Vor dem Handball-Oberligaderby: Interview mit Nils Strathmeier (TSG) und Daniel Meyer (TuS 97) »Ruhe und Nerven bewahren«

Bielefeld (WB). Sie werden am Sonntag (17 Uhr) auf dem Feld als Gegner direkt aufeinanderprallen: TSG-Rechtsaußen Nils Strathmeier (22) und TuS 97-Linksaußen Daniel Meyer (30) stellten sich vor dem Oberliga-Stadtderby in der Seidensticker Halle den Fragen von Jörg Manthey und Arndt Wienböker.

Gespiegelte Flügelflitzer: Nils Strathmeier (links) und Daniel Meyer hoffen auf eine atmosphärische Seidensticker Halle.
Gespiegelte Flügelflitzer: Nils Strathmeier (links) und Daniel Meyer hoffen auf eine atmosphärische Seidensticker Halle. Foto: Bernhard Pierel

Spöttisch wird ja gerne vom Spiel Baumheide-Süd gegen Vilsendorf-Nord gesprochen. Wie ist es anno 2018 um die Rivalität zwischen der TSG und dem TuS 97 bestellt? Ist dies eines von 26 Meisterschaftsspielen oder doch etwas anderes als gegen Gevelsberg-Silschede? Spielt der Tabellenstand in diesem Duell eine Rolle?

Nils Strathmeier: Ein Derby hat immer eine besondere Brisanz; ganz egal, wie die Tabellenoptik aussieht. Das Hinspiel war ja auch eine recht enge Kiste. Wollen doch mal sehen, ob wir die Atmosphäre Sonntag noch toppen können.

Daniel Meyer: Die TSG will aufsteigen, wir wollen nicht absteigen. Die Tabellensituation sorgt für zusätzliche Brisanz. Das Besondere ist, dass für beide Mannschaften jeder Punkt entscheidend sein kann. Ich freue mich auf die Atmosphäre in der Halle und hoffe auf mehr als 2000 Zuschauer.

Beim Blick auf die Tabelle: Wie fällt Ihr bisheriges Saisonfazit aus?

Strathmeier: Ich denke, wir spielen eine gute Saison. Manche sagen zwar, einige unserer Auftritte seien zuletzt wenig souverän gewesen. Aber ich gewinne lieber unattraktiv mit einem Tor und hole so trotzdem die nötigen Punkte. Das 25:25 in Nordhemmern etwa habe ich als Erfolg verbucht; es war mein allererster Punkt überhaupt dort.

Meyer: Unser bisheriges Abschneiden ist akzeptabel, und mit Platz zehn müssen wir aktuell wohl zufrieden sein. Wir haben meiner Meinung nach aber zu viele Punkte gegen gleichwertige Mannschaften liegen gelassen.

Worauf gilt es beim Gegner besonders zu achten?

Strathmeier: Wir wollen auf jeden Fall nicht nochmal so viele Schlagwurf-Gegentore bekommen wie im Hinspiel. Der TuS 97 hat ein gutes Kreisläuferspiel. Und wir dürfen Daniel Meyer nicht ins Tempospiel kommen lassen.

Meyer: Die TSG hat ein starkes Torwartgespann, das gut mit dem Mittelblock zusammenarbeitet. Es wird eine Herkulesaufgabe für uns, da vorbei zu kommen. Außerdem hat die TSG in Nils Strathmeier und Julius Hinz zwei extrem schnelle Außen.

Welche besonderen Momente verbinden Sie persönlich mit dem Stadtderby?

Strathmeier: Ich habe schon fünf Derbys gegen den TuS 97 gespielt, und jedes Mal war es ganz besonders.

Meyer: Als ich noch das TSG-Trikot getragen habe, war ich im Derby gegen Jöllenbeck mit einem Leger gegen Jörg-Uwe Lütt erfolgreich. Das war schon besonders.

Seit Christian Sprdlik den Professionalitätsmotor angeworfen hat, tut sich was bei der TSG. Der TuS 97 geht ebenfalls mit einem verstärkten Kader in die nächste Saison. Wie sehen Sie das, was da beim jeweils anderen Verein wächst, aus der Entfernung?

Strathmeier: Der TuS 97 wird nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen und bekommt in der nächsten Saison mit Kopschek und Reinsch zwei erfahrene Verstärkungen, die das Team definitiv aufwerten. Ich bin gespannt, was der Verein für die kommende Serie als Ziel ausgibt.

Meyer: Ich habe großen Respekt davor, was sich bei der TSG unter Christian Sprdlik professionell entwickelt. Das ist jetzt schon mindestens drittligatauglich.

Welche Eigenschaften zeichnen Sie aus?

Strathmeier: Ich denke, ich bin im Laufe der Jahre ein ganz guter Gegenstoßspieler geworden. Zwar mangelt es mir noch etwas an Erfahrung, aber das saugt man über die Jahre auf. Ich will das Beste fürs Team; dieser Charakterzug zeichnet auch viele andere aus der Mannschaft aus.

Meyer: Meine Stärke ist neben den Siebenmetern wohl immer noch die Grundschnelligkeit, auch wenn die schon ein bisschen abgenommen hat. Ein paar Erfahrungswerte habe ich im Laufe der Jahre auch sammeln können. Als Außen musst du ein gutes Auge für die Situation haben und eine halbe Sekunde schneller handeln als dein Gegenspieler.

Haben Sie am Spieltag oder vor dem Anpfiff ein Ritual, das sie pflegen?

Strathmeier: Seit dieser Saison gibt es mittags immer Pasta. Und in der Halle muss der erste Wurf ohne Torwart ins Netz gehen. Den darf keiner raustreten. Sonst habe ich kein gutes Gefühl.

Meyer: Ich habe bei den Spielen immer die gleichen zwei Getränke dabei und ziehe Socken und Schuhe immer in einer besonderen Reihenfolge an.

Was war bislang Ihr emotionalstes Erlebnis im Sport?

Strathmeier: Das allererste Spiel überhaupt in der Ersten, als ich in der 3. Liga für fünf Minuten gegen die Leichlingen Pirates ran durfte. Ich war über die Maßen nervös. Mein Gegenspieler hat mir auf die Schulter geklopft und gesagt: Junge, das Spiel ist durch, wir führen mit acht Toren. Es war trotzdem eine lustige Rückfahrt.

Meyer: Der Aufstieg mit der TSG in die 3. Liga und der Aufstieg mit dem TuS 97 in die Oberliga.

Wer von Ihrem Team ist der Lustigste in der Kabine?

Strathmeier: Da haben wir ganz unterschiedliche Charaktere. Die einen singen, andere lassen witzige Sprüche los. Max Kroll hat einen guten Humor, cooler Typ.

Meyer: Das ist bei uns Arne Kämper. Der hat immer viel zu erzählen – über Gott und die Welt.

Kleines Tippspiel zum Schluss. Was wird am Sonntag den Unterschied ausmachen, und wie geht das Derby aus?

Strathmeier: Ich habe noch nie ein richtig klares Derby mitgemacht, weder gegen Jöllenbeck noch gegen Spenge. Wichtig wird sein, Ruhe und Nerven zu bewahren – und dass unsere Deckung Beton anrührt. Was wir hinten nicht kriegen, brauchen wir vorne nicht zu machen. Ich bin sehr sicher, dass wir punkten werden, und tippe auf ein 28:26 für uns.

Meyer: Ich rechne uns durchaus Chancen aus. Wichtig ist, dass wir in der Abwehr griffig sind und selbst zu einfachen Toren über den Gegenstoß kommen. Wir holen einen Punkt, ich tippe 25:25.

Letzte Frage: Wer wird aufsteigen, Spenge oder TSG? Und wer steigt ab?

Strathmeier: Ich hoffe und glaube, dass wir das geschaukelt kriegen. Es kann sein, dass die Entscheidung wirklich erst am letzten Spieltag fällt. Da spielen wir gegen Mennighüffen und der TuS 97 in Spenge. Spannend!

Meyer: Ich denke, dass am Ende Spenge die Nase vorn haben wird. Das ist so ein Gefühl. Absteigen wird Gevelsberg und noch einer; aber nicht wir.

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