Autsch! SC Wiedenbrück bekommt in Essen vor 7889 Zuschauern vom Ex-Spieler zwei Treffer eingeschenkt »Studti« tut der alten Liebe weh 

Essen (WB). Drei Jahre lang ist Marwin Studtrucker mit dem SC Wiedenbrück durch dick und dünn gegangen. Am Freitagabend hat er seine alte Liebe abgeschossen. Zwei Tore steuert der 24-Jährige zum 3:1 (2:1)-Erfolg von Rot-Weiss Essen gegen seinen Ex-Klub bei. RWE ist damit zumindest für eine Nacht Tabellenführer. Und die Ostwestfalen müssen nach der siebten Saisonpleite befürchten, vor der Winterpause in der Fußball-Regionalliga West noch ein paar Plätze abzurutschen.

Von Dirk Heidemann
Der Mann des Abends an der Hafenstraße: Ex-Wiedenbrücker Marwin Studtrucker erzielt am Freitag für Rot-Weiss Essen zwei Treffer gegen seinen ehemaligen Klub. Jeffrey Volkmer (hinten rechts) und der SCW müssen sich 2:3 geschlagen geben.
Der Mann des Abends an der Hafenstraße: Ex-Wiedenbrücker Marwin Studtrucker erzielt am Freitag für Rot-Weiss Essen zwei Treffer gegen seinen ehemaligen Klub. Jeffrey Volkmer (hinten rechts) und der SCW müssen sich 2:3 geschlagen geben.
Es regnet Bindfäden: Alfons Beckstedde ist stummer Zeuge.

Zu Beginn gibt es im Stadion Essen diesmal etwas mehr als die sonst übliche Gänsehaut-Stimmung: Die rot-weißen Fans unter den trotz Dauerregens gekommenen 7889 Zuschauern verabschieden den kürzlich 92-jährig verstorbenen August Gottschalk, Kapitän der Pokalsieger- und Meistermannschaft von 1955. Statt zu schweigen initiieren sie eine Applaus-Minute.

Jetzt wird wieder in die Hände geklatscht, heißt es kurz darauf beim Gast, für den Jure Colak (für Carsten Strickmann) und Julian Loose (für Aleksandar Kotuljac) wieder in der Startelf auflaufen. Zwar hat Ex-Wiedenbrücker Studtrucker völlig frei am linken Pfosten schnell die erste RWE-Chance (3.), doch insgesamt spielen die von gut 80 Anhängern aus dem Gästefanblock unterstützten Emsstädter gut mit. Nicht nur das: Die Elf von Alfons Beckstedde, dessen Nachname auf dem Spielberichtsbogen fälschlicherweise als Beckstegge auftaucht, geht sogar durch Mariusz Rogowski mit 1:0 (10.) in Front. Das geht in Ordnung, da sich die Essener im Defensivverhalten eine Viertelstunde lang vogelfrei verhalten.

Gravierende Mängel in der Abwehrarbeit gibt es aber beiderseitig, denn in der Folge stellt sich der SCW hinten sehr abenteuerlich an. Allerdings ist der brillant aufspielende Studtrucker (von Juli 2011 bis 2014 in Wiedenbrück) durch seine ehemaligen Mitspielern auch nur schwer vom Ball zu trennen. »Einige haben wohl gedacht, sie würden mit Studtrucker noch in einer Mannschaft spielen. Das ist doch ein Witz, dass der so alleine rumlaufen darf«, ärgert sich SCW-Coach Beckstedde über den Geleitschutz für Studtrucker. Der erzielt seine ersten beiden Heimspieltore für RWE und trifft wie schon beim Essener 3:0-Erfolg im Hinspiel. Diesmal langt »Studti« binnen sieben Minuten sogar gleich zweimal zu, erzielt das 1:1 (16.), kurz darauf das 2:1 (23.). Das es dabei bis zum Pausenpfiff bleibt, ist aus Gästesicht schmeichelhaft, denn gerade in der Defensive ist Wiedenbrück einfach nur schlecht. Ein Studtrucker-Schlenzer über Marcel Hölscher hinweg landet noch am Pfosten (41.). »Das wäre das I-Tüpfelchen gewesen. Dann hätte Marcel heute Nacht schlecht geschlafen«, feixt Studtrucker.

Die »Pleiten, Pech und Pannen«-Serie setzt sich nach der Pause fort: Zunächst erzielt Cebiou Soukou das 3:1 (48.). Dann können bei einem Konter drei Essener gegen einen SCWer vorzeitig alles klar machen, scheitern jedoch (51.). Einem weiteren bedrohlichen Studtrucker-Schuss (52.) folgen die Chance von Tobias Puhl, der am Torwart scheitert (53.), und ein Distanzversuch von Wassey (58.). Gefährlicher bleibt jedoch Essen in Form von Tim Hemes (auch eine Ex-Wiedenbrücker), der Hölscher zur Parade zwingt (63.). Zwar gelingt Jure Colak noch das 2:3 (83.), doch die Essener müssen nicht mehr zittern. In der Winterpause gibt's das nächste Wiedersehen: Beide Klubs haben ein Testspiel vereinbart.

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