Simon Engelmann erzielt für den SC Verl vor 1986 Zuschauern in Oberhausen das 1:1  Wieder einen Großen geärgert 

Kreis Gütersloh (WB). Es kommt beim SC Verl nicht alle Tage vor, dass Hauptsponsor Wolfgang Beckhoff ein Spiel von der Auswechselbank aus verfolgt. »Das ist bestimmt 20 Jahre her«, will sich auch SCV-Präsident Raimund Bertels am Samstag nicht so recht an das letzte Mal erinnern. Sei's drum! Vielleicht trägt aber gerade die ungewohnt direkte Anwesenheit des 75-jährigen Gönners dazu bei, dass sich die kickenden Angestellten des Fußball-Regionalligisten richtig ins Zeug legen und ein allemal verdientes 1:1 (1:0) bei Rot-Weiß Oberhausen erkämpfen.

Von Christian Bröder
Auf dem Weg zum Ausgleich: Simon Engelmann (links) wird nach einem mustergültigen Zuspiel von Matthias Haeder zwar noch von Robert Fleßers bedrängt. Der 25-Jährige setzt sich aber durch und nutzt diese Chance zum 1:1 (58.).
Auf dem Weg zum Ausgleich: Simon Engelmann (links) wird nach einem mustergültigen Zuspiel von Matthias Haeder zwar noch von Robert Fleßers bedrängt. Der 25-Jährige setzt sich aber durch und nutzt diese Chance zum 1:1 (58.).

1986 Zuschauer verfolgen am 18. Spieltag im traditionsreichen Niederrheinstadion eine packende und intensive Partie, in der die Gäste aus Ostwestfalen bei ihrem sechsten Unentschieden der Saison einmal mehr einen der »Großen« kräftig ärgern. Das Remis gefällt Trainer Andreas Golombek: »Wir sind sehr glücklich über einen Auswärtspunkt gegen eine Mannschaft, die von den Leuten her in der Tabelle mit ganz nach oben gehört.« Bis zu diesem Satz in der Pressekonferenz bringen der 46-Jährige und seine Schwarz-Weißen allerdings eine emotionale Achterbahnfahrt hinter sich.

Ex-Präsident Beckhoff (1967-1973) hat gerade erst seinen Bank-Platz neben Klubboss Bertels eingenommen, da zischt ein 25-Meter-Freistoß von Ralf Schneider über den SCV-Kasten (2.). Die gegenüber dem 5:0 bei der U23 des VfL Bochum unveränderte Verler Startelf sieht sich in der Anfangsphase deutlich mehr Druck ausgesetzt als noch in der Vorwoche. Zwar scheitert Hamadi Al Ghaddioui aus acht Metern nur knapp an RWO-Keeper Philipp Kühn (15.), doch im Anschluss läuft alles Knall auf Fall.

Erst gelingt Liga-Toptorjäger und Sturmtank David Jansen (1,92 Meter, 89 Kilo) mit seinem elften Saisontor nach einem ruhenden Ball und Kopfballvorlage des Oberhausener U23-Akteurs Kevin Krystofiak das 1:0 (16.). Eine Minute nach der einstudierten Freistoß-Variante verpasst der frühere Wiedenbrücker Nick Brisevac mit einem Pfostenschuss den Doppelschlag. Und in der derselben Situation fliegt Jansens Nachschuss Millimeter am Verler Pfosten vorbei (17.). »Da kann es eigentlich schon 0:2 stehen. Am allermeisten stört mich aber, dass wir das Gegentor nach einer Standardsituation bekommen – das passiert zu oft. Und Jansen weiß in einer solchen Situation, wo er hinlaufen muss«, ärgert sich Andreas Golombek.

Danach hat der Ex-Profi jedoch weitaus mehr Grund zur Freude. Seine Elf kommt zurück, hat schon vor der Pause Chancen durch einen knallharten 28-Meter-Freistoß von Manuel Rasp (24.) und Simon Engelmann, dessen Torerfolg beim Schuss aus spitzem Winkel nur das Gesicht von RWO-Schlussmann Kühn im Wege steht (36.). RWO wird nur noch einmal bei einem Bauder-Freistoß gefährlich, den Krystofiak vor die Füße von Lange köpft (43.) – eine Parallele zum 1:0. »Wir hatten zunächst keinen Zugriff. Dann haben wir uns in die Partie reingekämpft«, erklärt Kapitän Julian Schmidt, der in der Innenverteidigung mit Julian Stöckner eine überragende Partie abliefert. Neben der insgesamt stark verteidigenden Viererkette ist der zweite Garant dafür, dass sich die weiterhin auf Platz acht rangierenden Verler (27 Punkte, 22:12 Tore) beim Tabellenvierten (31, 31:23) mit einem Punkt belohnen, das erhöhte Engagement im zweiten Durchgang gepaart mit gefährlichem Umschaltspiel.

Aus einem Ballgewinn mit Tempoverschärfung resultiert letztlich das 1:1 (58.), bei dem der sich im Abseits wähnende Simon Engelmann einen maßgerechten Pass von Matthias Haeder verwandelt. »Ich dachte im ersten Moment, der Schiri pfeift«, wundert sich Engelmann später. Mit der Leistung des Schiedsrichter-Gespanns zeigen sich im übrigen beide Vereine nicht zufrieden. Während beim Gastgeber noch gleich zweimal Patrick Schwikowski fälschlicherweise wegen Abseits zurückgepfiffen wird (27./57.), liegt Schiedsrichter Thomas Altgeld ebenso tendenziell daneben, als er Julian Stöckners Kopfballtreffer wegen derselben Regelwidrigkeit nicht gibt und kurz vor dem Abpfiff Daniel Mikic für ein Allerweltsfoul die Gelbe Karte (90.+1) zeigt.

Der Verler Geldgeber Wolfgang Beckhoff erlebt die emotionalen Momente auf eigenen Wunsch diesmal hautnah von der Bank aus mit. Und Trainer Andreas Golombek gerät am Ende in Schwärmen: »Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Wenn wir jetzt noch gegen Kray erfolgreich sind, haben wir eine Hammer-Hinserie gespielt,«

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