Motorrad-Rennfahrer bleibt beim 6. Speedhillclimb am Hang stecken Schnee frisst Günthers »Husky«

Bielefeld (WB/jm). Herrlich sinnlos. Beim 6. »Harley & Snow Speedhillclimb« im Ridnauntal (Südtirol) hatten etwa 180 verwegene Biker unbändigen Spaß daran, ihren motorisierten Untersatz einen 250 Meter langen steilen Schneehang hochzuquälen. Mittendrin der Bielefelder Thilo Günther auf dem »Husky« , einer umgebauten BMW R Nine T Scrambler (wir berichteten).

»Lauter verrückte Typen. Eine Super-Veranstaltung«, sagte der 38-Jährige begeistert, obgleich er das Ridnauntal in Italien »ein wenig geknickt« verließ. Auch wenn es in erster Linie ums Erlebnis und nicht ums Ergebnis ging, hatte sich der erfahrene Motorrad-Rennfahrer bei der anspruchsvollen Berg-Gaudi ein besseres Abschneiden als Rang 16 in der Open-Klasse versprochen.

Schnaps im Zielbogen

Training? Fehlanzeige! Das Abenteuer vor einmaligem Panorama begann mit der Auslosung der Startnummern. Schon da war Günther das Glück nicht hold. Er zog die Nummer 89 und musste sich so auf das Handicap einrichten, tiefe Spurrillen und Löcher auf der ausgefahrenen harschen Skipiste vorzufinden. Die technische Abnahme der Maschinen sei »wie früher beim Stoppelcross« gewesen. Minuten vor dem Start war er doch »ein bisschen nervös« – um eine kleine Weile später nach einem wilden Ritt »voll glücklich« zu sein.

Die neun Millimeter langen Spikes seiner Schaufelräder krallten sich in den Schnee. Thilo Günther, bejubelt von tausenden Zuschauern, »zündete« in einer starken Zeit durch den Zielbogen und bekam den obligatorischen Schnaps eingeflößt. Das Malheur: Als er wieder unten ankam, wurde ihm gesagt, dass der Lauf nicht gewertet werden könne; die Lichtschranke sei nicht frei gewesen. Günthers Wiederholungsstart stand unter keinem glücklichen Stern – und endete nach 28 Metern mit einem Sturz.

»Da war die Nummer erledigt«, eine Topplatzierung ausgeschlossen. Thilo Günther, der mit seiner 120 PS-Maschine in der höchsten Klasse startete, hatte sich bei Sichtung der Mitbewerber aber ohnehin nicht übermäßig viel ausgerechnet. »Da waren extreme Umbauten bei, mit Lachgaseinspritzung. Die gingen voll ab. Teilweise haben die Vorderräder den Boden gar nicht berührt. Diese Jungs machen solche verrückten Geschichten wie diese seit Jahren.«

»Kein Grip gefunden«

Die Witterungsbedingungen verschlechterten sich zusehends. Am zweiten Tag regnete es. Seine zweite Fahrt war auf tiefem Boden nach etwa 105 Metern zu Ende. »Ich habe kein Grip gefunden, bin gar nicht richtig ins Fahren gekommen.« Kleines Trostpflaster: Wenigstens traf er Walter Röhrl und konnte mit der Rallye-Legende ausgiebig über das Pikes Peak-Bergrennen quatschen.

Thilo Günther will 2019 erneut zum »geilen Event« Ridnaun. Dann auf einer neuen Sonderanfertigung – sein »Husky« bekommt demnächst einen Platz im BMW-Museum.

Auch Ostern ist Thilo Günther wieder auf der Piste unterwegs, dann aber auf schnellem Renn-Asphalt. 1000 Kilometer auf dem 4574 Meter langen Hockenheimring: 75 Teams, 219 Runden – der traditionelle Auftakt zum Deutschen Langstrecken Cups (DLC). Die 43. Veranstaltung zum Langstrecken-Klassiker für Motorräder startet am Karsamstag. Das Team Wunderlich rast dann auf einer BMW S 1000 RR über die legendäre Piste.

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