Stadtderby in der Oberliga: Rydergård und Ludwigs angeschlagen »Der Druck liegt bei der TSG«

Bielefeld (WB). Die Operation »Verteidigung der Tabellenspitze« sieht für die TSG A-H Bielefeld in der Handball-Oberliga eine eigentlich eindeutige, gleichwohl prickelnde Aufgabe vor. Sonntag (17 Uhr) kommt der TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck in die Seidensticker Halle, der sich einen frechen und anspruchsvollen Ärger-Auftrag aufgebürdet hat: ein bisschen an der Bielefelder Handball-Hierarchie zu rütteln!

Von Jörg Manthey und Arndt Wienböker
Die TSG – hier mit Johannes Krause beim 31:28 im Hinspiel – hofft am Sonntag auf eine dem Derby angemessen besuchte Seidensticker Halle.
Die TSG – hier mit Johannes Krause beim 31:28 im Hinspiel – hofft am Sonntag auf eine dem Derby angemessen besuchte Seidensticker Halle.

»Ich habe mich als Spieler und Trainer immer auf diese Begegnung gefreut. Und ich denke, allen Beteiligten geht es genauso. Es ist halt doch eine etwas andere Aufgabe«, sagt TSG-Trainer Michael Boy. Seine Reihen waren in der Trainingswoche arg gelichtet. Ein Einsatz Gustav Rydergårds (krankgeschrieben, Antibiotika) ist unwahrscheinlich. Regisseur Marius Kastening hat einen Grippe-Rückschlag erlitten, auch Tobias Fröbel lag flach, und Arne Kröger musste wegen Knieproblemen eine Pause einlegen.

Mit »Tempospiel« und »Körperlichkeit« will die TSG dem Rivalen zusetzen; am 6:0-Abwehrbeton des Favoriten soll sich der Gegner, dessen Wurfgewalt aus der Distanz nicht mit der des Gastgebers mithalten kann, die Zähne ausbeißen. Michael Boy hat das Hinspiel genau analysiert (»Der TuS 97 hat da in der zweiten Hälfte eine Spitzenleistung gezeigt«) und Videos der zurückliegenden Gästespiele zusammengeschnitten. »Das ist eine starke und unberechenbare Mannschaft, die wir auf keinen Fall unterschätzen dürfen«, mahnt er und ist froh, dass mit Carl-Moritz Wagner ein Teamleader zurück ist. »Emotional und sportlich wird Calle uns nach vorne bringen.«

In den bisherigen elf Meisterschaftsduellen seit 2006 gab es bloß ein Unentschieden (25:25 im März 2016). Dreimal hieß der Sieger TuS 97, zuletzt 2014. Die TSG verließ siebenmal als Sieger das Parkett. Die meisten Derbys aus den aktuellen Kadern hüben wie drüben hat der gerade genesene Carl-Moritz Wagner bestritten: In neun Spielen gegen den TuS 97 glückten ihm 25 Tore. Sonntag kann er Marcel Müller (27/5) überholen. Eine Besonderheit weist Daniel Meyer auf. Der Linksaußen wirkte in vier Duellen für die TSG mit (12/3) und spielte seither dreimal im Dress des TuS 97 (12/6).

»Befreit aufspielen«

Jöllenbecks Trainer Eric Husemann fühlt sich in der Rolle des Außenseiters, die der Tabellenzehnte zweifelsfrei einnimmt, wohl: »Der Druck liegt bei der TSG. Wir können befreit aufspielen und freuen uns auf das Derby und eine hoffentlich gut besuchte Seidensticker Halle.« Wie schon im Hinspiel (28:31), als die Jürmker aus einem 11:17-Pausenrückstand ein 19:19 machten und den Favoriten fast zum Straucheln brachten, soll der Stadtrivale auch diesmal geärgert werden. »Wir werden alles reinhauen. Wenn wir es hinbekommen, das Tempospiel der TSG zu unterbinden und selbst mutig und effektiv spielen, ist vielleicht fast drin. Jeder Punkt ist wichtig.« Eric Husemann weiß sehr wohl um das Potenzial, das der TSG-Kader mit sich bringt. Im Aufstiegskampf sieht er aber »leichte Vorteile auf Spenger Seite«.

Die 6:0-Abwehr des Gegners zu knacken, wird eine der Hauptaufgaben der Jürmker sein. »Da müssen wir uns etwas einfallen lassen«, so Husemann. Ein dickes Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Kapitän Leon Ludwigs, der sich beim so wichtigen 30:28-Heimsieg gegen Hemer eine Oberschenkel-Zerrung zugezogen hat und die ganze Woche nicht trainieren konnte. Erst nach dem Warmmachen am Sonntag soll die Entscheidung über einen Einsatz von Ludwigs fallen.

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