FSV Gütersloh quält sich in der 2. Bundesliga gegen Berlin zum 3:1 – Torschützin Laura Liedmeier verlässt Verein  Unions eiserner Vorhang 

Rheda-Wiedenbrück (WB). Man nennt sie »Die Eisernen« und diesem Namen machen die Fußballerinnen von Union Berlin in der Tönnies-Arena gestern alle Ehre. Sie reisen im optisch gepanzerten »Mannschaftstransporter« an. Und sie rauben dem FSV Gütersloh mit zwei im Abstand von oft nur fünf Metern vernetzten Viererketten die Nerven. Zwar gewinnt der Gastgeber sein letztes Spiel des Jahres in der 2. Bundesliga mit 3:1 (1:0). Es ist jedoch ein mühsam errungener Erfolg gegen Unions eisernen Vorhang.

Von Christian Bröderund
Selten haben Nina Ehegötz (vorne) und der FSV Gütersloh gestern Vormittag in der Tönnies-Arena mal genügend Raum zur Ballkontrolle. Josephine Ahlswede (links) und Union Berlin wehren sich mit einem engmaschigen Abwehrnetz, kassieren am Ende aber drei Treffer.
Selten haben Nina Ehegötz (vorne) und der FSV Gütersloh gestern Vormittag in der Tönnies-Arena mal genügend Raum zur Ballkontrolle. Josephine Ahlswede (links) und Union Berlin wehren sich mit einem engmaschigen Abwehrnetz, kassieren am Ende aber drei Treffer. Foto: Carsten Borgmeier

 Wie eine unüberwindbare Grenze wirkt phasenweise das dicht gestaffelte Abwehr-Bollwerk. Das liegt allerdings weniger an der Qualität des Tabellen-Vorletzten (fünf Punkte, 10:38 Tore), als mehr an einem schlechten Tag, den die Gütersloherinnen im Kollektiv erwischen. Die richtigen Mittel findet die Elf von Trainer Ralf Lietz vor rund 70 Zuschauern nämlich eher selten. »Wir haben's schon besser gemacht – das muss man ganz klar sagen«, sind deshalb auch die ersten Worte, die der 48-Jährige nach dem Abpfiff im Kreis an seine Spielerinnen richtet.

 Nur Minuten später in der Pressekonferenz wird er trotz der drei gewonnenen Punkte und des Sprungs auf Tabellenplatz vier (22 Punkte, 30:15 Tore) noch deutlicher: »Das war aus meiner Sicht das schlechteste Saisonspiel. Da sind sich alle einig und das lässt sich auch nicht wegdiskutieren.«

 Früh sorgt Nina Ehegötz mit einem Kopfball (2.) für die erste Angriffssituation, danach passiert jedoch lange nichts. Die Hauptstädterinnen stehen tief und lassen dem FSV Gütersloh, bei dem Josephine Giard nach Umstellungen als Linksverteidigerin und Katrin Posdorfer in der Innenverteidigung aufläuft, dabei nur wenig Räume. Offensivszenen wie die Lattentreffer von Shpresa Aradini (22.) und der Berlinerin Bianka Joswiak (25.) haben Seltenheitswert. Zu umständlich agiert der Gastgeber. »Uns fehlte die Geradlinigkeit auf dem Platz, wo man mit Maulwürfen eigentlich nicht zu tun hat«, bilanziert Lietz. Sehenswert fällt jedoch die Führung: Pia Lange schlägt von halbrechts einen Flankenball in den Sechzehner. Während Marie Pollmann aus dem passiven Abseits rausläuft, taucht Birgitta Schmücker aus der Tiefe auf und vollstreckt im zweiten Versuch zum 1:0 (42.).

 Im zweiten Durchgang agiert der FSV zwar vorne meist druckvoller, hinten jedoch mit Hang zum Risiko und vielen Fehlpässen, die sich besonders häufig Wiebke Tepe leistet. »Gerade in der Defensive waren wir heute schlecht. Eine Spielerin, ich nenne keine Namen, wollte auch raus, aber das habe ich ihr nicht zugestanden. Da muss man durch, wenn man 92 Minuten Grütze spielt«, kritisiert Lietz schonungslos.

 An den letzten Treffern ist die eingewechselte Laura Liedmeier beteiligt, die heute ihren 18, Geburtstag feiert, den FSV aber in der Winterpause in Richtung Arminia Bielefeld verlässt. Eine Vorlage von ihr schiebt Nina Ehegötz ins rechte untere Eck zum 2:0 (78.). Mit einem 25-Meter-Heber gelingt Liedmeier schließlich per Traumtor das 3:0 (86.). »Wir haben es uns selber schwer gemacht. Aber am Sieg gab es keine Zweifel«, sagt Marina Hermes. Bemerkenswert beenden die Berlinerinnen die Partie: »Die Eisernen« stecken nicht auf und belohnen sich mit dem 1:3 (90.+2). Auch ihr Glaube erweist sich als eisern.

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