Kevin Großkreutz ist Borussias großer Pechvogel – Verl hält dem Dortmunder Dauerdruck stand Tor-Geschenk vom Weltmeister

Dortmund (WB). Als der Stadionsprecher den Star »...und besonders herzlich begrüßen wir heute Kevin Großkreutz« ankündigt, brandet im BVB-Fanblock großer Jubel aus. Ein Fußball-Weltmeister,  wenngleich damals ohne Einsatz im Aufgebot der deutschen Mannschaft, taucht überraschend in der Regionalliga auf! Doch die vermeintliche Verstärkung für die U23 der Dortmunder Borussia sollte sich als ein Glücksfall für den SC Verl herausstellen.

Von Uwe Caspar
Duell im Mittelfeld: Der Verler Jannik Schröder kann auch hier gegen den Dortmunder  Borussia-Profi Kevin Großkreutz klären.
Duell im Mittelfeld: Der Verler Jannik Schröder kann auch hier gegen den Dortmunder Borussia-Profi Kevin Großkreutz klären. Foto: Uwe Caspar

Denn ausgerechnet Großkreutz fabriziert das verhängnisvolle Eigentor, das den Ostwestfalen ihren ersten Saisonsieg beschert. Ein nettes Geschenk vom Weltmeister, der den von Daniel Mikic geschossenen Ball ins eigene Netz befördert.

»Ich glaube, dass der Ball vorbei gegangen wäre«, räumt der Verler nach Abpfiff schmunzelnd ein. Fehlstart für die Schwarz-Gelben (zweite Schlappe im zweiten Spiel), während ihr Gegner mit vier Punkten gut aus den Startlöchern gekommen ist.

»Glücklich, aber nicht unverdient gewonnen«, freut sich SCV-Trainer Andreas Golombek riesig über den hart erkämpften 2:1 (0:0)-Erfolg. Die junge Borussia-Truppe gönnt von Anfang der schwer beschäftigten Verler Abwehr kaum eine Atempause. Den Gästen bleibt nichts anderes übrig, als auf Konter zu setzen.

Erst nach nach 16 Minuten prüft Hamadi Ghaddioui zum ersten Mal den BVB-Keeper Hendrik Bonman.

Derweil wollen seine munter drauflos stürmenden Mitstreiter unbedingt die Führung erzwingen, allerdings rennen sie sich immer wieder im Abwehrbollwerk der Gäste fest. Weil’s im Abschluss nicht klappt, probieren es die zu ungestümen jungen Wilden mit Distanzschüssen. Sie verfehlen aber ihr Ziel oder landen in den Händen von SCV-Keeper Sebastian Lange.

»Es war uns von vornherein klar, dass die Dortmunder mehr Spielanteile haben würden«, kommt für Jannik Schröder die optische Überlegenheit des Ex-Drittligisten nicht überraschend. Dafür geht Schröder aus dem Mittelfeld-Duell mit Kevin Großkreutz als eindeutiger Sieger hervor. »Kevin ist aber noch nicht richtig fit«, relativiert Schröder Großkreutz’ mäßigen Auftritt.

Im Laufe der Partie, die er mit seinem Eigentor »krönt«, verschwindet der Mann mit der Trikotnummer 55 trotz allen Bemühens immer mehr in der Versenkung. Erst kurzfristig erfährt U23-Trainer David Wagner, dass ihm Großkreutz zur Verfügung steht: Borussias Fan-Ikone wird nicht für das Pokalspiel der Profis in Chemnitz benötigt.

Zwar tritt seine Mannschaft auch nach der Pause das Gaspedal voll durch, doch jetzt hat Verl offensiv mehr zu bieten. Mit Chancen für Schröder, Ghaddioui und dem fleißigen Jonas Erwig-Drüppel. Die 1:0-Führung, Manuel Rasp verwandelt den unstrittigen Strafstoß, ist nicht unverdient.

Zwischendurch indes heizen die Borussia-Bubis der SCV-Defensivabteilung weiterhin kräftig ein und dürfen bald den Ausgleich bejubeln, als Verl nur einmal nicht aufpasst. Wagners Schützlinge kämpfen auch nach dem Eigentor-Missgeschicks ihres Weltmeisters unverdrossen weiter. Mit riesiger Unterstützung ihrer Fans, die fast ohne Unterbrechung singen und anfeuern.

»Dortmund hat enorm Druck gemacht. Die können über die komplette Spielzeit Vollgas geben. Es wird nicht viele Regionaliga-Teams geben, die dem Dauerdruck gewachsen sein werden«, lobt Andreas Golombek den Verlierer in höchsten Tönen. Seine Mannschaft hat dem Ansturm standgehalten – auch weil sie erfahrener und cleverer ist.

David Wagner kann seinen Youngstern keinen Vorwurf machen. »Sie haben alles gegeben. Aber sie müssen lernen, den Punch zu setzen«, meint der ehemalige Profi. Der SC Verl hat’s seinen Jungs vorgemacht.

Borussia Dortmund U23: Bonman - Knystock (56. Hake), Stankovic, Sarr, Dudziak - Solga, Maruoka - Großkreutz, Harder, Ozbolt (75. Dieckmann) - Ionannidis (56. Eberwein).
SC Verl: Lange - Großeschallau, Schmidt, Stöckner, Unzola - Schröder, Mikic - Rasp (74. Aydin, Haeder (77. Hecker), Erwig-Drüppel - Ghaddioui (86. Geisler).
Schiedsrichter: Alexander Ernst  (Holzen-Sommerberg)
Zuschauer: 1780.
Gelbe Karten: Stankovic - Haeder.

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