Thorsten Stuckmann erlebt als deutscher Torwart in Englands 3. Liga einen Kindheitstraum und Kurioses Neujahrsgrüße vom Hotelklo

Preston/Gütersloh (WB). Einmal hat Thorsten Stuckmann seiner Frau Sina von der Zimmertoilette eines englischen Sporthotels flüsternd viel Glück für das neue Jahr wünschen müssen. Diese Anekdote zählt zu den Eigenheiten, die man als deutscher Torwart im britischen Profifußball in Kauf nehmen muss. Seit 2011 steht der Gütersloher in Englands 3. Liga beim Arbeiterklub Preston North End zwischen den Pfosten. So richtig stressig wird es für den 33-Jährigen meist kurz vor der Jahreswende.

Von Christian Bröder
Der grüne »german Hüne«: Seit mehr als drei Jahren arbeitet der gebürtige Gütersloher Thorsten Stuckmann als Torwart beim englischen Drittligisten Preston North End FC. Am Samstag muss der 33-jährige Ostwestfale schon wieder im Pokalwettbewerb gegen Norwich City ran.
Der grüne »german Hüne«: Seit mehr als drei Jahren arbeitet der gebürtige Gütersloher Thorsten Stuckmann als Torwart beim englischen Drittligisten Preston North End FC. Am Samstag muss der 33-jährige Ostwestfale schon wieder im Pokalwettbewerb gegen Norwich City ran.

Scharfe Schüsse zwischen Putenbraten und Chinaböllern: Vom Tannenbaum geht's für Stuckmann direkt in die Kabine, denn auf der Insel wird über die Feiertage durchgespielt. »Am zweiten Weihnachtsfeiertag steht der Boxing Day an. Da ist die Stimmung immer sehr speziell. Diesmal war sie bei uns sogar noch besser«, strahlt der in Gütersloh geborene Stuckmann. Mit seinen »Lilywhites« – den Lilienweißen – hat er am vergangenen Freitag im Heimspiel vor 13 793 Zuschauern schließlich den FC Barnsley 1:0 besiegt und weiterhin offene Karten im Aufstiegsrennen.

Zur Person

Vorname: Thorsten
Name: Stuckmann
Geburtsdatum: 17. März 1981
Geburtsort: Gütersloh
Größe: 1,99 Meter
Gewicht: 97 Kilogramm
Familienstand: verheiratet, Ehefrau Sina (31), zwei Kinder: Lasse (6 Monate) und Ben (3 Jahre)
Verein: Preston North End FC in der 3. englischen Liga
Position: Torwart
Rückennummer: 21
Hobbys: Zeit mit der Familie, Spaziergänge mit dem Hund, Basketball, Tennis
Lieblingsklub: Eintracht Braunschweig (»Dort hatte ich meine erfolgreichste Zeit«)
Lieblingsspieler: früher Oliver Kahn, heute führt kein Weg an Manuel Neuer vorbei
Lieblingsgetränk: Kölsch (»Was ich in England nicht bekomme«)
Lieblingsessen: Süßkartoffeln in allen Variationen

Vor etwas mehr als drei Jahren ist der Ostwestfale, der es nach seiner Jugendzeit beim FC Gütersloh (1996-2000) für Eintracht Braunschweig und Alemannia Aachen auf 150 Einsätze in der 2. Bundesliga gebracht hat, in den 141 000-Einwohner-Ort in der Grafschaft Lancashire gezogen. Des Jobs wegen. »Es war immer ein Traum von mir. Schon als kleiner Junge wollte ich einmal in England spielen. Der Fußball hier ist etwas robuster. Das liegt mir«, schmunzelt der 1,99 Meter große und 97 Kilo schwere Hüne.

»Ein Klub mit Seele«

In Aachen sei es seinerzeit nach vier Jahren nicht mehr optimal gelaufen. Nach einigen Probetrainings in Swansea (»Sie haben sich für Gerhard Tremmel entschieden«), bei Leeds (»Die haben abgesagt«) und in Preston hat er sich mit dem Verein aus dem Malocher-Örtchen im englischen Nordwesten geeinigt.

»Ein Klub mit Seele«, wie Stuckmann sagt, dessen Arbeitgeber als erster englischer Meister im Jahr 1889 Sportgeschichte geschrieben hat. Zu seinen Heimspielen begrüßt der Preston North End FC im Deepdale-Stadium im Schnitt 10 000 Zuschauer. Einige von ihnen sind es auch gewesen, die ihm während eines Auswärtsspiels mal mit deutschen Fahnen und Gesichts-Masken seines Konterfeis beim »Stuckmann-day« zugejubelt haben. Sie und andere haben sich am vergangenen Sonntag, zwei Tage nach dem Boxing-Day-Match, mit einem 1:1 im Ligaspiel gegen Abstiegskandidat Crewe Alexandra begnügen müssen. »Da habe ich ein doofes Gegentor kassiert. Aber generell läuft es derzeit ganz gut«, sagt Stuckmann.

Ungeschlagen im Jahr 2014

Nach einiger Zeit auf der Reservebank hat sich der Mann mit der Rückennummer 21 im November seinen Stammplatz zurückerobert, zehn Spiele absolviert, nur vier Gegentore kassiert und keines verloren. »Ich bin 2014 noch ungeschlagen«, feixt Stuckmann, der Fish and Chips zumindest »ab und zu mal lecker« findet, einem frisch gezapften Guinness aber nichts abgewinnen kann.

Mit Ehefrau Sina (31), dem sechs Monate alten Lasse, seinem ersten Sohn Ben (3) und der fünf Jahre alten Labrador-Hündin Paula ist der gelernte Elektroinstallateur im rauen Nordwesten der Insel, 30 Minuten entfernt von Manchester, heimisch geworden. Sportlich geholfen haben ihm dabei auch die Fans, die ihn vor drei Jahren in seinem allerersten Spiel nach drei gehaltenen Elfmetern gleich zum neuen Publikumsliebling auserkoren haben. In der gleichen Spielzeit ist Thorsten Stuckmann zum Spieler der Saison gewählt worden. Sein Vertrag bei Preston North End läuft noch bis zum 30. Juni 2015. »Ich würde gerne bleiben, kann mir aber auch gut vorstellen, noch einmal nach Deutschland zu wechseln. Nach der Karriere will ich dort mit meiner Familie leben«, sagt Stuckmann, der aktuell das Elternhaus seiner Frau in Erftstadt bei Köln umbauen lässt.

Vor der Rückkehr ins Heimatland hat der Torhüter jedoch noch große Ziele für das nächste Jahr: Mit Preston North End will er in die 2. Liga aufsteigen. Zudem soll mit einem Halbfinal-Sieg gegen Walsall FC der Einzug ins Endspiel um die League Trophy gelingen: »Den Traum vom Finale in Wembley möchte ich mir 2015 erfüllen.«

Am Samstagnachmittag wartet auf den Deutschen die dritte Runde im FA-Cup. Gegner ist Zweitligist Norwich City. Es ist die dritte Partie binnen neun Tagen. Halt der übliche Stress um die Feiertage, von denen Profifußballer in England oft wenig haben. Vor allem nicht, wenn Auswärtsspiele anstehen. »Den Jahreswechsel habe ich schon häufig im Hotel verbracht. Ein Mitspieler und Zimmernachbar ist an Silvester mal um 22 Uhr eingeschlafen. Aus Rücksichtnahme habe ich meine Frau dann von der Toilette aus angerufen und ihr flüsternd ein frohes neues Jahr gewünscht«, erzählt der deutsche Torwart eine Anekdote aus Englands 3. Liga.

Psst! Leise müssen Mister und Misses Stuckmann an diesem Silvestertag nicht sein. Sie rutschen mit Raclette und guten Freunden aus Deutschland ins neue Jahr. Lediglich bei Sekt und Champagner hält sich Thorsten Stuckmann vornehm zurück: »Einen Kater kann ich mir nicht erlauben. Am Donnerstag wird ja trainiert.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.