Böckstiegel-Lauf künftig unter neuer Regie: Orga-Chef Robert Becker im Interview Unverwechselbar wie der »Hermann«

Werther (WB). Für die Sportler soll sich wenig ändern, aber der Böckstiegel-Lauf in Werther steht bei seiner 15. Auflage am 29. September unter neuer Regie. Robert Becker, Betreiber der Firma rb Sport- und Eventmarketing in Marienfeld, übernimmt die organisatorische Verantwortung vom LC Solbad Ravensberg. Im Gespräch mit WB-Sportredakteur Gunnar Feicht äußert sich der 53-Jährige zu seiner neuen Herausforderung, zu den Zukunftsperspektiven von Ausdauersport-Veranstaltungen und Trends in der Läuferszene.

Robert Becker organisiert mit seinem Verein Trispeed Marienfeld auch den großen Harsewinkeler Triathlon. Hier gratuliert er beim Zieleinlauf dem Borgholzhausener Daniel Knoepke.
Robert Becker organisiert mit seinem Verein Trispeed Marienfeld auch den großen Harsewinkeler Triathlon. Hier gratuliert er beim Zieleinlauf dem Borgholzhausener Daniel Knoepke.

Als Organisationschef tragen Sie in Zukunft die Verantwortung für die Fortführung der Erfolgsgeschichte des Böckstiegel-Laufs. Warum sind Sie eingestiegen?

Robert Becker: Der LC Solbad Ravensberg hat mir diese Aufgabe angeboten und in den Gesprächen mit dem Vorstand hatte ich gleich ein gutes Gefühl. Ich kenne den Lauf gut, habe selbst dreimal teilgenommen und finde das Paket dieser Veranstaltung beeindruckend: die außergewöhnliche Streckenführung, die stimmungsvolle Zielankunft auf dem Venghauss-Platz, das ganze Drumherum. Das ist ein »Hermannslauf in klein« mit dem richtigen Zeitabstand zum »Original«. Wichtig war natürlich auch die Zusicherung des LC, dass viele erfahrene Helfer weiter dabei sein werden. Das erleichtert den Einstieg.

Sie bauen also weiterhin auf einen Stamm bewährter Helfern aus den Reihen des LC. Wie können beide Seiten – ein professioneller »Vermarkter« und der Verein, der weiterhin für das Bindeglied zum Leichtathletikverband sorgt – von der Zusammenarbeit profitieren?

Becker: Der Verein kann sich über einen nahtlosen Übergang für seine erfolgreiche Veranstaltung freuen und profitiert natürlich weiterhin durch eine angemessene Entschädigung von dem Einsatz seiner Mitglieder. Ich profitiere dann, wenn ich diesen populären Lauf auf dem hohen Niveau der vergangenen Jahre halte oder ihn mit meiner Erfahrung und der einen oder anderen Idee noch ausbaue.

Welche Pluspunkte bringt ein Organisationsleiter, der aus der Sportszene kommt, gegenüber rein wirtschaftlich orientierten Event-Agenturen ins Spiel?

Becker: Ich bin seit mehr als 30 Jahren als Aktiver und als Veranstalter in der heimischen Szene etabliert und entsprechend bekannt, habe meine Erfahrungswerte und Kontakte. Dadurch stelle ich als Ein-Mann-Show eine Sportveranstaltung erheblich günstiger auf die Beine als Unternehmen, die mit viel größerem Budget arbeiten, dafür aber auch viel höhere Startgebühren aufrufen. Manchmal denke ich mir allerdings auch: Warum sind wir in OWL nicht in der Lage, mit einer boomenden Wirtschaft im Rücken mal ein neues, richtig großes Ausdauersportereignis aufzuziehen? Neben dem Hermannslauf, der ja für die Sportszene quasi vom Himmel gefallen ist.

Landschaftsläufe boomen seit einigen Jahren, konventionelle Cityläufe und kleinere Traditionsvolksläufe kämpfen vielfach ums Überleben. Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Becker: Einerseits ist das die Folge einer gewissen Herdenbewegung: Da wo viele sind, strömen viele andere hin. Cityläufe haben heutzutage das Problem, dass in den Innenstädten generell nicht mehr so viel Leben ist wie früher. Und wenn die Veranstaltung kleiner wird und ein Gewöhnungseffekt eintritt, sinken auch die Zuschauerzahlen, ebbt die Stimmung an der Strecke ab. Da sagen sich dann viele Hobbysportler: Laufe ich doch lieber durch die abwechslungsreiche Natur.

2007 reichte eine Zeit von 1:15 Stunden beim Böckstiegel-Lauf zum 50. Gesamtrang, 2017 belegte man damit Platz 17: Die Leistungsdichte bei Volks- und Straßenläufen ist erheblich zurückgegangen. Wo sehen Sie als langjähriger Beobachter die Gründe?

Becker: Es fehlt in der Breite an ehrgeizigem Nachwuchs, Laufsport ist bei den Jüngeren der Iphone-Generation nicht up to date. Auch wenn einige Top-Talente wie der Bielefelder Clemens Erdmann Spitzenleistungen bringen, sind das Ausnahmen. Viele steigen erst ab 30, 35 ein, wenn der Fitnessgedanke im Vordergrund steht. Da nimmt auch die Frauenquote deutlich zu. Die Zahl der richtig Ehrgeizigen, die sich im Jahr bei 15 oder mehr Wettkämpfen auspowern, ist deutlich geringer geworden. Das trifft auch die Dorflauf-Veranstalter. Die sind wegen des veränderten Freizeitverhaltens zudem stark vom richtigen Termin abhängig.

Vereine haben zunehmend Probleme, genügend ehrenamtliche Helfer und Streckenposten für Laufereignisse zu motivieren. Liegt die Zukunft ausschließlich in der Einbindung professioneller Ordnungsdienste? Oder sehen Sie andere Modelle, die Unterstützung attraktiver zu machen?

Becker: Bei Straßensperrungen oder heiklem Querverkehr sind Profis unverzichtbar, weil die mit uneinsichtigen Autofahrern zweifellos besser klar kommen. Für die anderen Bereiche gilt: Je besser die Ansprache durch den Vorstand ist und je besser es insgesamt im Verein läuft, desto größer ist die Bereitschaft. Die wächst, wenn die Veranstaltung eine gewisse Wertigkeit hat. Wichtig ist auch, die Mitglieder nicht durch zu viele oder zu lange Einsätze überzustrapazieren.

Sie organisieren mit ihrem Verein Trispeed Marienfeld den Harsewinkeler Triathlon mit mehreren hundert Teilnehmern. Welches sind weitere Eckpfeiler, um ein solches Ereignis erfolgreich zu etablieren.

Becker: Wir hatten vor einigen Jahren einen Teilnehmerrekord von 1100 Triathleten, jetzt hat es sich bei der gesunden Größe von 750 eingependelt. Das Gesamtpaket muss passen: erfahrene Helfer, günstiger Termin, zwei, drei gute Sponsoren und die richtigen Örtlichkeiten für die Athleten.

Am 29. September 2018 steigt der 15. Böckstiegel-Lauf. Was wünschen Sie sich für diesen Tag?

Becker: Ich hoffe auf 1500 zufriedene Teilnehmer, die allesamt gesund und ohne Unfälle ins Ziel kommen, wo sie dann von möglichst vielen Zuschauern und Angehörigen empfangen werden. Antrittsgelder für irgendwelche Topläufer spielen in meinen Plänen keine Rolle. Die holt man besser zu einem Vortragsabend für die Läufer. Ich setze lieber darauf, dass möglichst viele OWL-Raketen starten – vielleicht mal wieder inklusive eines Amanal Petros.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.