt der quirlige Jannik Schröder nach Doppelpass mit Haeder aus 13 Metern die beste SCV-Chance ungenutzt (50.), kurz darauf sieht Verls Kapitän Julian Schmidt für ein Foul an Marius Bülter die Gelbe Karte (53.). Wiederum drei Minuten später vergibt Manuel Rasp aus zwölf Metern kläglich (56.). Zu allem Überfluss: Erneut bremst Schmidt im Duell mit Bülter den Rödinghausener unfair – Konsequenz: Ampelkarte (58.)!

»Das waren zwei Fouls, aber laufen lassen kann ich ihn auch nicht«, erklärt der Hinausgestellte. Mit verschränkten Armen muss er am Kabineneingang mitansehen, wie Veselinovic’ Kopfball-Bogenlampe zum 0:1 (61.) einschlägt. »Das war doch kein Druckkopfball, das war ein Ei«, ärgert sich Golombek. Sein Grund zur Freude: Trotz Gegentor und Unterzahl reicht’s durch den Freistoßtreffer von Hamadi Al Ghaddioui noch zum letztlich leistungsgerechten 1:1 (77.).

»Punkt gerettet, aber hochverdient«, wie SCV-Präsident Raimund Bertels findet. Zwei Freistoß- und zwei Elfmetertreffer sowie ein Eigentor von Weltmeister Kevin Großkreutz – zwar bleibt der SC Verl weiter ohne selbst herausgespielten Treffer. Mit sieben Punkten und 5:4 Toren rangiert er jedoch in der Regionalliga auf dem einstelligen Tabellenplatz sieben. Weiter geht es bereits am Donnerstag, wenn die Golombek-Elf um 19.30 Uhr im Westfalenpokal beim BSV Menden antritt

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