66. Badminton-DM: Center Court kommt gut an – Loetzkes machen »Familiensache« Der Kessel brodelt beim Debüt

Bielefeld (WB). Die Deutsche Badminton-Meisterschaft hat sich Jannicka Loetzke traditionell im Kalender angestrichen. »Wenn die eine vorbei ist, freut man sich schon wieder auf die nächste«, erklärt die 23-Jährige das einfache Prinzip der 365-Tage-Faszination für ihren Sport. Ihre zwölfte Heim-DM sollte dennoch zu einer ganz besonderen werden.

Von Henrik Wittenborn
Stimmungsvolles Ambiente: Die Organisatoren der 66. Deutschen Badminton-Meisterschaft setzten erstmals auf einen von vier Tribünen eingerahmten Center Court. Schon am Samstag wurden alle zehn Halbfinalspiele auf dem einzig verbliebenen Platz ausgetragen. Einzig die Viertelfinals am Freitagabend waren nur mäßig besucht.
Stimmungsvolles Ambiente: Die Organisatoren der 66. Deutschen Badminton-Meisterschaft setzten erstmals auf einen von vier Tribünen eingerahmten Center Court. Schon am Samstag wurden alle zehn Halbfinalspiele auf dem einzig verbliebenen Platz ausgetragen. Einzig die Viertelfinals am Freitagabend waren nur mäßig besucht. Foto: Henrik Wittenborn

Denn zum ersten Mal wurde aus der freiwilligen Helferin Loetzke unverhofft eine DM-Teilnehmerin. »Das kam schon sehr überraschend. Damit hat von uns wirklich niemand gerechnet«, sagte Vater Thomas Loetzke. Jannicka Loetzke wurde vom Veranstalter mit einer Wild Card ausgestattet.

Fünf Loetzkes im Einsatz

Für Petra, Jannicka und Thomas Loetzke ist die Badminton-DM nicht aus dem Terminkalender wegzudenken. Foto: Henrik Wittenborn

Dass es seine Tochter allerdings mal auf den heiligen Platz des deutschen Badminton schaffen würde, daran ist Thomas Loetzke, selbst seit der ersten DM in Bielefeld ununterbrochen als Organisator und Helfer dabei, nicht ganz unschuldig. »Jannicka ist mehr oder weniger in Badminton-Hallen aufgewachsen und war schon im Kinderwagen immer mit dabei.«

Die Deutsche Meisterschaft ist im Hause Loetzke längst zur Familienangelegenheit geworden. Mutter Petra hat vom Shuttle-Service für den mittlerweile volljährigen Nachwuchs den Sprung in die Seidensticker Halle geschafft und packte im VIP-Bereich mit an.

Die Söhne Bastian und Frederick gingen Papa Thomas bei der Dopingkontrolle zur Hand und Tochter Jannicka war eben als Spielerin gefordert. »Und wir mussten niemanden dazu zwingen«, beteuerte Vater Thomas, der zudem als Badminton-Beauftragter im Stadtsportbund arbeitet.

Ausruhen konnte sich Tochter Jannicka auf ihrem DM-Debüt aber nur kurz: Am Tag vor ihrem großen Auftritt an der Seite von Nadine Rahmel gegen Annika Horbach und Theresa Wurm gönnte sich die 23-jährige Auszubildende zur Kinderkrankenpflegerin eine Helferpause. Nach dem 9:21/5:21 und der Pressekonferenz ging es aber schon wieder in den Helferpullover.

Auch Altmeister Zwiebler schaut vorbei

Auf Stippvisite: Marc Zwiebler schrieb am Samstag geduldig Autogramme. Foto: Henrik Wittenborn

Der Wermutstropfen: Schon am Donnerstag musste das Organisationsteam ein »Hallenverbot« der besonderen Art aussprechen: Axel Seemann, seit jeher »Macher« der Deutschen Meisterschaft in Bielefeld, habe sich zwar ausgesprochen heftig gegen die Symptome seiner Erkältung gewehrt, musste ihnen letztlich aber schweren Herzens Tribut zollen.

Seemanns Experiment, erstmals auf einen von vier Tribünen eingerahmten Center Court zu setzen, durfte als geglückt eingestuft werden. Schon in den Halbfinals am Samstag brodelte der »Bielefelder Kessel« ein ums andere Mal über und sorgte für eine stimmungsvolle Atmosphäre.

Die wollte sich auch der DM-Altmeister nicht entgehen lassen. Marc Zwiebler hat seine Laufbahn zwar bereits beendet, stattete »seinem« Turnier, das er insgesamt neun Mal gewann, am Samstag aber einen Besuch ab. Zwieblers Kommen sprach sich unter den Zuschauern schnell herum: Innerhalb von wenigen Minuten bildeten sich bei der Autogrammstunde lange Schlangen, die Zwiebler geduldig abarbeitete.

Rahmel hat die O35-Meisterschaft im Blick – mit Kira Weddemar

Ob Jannicka Loetzke nach ihrem aufregenden Debüt auf dem Center Court noch einmal als Spielerin DM-Luft in der Seidensticker Halle schnuppern darf? »Ich gehe eher davon aus, dass das eine einmalige Sache war.« Denn das ebenso spontan wie erfolgreich einberufene Doppel mit Nadine Rahmel könnte schon bald wieder gesprengt werden. Rahmels eigentliche Doppelpartnerin Kira Weddemar legt derzeit eine Babypause ein, will aber schon bald wieder angreifen.

»Wir haben die Deutsche Meisterschaft der O35 im Blick. Aber wir müssen schauen, wie Kira das mit ihrem Kind unter einen Hut kriegt«, verriet Rahmel. Für Tipps darf sich Weddemar sicher gern’ an Familie Loetzke wenden. Die weiß ja, wie es geht.

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