Thilo Günther startet beim »Harley & Snow Hillclimbing« in Ridnaun Eiertanz auf BMW-»Husky«

Bielefeld (WB). Wo sonst Skifahrer bergab wedeln, wählt Thilo Günther (38) den irren umgekehrten Weg. Auf einer umgebauten BMW R Nine T Scrambler wird der Motorrad-Rennfahrer aus Bielefeld in Ridnaun/Südtirol einen 210 Meter steilen Hang raufkraxeln. »Harley & Snow Hillclimbing« nennt sich dieses spezielle Wintervergnügen vom 9. bis 11. März.

Von Jörg Manthey
Das »Projekt Snowsucker«: Auf dieser umgebauten BMW R Nine T Scrambler rast Thilo Günther die steile Skipiste rauf.
Das »Projekt Snowsucker«: Auf dieser umgebauten BMW R Nine T Scrambler rast Thilo Günther die steile Skipiste rauf. Foto: Jörg Manthey

»Ich liebe Herausforderungen. Und ein bisschen verrückt bin ich ja auch«, grient Thilo Günther. Etwa 170 Fahrer und 10.000 Besucher werden zu dem Spektakel erwartet. Sein 1200 ccm-Untersatz vereint mehr als 120 PS und ist ein echter Hingucker – modifiziertes Heck, verlängerte Schwinge, Klappen-Doppelauspuffanlage. Die umgebaute BMW R Nine T Scrambler soll es im Schnee auf mehr als 100 »Sachen« bringen.

Suche nach Traktion

Die versammelten Motorrad-Junkies verfolgen nur ein Ziel: mit der Maschine am weitesten nach oben zu fahren. Das Spiel mit der Kupplung und den Gängen kann nur einer gewinnen. Günther möchte in der offenen Klasse möglichst vorne mitmischen und hofft dafür auf eine niedrige Startnummer. »Die Herausforderung wird sein, ausreichend Traktion zu bekommen, Grip«, erklärt er. Reifen mit mächtigen Eisnägeln sollen helfen, im Schnee auf Touren zu kommen.

Stunt-Ikone Pfeiffer

Im vorigen Jahr pilotierte Stunt-Ikone Chris Pfeiffer in Ridnaun den »Husky«, so der offizielle Name des von Nic Nagel designten Biestes. »Dass ich diesmal ausgewählt worden bin, ist eine große Sache für mich. Eine Ehre«, sagt Thilo Günther, der Werksfahrer von BMW Wunderlich (Sinzig). »Das Ganze ist ein großer Spaß und wird bestimmt lustig und cool. Ein bisschen Glück gehört aber dazu. Ehrgeiz wird sich natürlich auch noch damit mischen. Dafür bin ich zu sehr Sportler. Ich will hinterher sagen können: Ich habe alles gegeben und bin zufrieden«, sagt Günther, für Wintersport ansonsten nur bedingt zu begeistern. »Ich fahre lieber mit dem Motorrad einen Hang hoch als auf Skiern einen Hang runter.«

Diese Nagelreifen wird Thilo Günther aufziehen, um auf der Skipiste möglichst den nötigen Grip zu bekommen. Foto: Jörg Manthey

Vierfach-Stunt-Weltmeister Pfeiffer sprach hinterher übrigens von einem »Eiertanz« auf weichem Schnee. Er blieb im zweiten Lauf im Hang stecken; trotz Spikes. »Die Nagelreifen haben keine Traktion gefunden«, em-pfand er die Piste als »unfahrbar.«

Ehe es nach Südtirol geht, wird Thilo Günther noch »ein paar Meter auf einem Acker fahren«, um den Lenker passend einzustellen und ein Gefühl für das Moped zu bekommen. Der Industriemechaniker ist seit Wochen ein Reisender in Sachen Motorsport. Ob IMOT in München, Motorradwelt Bodensee in Friedrichshafen, Hamburger Motorrad-Tage oder die Motorradmesse in der Dortmunder Westfalenhalle an diesem Wochenende: Der Bielefelder gibt sich am Stand von BMW Wunderlich volksnah, steht für Gespräche und Autogramme bereit.

Im Juni zum Pikes Peak

An Themen mangelt es nicht: Pikes Peak, Fischereihafenrennen , Supermoto, Langstrecke, Boxercup... »Das macht mir total viel Spaß«, beteuert Thilo Günther. »Ich bin ganz erstaunt, wie viele Leute mich kennen.« Mit am schönsten seien Begegnungen mit Kindern. Dann denkt Günther an seine eigenen Anfänge zurück; wie er als kleiner Dötz den großen Egon Müller traf. Heute ist er mit der Speedwaylegende befreundet. Thilo Günther hat es in einen erlesenen Zirkel geschafft. Er braucht keine Unsummen dafür auszugeben, auf internationalem Terrain besondere Motorradrennen zu fahren. »Damit bin ich der Szene weit vorne. Ich bin froh, dass ich der Mann sein darf, der das alles ausprobieren darf«, sagt er dankend.

Am 7. Juni beginnt für ihn zum zweiten Mal nach 2017 das Abenteuer Pikes Peak. Das legendäre Rennen in Colorado ist für den 24. Juni datiert. Günther, der folglich beim DMSC-Grasbahnrennen fehlen wird, erhält diesmal weibliche Verstärkung: Lucy Glöckner (27), in der Superbike-IDM und der Langstrecken-WM unterwegs, will’s ebenfalls wissen. »Wir werden mit zwei BMW S 1000 R antreten und wollen um den Sieg fahren«, erklärt Wunderlich Geschäftsführer Frank Hoffmann.

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