Thilo Günther startet zum zweiten Mal beim »International Pikes Peak Hillclimb« Mit 225 PS den Berg rauf rasen

Bielefeld  (WB). Thilo Günther weilt seit Dienstag in Colorado Springs. Am 24. Juni geht der Motorrad-Rennfahrer aus Bielefeld beim legendären 96. »International Pikes Peak Hillclimb« an den Start. 156 Kurven sind es bis ins Ziel auf dem Gipfel des 4302 Meter hohen Berges, der zum Massiv der Rocky Mountains gehört.

Von Jörg Manthey
Thilo Günther mit dem sportlichen Boxer aus dem vorigen Jahr, der R 1200 R (links) und der angriffslustigeren S 1000 R mit 225 PS, die er am 24. Juni pilotiert.
Thilo Günther mit dem sportlichen Boxer aus dem vorigen Jahr, der R 1200 R (links) und der angriffslustigeren S 1000 R mit 225 PS, die er am 24. Juni pilotiert. Foto: SashMedia

Das zweitälteste Rennen der USA wird seit 1916 ausgetragen und in der Szene als »Race to the Clouds« (Rennen in die Wolken) verehrt. Keine Auslaufzonen, nur Abgrund. Die unübersichtliche Asphaltpiste mit Kuppen, schattigen Partien und gleißendem Sonnenlicht fordert den Fahrern alles ab; insbesondere Respekt und Mut. Dem 38-jährigen Günther sind die Tücken auf den 20 Kilometern bekannt, schließlich war er im Vorjahr schon bei diesem Bergrennen dabei (diese Zeitung berichtete ausführlich). 2017 raste Günther den Berg in 10:49.177 Minuten rauf, auf einem sportlichen Boxer. Die radikal abgespeckte BMW R 1200 R war ein echter Hingucker und bescherte ihm Rang fünf in seiner Klasse Heavyweight Motorcycles. In der Motorrad-Gesamtwertung wurde der Debütant ordentlicher Zehnter.

»Ich weiß, was wichtig ist und was nicht«

»Was habe ich mir damals im Vorfeld einen Kopf gemacht. Klar bin ich wieder aufgeregt. Doch ich bin auch gut vorbereitet und weiß nun, was wichtig ist und was nicht«, sagt Thilo Günther selbstbewusst. Ohnehin ist diesmal ist alles ein bisschen anders, vor allem die Erwartungshaltung. »Wir haben zwei heiße Eisen im Feuer und wollen um den Sieg mitfahren«, betont Wunderlich-Geschäftsführer Frank Hoffmann. Thilo Günther hofft auf einen Pokal; den kriegen nur die drei Klassenbesten.

BMW S 1000 R mit 225 PS

Die BMW-Tuning-Schmiede Wunderlich bringt zwei modifizierte S 1000 R an den Start. Wiegt das Serienmotorrad 207 Kilogramm (165 PS), so ist die leistungsstarke Pikes-Peak-Rennmaschine 180 Kilogramm leicht, bei 225 PS am Hinterrad. Zwei Stunden lang hatte Günther auf dem Nürburgring eine Beziehung zu seinem Untersatz aufgebaut. Und es war Liebe auf den ersten Blick: »Das Moped lief perfekt. Da steckt richtig Dampf drin. Sind schließlich fast 100 PS mehr als vor einem Jahr!« Zum Team der Sinziger – und Günthers Rivalen – gehört in diesem Jahr auch die Rennamazone Lucy Glöckner (27) aus Zschopau, die in der Langstrecken-WM unterwegs ist.

Höhenluft reduziert Motorleistung

Die anspruchsvolle Strecke auf den Pikes Peak weist einen Höhenunterschied von 1.439 Metern auf. Da ist jede Pferdestärke wichtig, denn die dünne Höhenluft hat eine Nebenwirkung. Mit weniger Sauerstoff brennt auch der Sprit weniger gut. Das wirkt sich ex-trem auf die Motorleistung aus, die sich um um etwa ein Drittel reduziert.

Am Wochenende Reifentest

Vorjahressieger Chris Fillmore hat diesmal für eine andere Klasse gemeldet. So dürfte dessen Markenkollege, der australische KTM-Pilot Rennie Scaysbrook, ärgster Rivale der Deutschen in der Spitzenklasse sein. Der Wunderlich-Tross hat sein Hauptquartier im Hotel Elegante. Von dort ist der Pikes Peak bestens zu sehen. Das Wetter ist bombastisch. Den Tag begrüßt Günther mit Joggen, um seinen Körper an die Höhenluft zu gewöhnen. An diesem Wochenende steht der Reifentest auf dem Programm: am Samstag auf der oberen Sektion, am Sonntag auf der unteren. Danach lassen die Deutschen für eine Weile die Seele baumeln. Mit dem Flieger geht es nach Phönix/Arizona. Eine zünftige Harley-Tour führt sie unter anderem an den Grand Canyon. Vom 18. bis 22. Juni wird dann trainiert, täglich sektionsweise. Aufstehen: morgens um 2 Uhr! Das Zeitfenster beträgt etwa zweieinhalb Stunden. Wenn nach Sonnenaufgang die Touristen kommen, muss alles wieder vorbei sein. Für das verrückte Treiben beim Fan-Fest (22. Juni) wird die komplette Innenstadt von Colorado Springs gesperrt. Günther: »Darauf freue mich mich schon. Die Amis sind echt irre.«

Günther hat nur einen Versuch

Am Renntag sieht er zum ersten Mal den ganzen Berg. Es gibt kein Warm-up, keine Besichtigungsrunde. Thilo Günther hat nur einen Versuch. »Du stellst dich auf, und los geht es. Dann gibst du alles, was du hast.« Der Mythos hat schon Tote gefordert und bleibt gefährlich. In seiner Lederkombi hat er einen Glücksbringer von Töchterchen Lina (5). Damit der Papa wieder heil nach Hause kommt. Am besten mit einem Pokal. »Ich lasse das alles auf mich zukommen. Mit dieser Haltung hat’s immer gut geklappt.« Für seine bundesweite Fangemeinde aktualisiert der »König« des Bremerhavener Fischereihafenrennens das US-Abenteuer regelmäßig auf seiner Facebook-Seite.

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